Schmierfinken im Visier: Til Schweiger nimmt die deutsche Boulevard-Szene aufs Korn - und sich selbst dabei kein bisschen ernst. Vorsicht, bissig!
Til Schweiger, Deutschlands knackigster Kinoschönling, hat wirklich Ahnung vom Showbusiness. Oft genug muss er sich mit fieser Presse rumschlagen, mit gemeinen Gerüchten und lästigen Reportern. Mit Keinohrhasen kommt die charmante Rache an der Branche: Schweiger führte Regie, schrieb das Drehbuch - gemeinsam mit Autorin Anika Decker - und übernahm die Hauptrolle des moralisch höchst verkommenen Journalisten Ludo, der für die Klatschzeitung „Das Blatt“ schreibt.
Ludo ist den Promis ständig auf der Spur, versteckt sich in Schlafzimmern und belauscht Intimitäten, um die frischeste Schmutzwäsche auf die Titelseite zu bringen - was meistens auch gelingt. Privat durchlebt der Reporter eine schier unendliche Aneinanderreihung von One-Night-Stands und Quickies, einer heißer als der andere. Fürs Fixe ist der junge Mann nicht zu haben, lieber kriecht er weiter mit seinem Fotografen Moritz (Matthias Schweighöfer) auf Hoteldächern herum, um Ehestreitigkeiten und Affären berühmter Leute hautnah zu dokumentieren - und zwischendurch das eine oder andere Zimmermädchen zu vernaschen.
Wenn einer so erfolgreich ist wie Ludo, kriegt er dann auch die besten Exklusivinterviews: Filmstar Jürgen Vogel (gespielt von, genau, Jürgen Vogel) gibt bekannt, die "Arthouse-Kacke" satt zu haben und fürderhin mit blonder Mähne, neuem Gebiss und Silikonimplantaten im Hintern als Pin-Up für die Massen reüssieren zu wollen. "Hat Jürgen jetzt einen Vogel?" lautet Ludos griffige Headline dazu.
So weit, so gut. Die nächste Story ist weniger gelungen: Boxweltmeister Wladimir Klitschko (DER Wladimir Klitschko, richtig geraten) möchte seiner Freundin Yvonne Catterfeld (genau die) einen Heiratsantrag machen, ganz geheim und im privaten Rahmen. Ludo kriegt Wind davon, will sich reinschleichen - und lässt die Party im wahrsten Sinne des Wortes platzen, als er und Fotograf Moritz durchs Glasdach mitten in die Verlobungstorte krachen. Im anschließenden Prozess wird er von einer frustrierten Richterin zu 300 Stunden Sozialarbeit verdonnert, die er in einem Kinderhort abzudienen hat. Andernfalls wartet der Knast auf ihn. Doch für einen hartgesottenen Boulevardschreiberling ist der Kindergarten hartes Pflaster. Besonders, wenn die Ex-Schulkollegin Anna (Nora Tschirner) hier die neue Chefin ist, ehemals Brillenschlange und Mauerblümchen, die sich am arroganten Mitschüler von damals mit Genuss rächt.
Auch abseits des Spielplatzes ist miese Stimmung: Jürgen Vogels Karriere-Relaunch war eine geschickt inszenierte Zeitungsente, die Blamage ist groß. Die neue Story muss dafür perfekt werden: Die Schlager-Stars Michi Nussbaumer (Gregor Bloéb) und Daniela Berg (Nina Proll) wollen ein gemeinsames Interview geben. Ludo wittert Ehekrise - und hat diesmal den richtigen Riecher, die Titelseite mit dem streitenden Jodel-Duo wird ein Renner. Nun ist die Sache wieder am Laufen, und auch der Kinderhort wird endlich zur Spielwiese, als Ludo eine hübsche Mama anbaggert: Nina (Brigitte Zeh) ist Schauspielerin und trotz ihrer Mutterschaft mindestens so sehr an schnellem Sex interessiert wie Ludo. Doch den eigentlichen Deckel für diesen Topf gibt’s natürlich woanders. Bis sich das richtige Paar aber gefunden hat, müssen noch etliche Kinder verletzt, Headlines erfunden und Promis entblättert werden.
Die titelgebenden Keinohrhasen sind übrigens Plüschkarnickel, bei denen der unfreiwillige Hort-Onkel Ludo die Löffel anzunähen vergisst. Klingt niedlich, doch der ganze Film ist eindeutig was für Große: Die vielen Sex-Gespräche sind so nah an der Realität, dass die meisten Männer hier im Kino noch was lernen können.
"Normalerweise werden romantische Komödien von Frauen geschrieben", erklärt Til Schweiger. Seine Zusammenarbeit mit Anika Decker erweitert das Komödienklischee um eine erfrischende Prise Derbheit: "Deshalb spricht der Film auch Männer an, weil sowohl Anika als auch ich unsere persönlichen Erfahrungen einbringen." Echt wahr? Wenn mal das keine guten News für Klatschreporter sind.
Text: Magdalena Miedl
Filminfo & Credits |
|
|---|---|
| Titel | Keinohrhasen |
| Originaltitel | Keihnohrhasen |
| Genre | Liebeskomödie |
| Land, Jahr | Deutschland, 2007 |
| Länge | 115 Minuten |
| Regie | Til Schweiger |
| Drehbuch | Anika Decker |
| Kamera | Christoph Wahl |
| Schnitt | Charles Ladmiral |
| Musik | Dirk Reichardt, Stefan Hansen, Mirko Schaffer |
| Produktion | Til Schweiger, Tom Zickler |
| Darsteller | Til Schweiger, Nora Tschirner, Jürgen Vogel, Alwara Höfels, Rick Kavanian, Armin Rohde, Wolfgang Stumph, Barbara Rudnik, Christian Tramitz, Yvonne Catterfeld, Armin Rohde, Matthias Schweighöfer, Matthias Schweighöfer |
| Verleih | Warner Bros. |
Bewertung |
|
|---|---|
| Humor | |
| Action | |
| Spannung | |
| Anspruch | |
| Romantik | |
| Erotik | |