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Die Vaterlosen

Die Vaterlosen

Drama. Österreich 2011. 104 Minuten.

Regie: Marie Kreutzer
Mit: Andreas Kiendl, Emily Cox, Marion Mitterhammer, Johannes Krisch

Familie ist wie eine Blumenwiese: Je näher man hinsieht, desto mehr sieht sie wie ein Dschungel aus ... Marie Kreutzers starkes Langfilm-Debüt wurde auf der Berlinale 2011 mit begeisterten Reaktionen bedacht.

Filmstart: 8. April 2011

Wenn ein Vater stirbt: Liebevoll von seiner jüngeren Lebensgefährtin Anna (Marion Mitterhammer) gepflegt, macht Hans (Johannes Krisch) seine letzten Atemzüge - nicht ohne zuvor noch seinem eilends angereisten Sohn Niki (Philip Hochmair) ein letztes Mal darzulegen, wie wenig er zeitlebens von ihm gehalten hat.
Tja, kein besonders guter Papa war er, der Papa, da sind sich Hans’ Kinder eigentlich einig, als sie sich nach und nach im großen, baufälligen Elternhaus mitten in idyllischer Einsamkeit einfinden, um sich am Grab von ihrem Vater zu verabschieden. Ein charismatischer, aber unverbesserlicher Egoist und Macho, der das in den 70ern so aufregende Lebensmodell der Kommune hauptsächlich dafür nutzte, mit so vielen Frauen wie möglich herumzumachen, die ihn dann bedienen und seine Kinder aufziehen durften.
Aber trotzdem gabs auch schöne, nette und faszinierende Seiten an ihm. Und wenig bekannte. So taucht zum Beispiel neben Nikis Geschwistern Vito (Andreas Kiendl) und Mizzi (Emily Cox) auch Kyra (Andrea Wenzl) auf - die damals, kurz nach Mizzis Geburt, gemeinsam mit ihrer Mutter die Kommune verlassen hatte, und die nun endlich eine Antwort will auf die Frage, warum ihr Vater all die Jahre den Kontakt zu ihr verweigert hat. Aber Papa kann diese Frage nun nicht mehr beantworten, und Anna, Mizzis Mutter, weigert sich, eine schlüssige Erklärung abzugeben.
Niki und Vito können sich noch dunkel an unbeschwerte, gemeinsame Kindheitserlebnisse erinnern - Mizzi dagegen, die Jüngste, wusste bis dato nicht einmal, dass sie noch eine Schwester hat.
Kyra ist fassungslos und wütend. Warum hat man sie so brutal aus der Familiengeschichte ausradiert? Was geschah damals, bevor sie und ihre Mutter das große Haus so überstürzt verlassen haben? Es hilft alles nichts, die Wahrheit muss ans Licht - und so werden nach und nach Erinnerungen ausgegraben und Puzzleteile zusammengesetzt. Aber während die Geschwister einem düsteren Geheimnis immer mehr auf die Spur kommen, beginnen Sie auch, ohne es zu merken, ihre auseinandergebrochene Familie Stück für Stück wieder zusammenzubauen.

Keine Familie ist wie die andere, aber eines haben alle gemeinsam: Sie sind nicht nur Hort von Leben und Liebe, sondern auch von Neurosen, lebenslangen Traumata und generell dem ganz normalen Wahnsinn. Und so zeichnet Marie Kreutzer in ihrem packenden Drama das Porträt einer außergewöhnlichen Lebensgemeinschaft völlig unspekulativ, aber um so wahrhaftiger. Einen wesentlichen Teil an der eindringlichen Wirkung dieses Films trägt natürlich das großartige Ensemble, allen voran die blutjungen Darsteller der Geschwister in Kindertagen.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Die Vaterlosen
Originaltitel Die Vaterlosen
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2011
Länge 104 Minuten
Regie Marie Kreutzer
Drehbuch Marie Kreutzer
Kamera Leena Koppe
Schnitt Ulrike Kofler
Musik David Hebenstreit
Produktion Franz Novotny, Robert Buchschwentner, Ursula Wolschlager
Darsteller Andreas Kiendl, Emily Cox, Marion Mitterhammer, Johannes Krisch, Pia Hierzegger, Andrea Wenzl, Kitty Khittl
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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