Aufgewachsen in der "falschen" Ecke von Hamburg tingelt Heinz jahrelang als Musiker einer letztklassigen Band von Dorffest zu Hochzeit zu Tanzbar. Trostlos, frustrierend, aussichtslos. Doch Heinz bewahrt sich unerschütterlich seinen Humor in dieser allgegenwärtigen Tristesse ...
Die Jugend am Lande: Schützenfeste, Knutschereien und Bier ohne Ende - so schön könnte es sein. Doch leiderleider hat Heinz (Maxim Mehmet) beschlossen, Musiker zu werden. Da ist man zwar immer nah am Geschehen, doch selten mittendrin. "Wir sind maximal ne bessere Jukebox", stellt er einmal fest.
Aber eigentlich ist Heinz ja heilfroh, bei "Tiffanys" mitzuspielen. "Tiffanys", nicht "Die Tiffanys", darauf besteht Bandleader Gurki (Andreas Schmidt) mit Vehemenz. Denn er könnte ja auch immer noch daheim sitzen, bei der manisch depressiven Mutter, Blockflöte üben und gemeinsam mit der traurigen, übergewichtigen Nachbarin Rosi (Livia S. Reinhard) über die Düsternis der Welt nachdenken. Rosi wird nämlich wegen ihrer suboptimalen Figur regelmäßig von ihren Männern verlassen, und an Heinz traut sich überhaupt kein Mädel heran: Er ist nämlich nicht nur enorm schüchtern, sondern leidet an einer massiv entstellenden Akne, die nicht nur Schönheit, sondern auch Selbstbewusstsein schädigt.
Zum Glück fällt bei Tiffanys irgendwann der Saxophonist aus, und Heinz darf einspringen und bei einer Landhochzeit zünftig aufspielen, obwohl Mama grade ins Krankenhaus musste, wegen eines nervösen Anfalls: "Swingtime is good time! Good time is better time!" brüllt Gurki vor dem Auftritt ins hysterisch betrunkene Publikum, um dann einen alten Hadern nach dem anderen zum Besten zu geben. Zumindest ermöglicht Muttis Klinikaufenthalt Heinz, seinem Traum etwas näher zu kommen: Musikproduzent zu werden. Im Wohnzimmer, zwischen Wäscheständer und Strukturtapete, richtet er ein kleines Tonstudio ein, engagiert einen blonden engelhaften Bubentraum namens Anja (Susanne Bormann) als Sängerin, und nimmt seine eigene Musik auf. Doch dann wird Anja schwanger, Mamas Zustand verschlechtert sich, und die Stimmung bei Tiffanys ist auch im Keller. Bei einem Schützenfest geht dann aber der Gastsänger und Show-Gigant Oliver Bendt (Sylvester Groth) auf offener Bühne in Flammen auf, und Heinz spielt Feuerwehrmann. Und plötzlich könnte die Karriere doch ins Rollen kommen. Wäre doch fein, oder?
Der deutsche Komiker Heinz Strunk, in Österreich vor allem bekannt geworden durch die Zusammenarbeit mit Stermann und Grissemann bei Immer nie am Meer, hat mit seiner Autobiographie Fleisch ist mein Gemüse über eine Viertelmillion Leser zu Lachkrämpfen und -tränen gerührt. Völlig logisch, dass diese Vorlage auf die Leinwand musste. Im Film erzählt Strunk himself folgerichtig auch vor einem kleinen Vorhang, wie es denn zu all dem Elend gekommen ist - und dann öffnet sich das Schmierentheater seines Lebens, und Maxim Mehmet in Gestalt des jungen Strunk erleidet allerlei Unbill. Warum der echte Heinz Strunk sein Lamento allerdings im Dialog mit einem falschen ausgestopften Rehbock vorbringt, bleibt unklar. Doch Strunks schrulliger Humor muss nicht immer 100% verständlich sein. Kenner wissen das zu schätzen.
Text: Magdalena Miedl
Filminfo & Credits |
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| Titel | Fleisch ist mein Gemüse |
| Originaltitel | Fleisch ist mein Gemüse |
| Genre | Drama |
| Land, Jahr | Deutschland, 2008 |
| Länge | 101 Minuten |
| Regie | Christian Görlitz |
| Drehbuch | Heinz Strunk, Christian Görlitz nach dem gleichnamigen Roman von Heinz Strunk |
| Kamera | Andreas Höfer |
| Schnitt | Klaus Dudenhöfer |
| Produktion | Susanne Freyer |
| Darsteller | Heinz Strunk, Maxim Mehmet, Rocko Schamoni, Klaus Baumgart, Susanne Lothar, Andreas Schmidt, Oliver Bröcker, Anna Fischer, Livia S. Reinhard |
| Verleih | Einhorn Film |
Bewertung |
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| Humor | |
| Action | |
| Spannung | |
| Anspruch | |
| Romantik | |
| Erotik | |