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Die Klasse

Entre les murs

Drama. Frankreich 2008. 128 Minuten.

Regie: Laurent Cantet
Mit: François Bégaudeau

Alle rätseln immer, wie die Kids von heute so ticken. Laurent Cantet rätselt nicht - sondern stellt sich mitten ins Geschehen. Nachrichten vom Brennpunkt: Das witzige, anrührende und beklemmende Portrait einer Schulklasse aus der Pariser Banlieue.

Filmstart: 16. Jänner 2009

Eine Schulklasse, das ist wie die Gesellschaft unter der Lupe: Es gibt die Reichen, die Coolen, die Schönen, die Außenseiter und die Revoluzzer. Was in unzähligen High-School-Filmen zur Genüge ausgereizt wurde, sieht aber gleich ganz anders aus, wenn die Schule in einem der Stadtränder einer französischen Großstadt steht, wo ethnische Gruppen aneinander geraten und rabiate Bürgermeister Säuberungskampagnen androhen. Denn innerhalb des Klassenzimmers muss es egal sein, ob du weiß, schwarz oder braun, Muslim, Goth, Buddhist oder Christ bist, auf Fußball stehst oder auf die Klassensprecherin. Es muss egal sein - ist es aber nicht, denn Teenagersein ist sowieso schwer, und erst recht, wenn der Banknachbar aus einem komplett anderen Kulturkreis kommt. Wie man bei all dem Durcheinander an Sprachen und Wünschen dann auch noch lernen soll, ist unklar. Und doch bemüht sich Jahr für Jahr eine Gruppe zunehmend desillusionierter Lehrer, die Schüler zu bändigen und ihnen vielleicht sogar ein wenig französische Grammatik für den Weg einzutrichtern. 

François ist einer von ihnen, ein junger Lehrer voller Ideale, der versucht, mit seinen Schülern zu reden, als wären sie erwachsene Menschen. Nur, wer will schon erwachsen sein, wenn der Lehrer womöglich schwul ist, und außerdem verlangt, Tagebücher von toten jüdischen Mädchen zu lesen? Doch François gibt nicht auf und verlangt von seinen Schülern, nach der Lektüre des Tagebuchs der Anne Frank, Selbstporträts zu schreiben. Die Klasse wird unruhig: "Wen interessiert schon, wer ich bin?" schreit einer aus der letzten Reihe. Und ein anderer, groß, und mit einem furchteinflößenden Tattoo auf der Schulter: "Das ist zu intim. Das geht niemanden was an."

Drei Kameras, eine Bande hoch motivierter Teenager und ein Lehrer voller Ideale - das hatte Regisseur Laurent Cantet (In den Süden) zur Verfügung. Was er daraus machte, hat mittlerweile schon fast Kinogeschichte geschrieben: Goldene Palme in Cannes, französischer Beitrag für die Oscars 2009, nominiert für den Europäischen Filmpreis, viele weitere Preise, über eine Million Zuschauer in Frankreich - und das mit einem semi-dokumentarischen Film über eine Schulklasse? Geheimnis des Erfolgs ist der genaue Blick, den der Regisseur auf die Schüler wirft, der idealistische Lehrer, der immer wieder ganz brutal an dem Unwillen der Teenager scheitert - und die Schüler, die nicht nur abseits der Leinwand selbstbewusst, witzig und gar nicht so sozial gefährdet wirken. Rückgrat des Films ist das gleichnamige Buch von François Bégaudeau, der im Film den Lehrer spielt und der seine Erfahrungen während eines Schuljahres niedergeschrieben hat. Auf die Frage, wie realistisch der Film ist, grinst Esméralda Ouertani, im Film die Klassensprecherin, und sagt: "Schon ziemlich realistisch. Aber in Wirklichkeit sind wir nicht ganz so schlimm!"

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Die Klasse
Originaltitel Entre les murs
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich, 2008
Länge 128 Minuten
Regie Laurent Cantet
Drehbuch Robin Campillo, Laurent Cantet, François Bégaudeau
Kamera Georgi Lazarevski, Pierre Milon, Catherine Pujol
Schnitt Robin Campillo, Stéphanie Léger
Produktion Caroline Benjo, Simon Arnal, Carole Scotta, Barbara Letellier
Darsteller François Bégaudeau, Esméralda Ouertani, Boubacar Touré, Franck Keita, Wei Huang, Carl Nanor
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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