Fliegen Ganz oben und ziemlich abgehoben: George Clooney jagt als besessener Frequent Flyer der ultimativen Vielfliegertrophäe nach - und segelt dabei haushoch übers wirkliche Leben hinweg. Bis es ihn schließlich einholt ... Im Regie-Tower: Jason Reitman (Juno).
Alles, was er zum Leben braucht, hat Platz in einem Trolley. Handgepäck natürlich, Gepäck aufgeben ist doch nur was für Loser. Normale Menschen. Erdlinge. Ryan Bingham (George Clooney) ist der ultimative Frequent Flyer: Smartphone, Pass und Kreditkarte sind die einzigen Konstanten in seinem Leben, alles andere vergeht im Flug. Ryan ist Unternehmensberater, einer von denen, die Geschäftsführern vorrechnen, wie sie die Firma retten und ihren Porsche behalten können. Er hüpft von Schauplatz zu Schauplatz, streicht jedes Mal ohne viel Federlesens eine konsiderable Anzahl an "überflüssigen" Arbeitsplätzen und boarded dann zufrieden mit sich das nächste Flugzeug. Trotz seiner wenig karitativen Tätigkeit ist er aber kein böser Mann: Ryan ist charmant, nett und zuvorkommend, wahrhaft oberflächlich im besten und reinsten Sinne des Wortes. Er ist glücklich in seiner Welt aus Business-Hotelzimmern, Flugzeug-Snacks und Mietautos. Eine eigene Wohnung, ein Zuhause gar, hat er nicht und braucht er nicht. Denn Ryan gehört zu einer ganz besonderen Gruppe von Menschen: Nicht nur genießt er so ziemlich jede Vielfliegerprogramm-Vergünstigung, die es über den Wolken nur gibt. Er ist auch knapp daran, die Zehn-Millionen-Flugmeilen-Marke zu knacken. Als einer von nur sieben Menschen auf diesem Planeten. Das ist etwas, wofür es sich zu leben und einzuchecken lohnt.
Frauen? Die kennt Ryan hauptsächlich als Prostituierte, wie die, mit denen er sich allfällige einsame Abende angenehm macht - oder neurotische Zicken, wie seine Schwester Julie (Melanie Lynskey). Nichts, womit man sich wirklich beschäftigen möchte. Auch wenn Flughafenlounge-Zufallsbekanntschaft Alex (Vera Farmiga, bekannt als sexy Therapeutin in Scorseses The Departed) entschieden interessanter ist als das Bordmagazin.
Aber dann setzt so eine junge, ehrgeizige Mitarbeiterin im Home Office Ryans Boss (Jason Bateman) einen riesigen Floh ins Ohr: Was wäre, wenn man die Beratungsgespräche mit den sanierungswilligen Geschäftsführern per Videokonferenz führen würde - und somit die teuren Reisekosten der Außendienstmitarbeiter einsparen könnte? Ryan ist in seinen Grundfesten erschüttert. Wird sein konstanter Höhenflug nun sein Ende finden? Wird er bald für immer landen und seinen perfekt organisierten Trolley zum letzten Mal auspacken? Und wenn ja - wer verdammt profitiert dann von seinen fast zehn Millionen Frequent-Flyer-Meilen?
George Clooney als Mann, der es sich in der Unverbindlichkeit so gemütlich gemacht hat, dass ihm alles andere unsicher erscheint - ein großartiges Vergnügen und eine tolle Performance, mit der er kürzlich nur ganz knapp an einem Golden Globe vorbeijettete. Wundervoll abgehoben und total überdrüber präsentiert sich der neue Film von Regisseur Jason Reitman, der 2005 mit Thank You For Smoking und vor zwei Jahren mit der warmherzigen Komöde Juno Furore machte. „Die Art, wie wir Menschen Gemeinschaft erleben, verändert sich dramatisch", sagt Reitman über Up in the Air. „Wir telefonieren, facebooken, e-mailen, twittern - aber in Wirklichkeit sehen wir einander kaum mehr in die Augen. Ryan ist die perfekte Metapher: Wir sind alle so global, dass wir vergessen haben, wo wir eigentlich wirklich sind."
Text: Kurt Zechner
Filminfo & Credits |
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| Titel | Up in the Air |
| Originaltitel | Up in the Air |
| Genre | Literaturverfilmung/Tragikomödie |
| Land, Jahr | USA, 2009 |
| Länge | 109 Minuten |
| Regie | Jason Reitman |
| Drehbuch | Jason Reitman, Sheldon Turner nach dem Roman von Walter Kim |
| Kamera | Eric Steelberg |
| Schnitt | Dana E. Glauberman |
| Musik | Rolfe Kent |
| Produktion | Ivan Reitman, Jason Reitman, Jeffrey Clifford, Daniel Dubiecki |
| Darsteller | George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Melanie Lynskey, Jason Bateman |
| Verleih | UPI |