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Black Brown White

Black Brown White

Drama. Österreich 2010. 102 Minuten.

Regie: Erwin Wagenhofer
Mit: Fritz Karl, Claire-Hope Ashitey

Die ganze Welt scheint sich dem globalisierten Konsumwahnsinn anzupassen. Der einzige, der nicht mitkommt, ist der Mensch mit seinen Gefühlen, Träumen und Schwächen … Das Spielfilm-Debüt von Dokumentarist Erwin Wagenhofer (Let’s Make Money, We Feed the World) ist eine spannend-wahrhaftige Love Story zwischen absurder Realität und realer Romantik.

Filmstart: 18. Februar 2011

Eigentlich heißt er ja Peter und stammt aus gutem Haus, Ärztefamilie und so. Aber die falsche, noble Fassade hat er längst hinter sich gelassen. Er lebt in der Gegenwart, und Heimat, das ist für ihn die Fahrerkabine seines Lastwagens. Von hier aus ist die ganze Welt auf einmal überschaubar.
Don Pedro (Fritz Karl) ist Fernfahrer, er mag seinen Job und die Freiheit, die er gibt. Derzeit karrt er in seinem riesigen schwarzen Brummi tonnenweise Gemüse quer durch die Weltgeschichte - zwecks Gewinnoptimierung. Wird ukrainischer Knoblauch von marokkanischen Kinderhändchen auf "Herkunftsland: Spanien" umetikettiert, dann ist das - unglaublich aber wahr - die derzeit profitabelste Lösung. Für die Großhändler. Und weil Don Pedro ebenfalls zur ausgebeuteten Klasse gehört und das Abenteuer schätzt, lässt er sich auch privat auf illegale Transitgeschäfte ein: Gemeinsam mit seinem Firmen-Compagnion, dem querschnittgelähmten Jimmy (Karl Markovics), hat er einen Schlepper-Service aufgezogen und bringt auf dem Retourweg afrikanische Flüchtlinge in einem versteckten Hohlraum im LKW-Anhänger über die Schengen-Grenze. 12 Personen pro Fahrt, 10.000 Euro pro Person - ein gutes Geschäft. Wer die Leute da hinten drin sind, woher sie kommen, ob sie dort, wohin sie wollen, eine Zukunft haben, und wie sie sich da eingepfercht in ihrem Verlies hinter seiner Fahrerkabine fühlen - damit setzt sich Don Pedro erst gar nicht auseinander.
Doch eines Tages steigt Jackie (Clare-Hope Ashitey) ein, sie möchte ihren kleinen Sohn Theo (Theo Caleb Chapman) zu seinem Vater in die Schweiz bringen, um ihm eine Schulbildung, ein richtiges Leben zu ermöglichen. Sie will sich aber nicht mit dem Kind in den Hohlraum quetschen lassen, also nehmen Jackie und Theo schließlich in der Fahrerkabine Platz - ein Wahnsinn, dieses Risiko einzugehen. Aber mit vielen Tricksereien, noch mehr Glück und der unfreiwilligen Hilfe eines Arztes ohne Grenzen (Wotan Wilke Möhring) schafft Don Pedro sie tatsächlich bis nach Spanien.
Doch dieses Europa, das den Flüchtlingen von fern wie ein gelobtes Land erscheint, zeigt ihnen bald seine böse Fratze. Jackie und Theo sind hier unerwünscht, "illegal". Während ihrer Reise von einer realpolitischen Absurdität in die andere, immer auf der Suche nach Sicherheit, kommen Pedro und Jackie einander immer näher - aber er ist nun mal von "herüben" und sie von "drüben". Wenn sich zwei Menschen ineinander vergucken, verleiht einem die Realität von heute noch lang kein Recht auf eine gemeinsame Chance, schon gar nicht, wenn man von zwei verschiedenen Seiten der großen Mauer kommt, die den reichen Teil der Welt vom armen trennt.

Flüchtlings-Razzien zwischen tausenden geduldeten illegalen Erntehelfern, riesige unbewohnte Ferien-Geistersiedlungen, die nur der Immobilienspekulation dienen, wahnwitzige Transportwege ohne Rücksicht auf Mensch und Gut für minimale
Gewinnmargen - wenn das Wirtschaftsinteresse regiert, dann hat der gesunde Menschenverstand Pause. Aber das Leben, Lieben, Lachen, Leiden geht trotzdem weiter.
"Black Brown White erzählt von den Irrfahrten entwurzelter Menschen, vom Überleben statt vom Leben oder von der Unmöglichkeit, menschlich zu agieren in einer unmenschlichen Welt. Egal welcher Hautfarbe wir sind, wir kämpfen mit ähnlichen Problemen, wenn auch mit oft umgekehrten Vorzeichen. Die Welt, wie wir sie gestalten, ist eine schiefe Ebene, auf der die, die oben sind alles tun um dort zu bleiben, während die, die unten sind, alles tun um hinauf zu kommen", sagt Erwin Wagenhofer, dem mit seinem Spielfilmdebüt etwas ganz Besonderes gelungen ist: Er erzählt mit starken Bildern eine spannende, lebendige Geschichte von ganz normalen Menschen, ein mitreißendes Roadmovie quer durch das erweiterte Europa - und das vor einem beinhart realen Background, dessen bizarre Auswüchse man wohl nicht mal erfinden könnte, wenn man wollte.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Black Brown White
Originaltitel Black Brown White
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2010
Länge 102 Minuten
Regie Erwin Wagenhofer
Drehbuch Erwin Wagenhofer, Cooky Ziesche
Kamera Martin Gschlacht
Schnitt Paul Michael Sedlacek
Musik Niño Josele
Produktion Helmut Grasser
Darsteller Fritz Karl, Claire-Hope Ashitey, Karl Markovics, Wotan Wilke Möhring, Theo Caleb Chapman
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

An der Umsetzung happerts ...

Also an und für sich ist die Geschichte und der Tenor ja nicht schlecht, aber ich finde die Umsetzung ist zu oberflächlich.
Die Story ist sehr vorhersehbar und kommt an eine Hollywoodgeschichte ran.
Ich finde man hätte viel mehr aus dem Thema machen können!

21. Februar 2011
20:38 Uhr

von Momo03

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