Roland Düringer braucht Geld. Josef Hader braucht Zuneigung. Joachim Bißmeier braucht seine Ruhe. Doch daraus wird nichts. Florian Flicker präsentiert: Dog Day Afternoon in Wien.
Nur ein Trottel würde vom Schwager, der Polizist ist, die Dienstwaffe stehlen, eine Faschingsmaske aufsetzen und den nächsten Supermarkt überfallen, weil er arbeitslos ist, vor der Scheidung steht und kein Geld hat, um seinem Buben ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Diese bittere Erkenntnis macht sich just in dem Moment im Schädel von Andreas (Roland Düringer) breit, wo er an der Kasse steht und sich entscheiden muss: Entweder ich sage jetzt Überfall! oder ich halte die Goschen und überlege mir einen alternativen Finanzierungsplan.
Schön, dass Andreas Möglichkeit Zwei in Erwägung zieht. Schlecht, dass er sein Glück beim Schneider (Joachim Bißmeier) um die Ecke versucht. Denn der hat gerade einen Kunden (Josef Hader) bei sich. Und vor der Tür, du glaubst es nicht, parken die Polizeiautos plötzlich gleich kolonnenweise, weil irgendein Depp hat den Supermarkt dann doch noch überfallen und solange die Kollegen von der Spurensicherung nicht abgezogen sind, sitzt auch Andreas in der Falle. Mit einem Zyniker und einem Asthmatiker als Geisel. Und 800 Schilling als Beute. Schöner Schmarrn.
In der amerikanischen Pokultur kommt es immer wieder vor, dass die besten Kriminalgeschichten gerade die sind (siehe Jim Thompson, siehe Quentin Tarantino, siehe Carl Hiaasen), wo kleine Gauner viel eher auf die Schnauze fallen als das große Geld zu kriegen. In dieser Tradition steht Der Überfall als Chronik eines schlamperten Verbrechens da.Allerdings muss man sich trotz aller Spannung fragen, ob das nun wirklich ein Krimi ist, wenn drei Männer in einem Wiener Hinterzimmer sitzen, einer hält die Pistole in der Hand, die anderen haben die Angst im Nacken und das Schicksal spielt auf Zeit? Oder kann das nur eine Komödie sein, wo doch zwei von drei Hauptdarstellern zu Österreichs berühmtesten Kabarettisten gehören, Bühnenprofis, die derart an den Schmäh gebunden sind, dass die nur traurig schauen müssen und schon kommt dir ein Lachen aus?
Der Überfall ist das Protokoll einer Geiselhaft, made in Austria: zäh, zermürbend und bisweilen auch recht zornig. Als eine spezielle Qualität des Films empfinde ich, dass darin so unklar bleibt, ob es sich um eine sehr witzige Tragödie oder eine traurige, brutale Komödie handelt, sagt Josef Hader. Die Juroren der Filmfestspiele von Locarno sahen die Sache ähnlich und gaben den drei Hauptdarstellern einen Bronzenen Leoparden. So hat sich Der Überfall am Ende also doch noch ausgezahlt.
Text: Peter Krobath
Filminfo & Credits |
|
|---|---|
| Titel | Der Überfall |
| Originaltitel | Der Überfall |
| Genre | Tragikomödie |
| Land, Jahr | Österreich, 2000 |
| Länge | 84 Minuten |
| Regie | Florian Flicker |
| Drehbuch | Florian Flicker, Susanne Freund |
| Kamera | Helmut Pirnat |
| Schnitt | Mona Willi |
| Musik | Sam Auinger, Hannes Strobl |
| Produktion | Helmut Grasser |
| Darsteller | Joachim Bissmeier, Roland Düringer, Josef Hader |
| Verleih | Filmladen |
Bewertung |
|
|---|---|
| Humor | |
| Action | |
| Spannung | |
| Anspruch | |
| Romantik | |
| Erotik | |