Der Fuchs und das Mädchen

Kino naturnah. Nach seiner vielfach ausgezeichneten Doku Die Reise der Pinguine widmet sich Filmemacher Luc Jaquet in seinem zweiten Kinofilm der prächtigen Landschaft der französischen Alpen - und seinen zwei- und vierbeinigen Bewohnern.

Es ist eine ganz kleine und gleichzeitig auch eine ganz große Geschichte, die von dem Mädchen und der Füchsin. Eine Geschichte, die ein wenig an den Fuchs in Antoine de Saint-Exupérys Kinderbuch-Klassiker Der kleine Prinz erinnert.

"Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs. "Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor. "Ich kann nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs. "Ich bin noch nicht gezähmt!"

 "Was bedeutet ,zähmen'?" "Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagte der Fuchs. "Es bedeutet: sich ,vertraut machen'."

Lila (Bertille Noël-Bruno) ist elf, lebt mit ihren Eltern in einem kleinen einsamen Haus mitten in einer der prächtigsten Landschaften Mitteleuropas. Jeden Tag fährt sie mit dem Rad in die Schule, es ist ein langer, beschwerlicher Weg - für Lila allerdings bedeutet er jeden Tag ein neues kleines Abenteuer. Sie liebt den Wald, die steilen Hänge mit den vielen Blumen, und die alte Buche, die allein und weise auf einer Wiese steht und schon so vieles gesehen hat, von dem Lila nur träumt.

Eines Tages ist da ein Fuchs, direkt neben der Buche. Ein wunderschönes Tier, sonst so scheu, aber diesmal läuft es nicht gleich weg. Ganz langsam, ganz nah kann sie sich anschleichen und den Fuchs betrachten. Dann plötzlich hebt er den Kopf, sieht sie kurz an und verschwindet im Wald, blitzschnell.

Lila ist wie vom Donner gerührt, die Begegnung hat sie total bezaubert. Was für ein herrlicher Fuchs. Lila beschließt, ihn zu zähmen - und kommt tagtäglich nach der Schule an den Platz unter der Buche, um auf "ihren" Fuchs zu warten. Anfangs vergeblich, doch nach einigen Wochen zeigt das Tier seine rote Schnauze, wird bald immer zutraulicher, und irgendwann entsteht tatsächlich eine vertraute Beziehung zwischen dem Fuchs, einem Weibchen, und dem Kind. Einen ganzen Sommer lang streifen sie täglich gemeinsam durch die endlosen Wälder, Lila erlebt das größte Abenteuer ihres jungen Lebens. Lila ist glücklich, endlich hat sie eine Freundin gefunden, mit der sie alles machen kann. Doch ein Fuchs ist ein wildes Tier, kein Besitz, kein Spielzeug - das ist die wichtigste Lektion, die das lebenserfahrene Tier das junge Menschenskind lehrt. Man kann sich die Natur vertraut machen, aber wenn man versucht, sie zu unterwerfen, dann zerstört man das Wesentliche.

Luc Jacquets neuer Film mutet mit seinen langsamen, genüßlichen Blicken auf die grandiose Landschaft der französischen Alpen, ihre reichhaltige Flora und Fauna, fast an wie eine Dokumentation - und ist doch sorgfältig inszeniert bis ins Detail. Allerdings spielen hier weder Special Effects noch Superstars die Hauptrollen, sondern die Natur des französischen Départements Ain - und ein Fuchs, und ein kleines Mädchen. "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", sagt Saint-Exupérys Fuchs, bevor er im Wald verschwindet. Nach den überwältigenden Bildern in diesem Film könnte man fast in Versuchung kommen, diesen berühmten Satz noch einmal zu überdenken.

Text: Gini Brenner

Filminfo & Credits

Titel Der Fuchs und das Mädchen
Originaltitel Le renard et l'enfant
Genre Kinderfilm
Land, Jahr Frankreich, 2007
Länge 97 Minuten
Regie Luc Jacquet
Drehbuch Luc Jacquet, Eric Rognard
Kamera Gérard Simon, Eric Dumage, François Royet
Produktion Bonne Pioche
Darsteller Bertille Noël-Bruno, Isabelle Carré, Thomas Laliberté
Verleih Luna Filmverleih

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik