Inception

Bewusstseinsveränderung auf Großleinwand: Leonardo DiCaprio dringt im neuen SciFi-Meilenstein von Batman-Regisseur Christopher Nolan in die Träume fremder Leute ein, um deren wertvollste Geheimnisse zu stehlen - bis er den Auftrag bekommt, eines zu implantieren.

Begeben wir uns in eine Welt, die über die Technologie verfügt, um in die Träume von Menschen einzudringen. Hier bewegt sich Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) gewandt wie kein anderer ständig auf Messers Schneide von einem mentalen Gewaltakt zum nächsten. Cobb ist ein meisterlicher Dieb, der beste unter jenen, die die gefährliche Kunst der "Extraktion“ beherrschen. Niemand versteht es besser, Wirtschaftsbosse und andere wichtige Leute zu entführen, mit Drogen vollzupumpen und an jene Maschinen anzuschließen, die den Betroffenen in eine extra für ihn kreierte Traumwelt schicken, zu der auch Cobb Zutritt hat und die es ihm erlaubt, aus dem Unterbewusstsein seiner Opfer deren wichtigste und einträglichste Informationen herauszuschürfen. In dieser abgründigen neuen Welt der Industrie- und Wirtschaftsspionage ist Cobb sozusagen der meistgefragte Extrahent, aber auch der meistgejagte, weil die Extraktion selbstverständlich ein Verbrechen ist. Und so ist Cobb nicht nur gefürchtet, wohlhabend und abgebrüht - er ist auch furchtbar einsam. Seine Frau hat er auf tragische Weise verloren, dann ist der Rest seines Lebens seiner zweifelhaften Karriere zum Opfer gefallen - Freunde, Heimat, Geborgenheit, Liebe, das alles hat Cobb verloren. Aber dann wird ihm eine Chance auf Wiedergutmachung geboten. Ein letzter Auftrag, nach dessen Erledigung Cobb sein Leben zurückerhalten würde. Allerdings muss er dafür das Unmögliche schaffen: die "Inzeption“, das Implantieren von Gedanken, Informationen, Ideen ins Unterbewusstsein eines Opfers. Niemand hat das bisher geschafft. Es gibt sogar ernste Zweifel daran, dass es überhaupt möglich ist. Aber freilich nimmt Cobb die Chance wahr und die Herausforderung an. Er engagiert ein Team, um einen maßgeschneiderten Traum für die Zielperson zu erzeugen, darunter die junge Ariadne (Ellen Page), die im Traum des Opfers eine zentrale Rolle spielen soll. Und prinzipiell läuft die Sache gut an, so experimentell und im Ausgang ungewiss sie auch sein mag. Das größte Problem ist ohnehin, dass es zunehmend schwierig wird, Schein und Wirklichkeit auseinander- und die Beine im Hier und Jetzt zu behahlten. Die ganze Traumwandlerei wird mit der Zeit nämlich eine existenzialistische Überlebensfrage in Sachen geistiger Gesundheit. Und dann tauchen noch dazu immer mehr Anzeichen auf die Präsenz eines Gegenspielers auf - eines Feindes, der Cobb und seinem Team immer einen Schritt voraus zu sein scheint …

Wenige Filme wagen es, die Welt der Träume zu ihrem Schauplatz zu machen. Es bedarf einfach einer weit herausragenden schöpferischen Fähigkeit, um die amorphe Verwirrtheit und Unbegreiflichkeit von Träumen fast auf Spielfilmlänge in überzeugenden Bildern auszudrücken. Douglas Trumball ist damit bei Project Brainstorm 1983 knapp durchgekommen, Dennis Quaid 1984 in Dreamscape glorreich gescheitert. Christopher Nolan, Mastermind von Filmen wie Memento, Batman Begins und The Dark Knight, muss längst nichts mehr beweisen, tut dies aber trotzdem mit jedem neuen Film auf noch nie gesehene Weise - und das gilt besonders für Inception, wo sein visionärer Geist offenbar völlig entfesselt agieren konnte. Mit Leonardo DiCaprio kann man auch nicht mehr falsch liegen, seit er erwachsen ist. Die restliche Liste der Darsteller steckt voller großer Namen, darunter Ellen Page, Cillian Murphy, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard, Ken Watanabe, Michael Caine, Tom Hardy und Tom Berenger - offenbar wollte hier jeder dabeisein. Und wie bei allen seinen Filmen arbeitet Nolan auch bei Inception wieder mit dem vielbeschäftigten US-Kameramann Wally Pfister zusammen, der Nolans Gesamtwerk von Anfang an begleitet hat. Die Musik stammt von Legende Hans Zimmer. Und wie immer hat Nolans Bruder Jonathan das Drehbuch mitverfasst, und seine Frau Emma Thomas, mit der Nolan drei Kinder hat, fungierte als Produzentin.

Text: Klaus Hübner

SKIP-Tipp

Dreams are my reality. Christopher Nolan, der uns schon mal rückwärts durch einen Krimi geschickt hat (Memento) und dem wir die zwei besten Batman-Filme ever verdanken (Batman Begins, The Dark Knight), betritt die Welt der Träume. Dort, wo nichts unmöglich ist, kann seine Fantasie ungehindert Purzelbäume schlagen - und sie tut das ausgiebig, spannend und visuell berauschend. Inception - ein Kinotrip, der süchtig macht.


SKIP-Tipp von Dina Maestrelli

Filminfo & Credits

Titel Inception
Originaltitel Inception
Genre Thriller
Land, Jahr USA, 2010
Länge 142 Minuten
Regie Christopher Nolan
Drehbuch Christopher Nolan
Kamera Wally Pfister
Schnitt Lee Smith
Musik Hans Zimmer
Produktion Emma Thomas, Christopher Nolan
Darsteller Cillian Murphy, Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt, Ken Watanabe, Michael Caine, Tom Hardy, Tom Berenger, Lukas Haas, Pete Postlethwaite, Dileep Rao
Verleih Warner Bros.

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik