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Der Prozess

Der Prozess

Dokumentation. Österreich 2011. 116 Minuten.

Regie: Gerald Igor Hauzenberger

Es gibt Filme, die das Vertrauen in Rechtsstaat und Demokratie zutiefst erschüttern. Diese Dokumentation darüber, wie sich Politik, Polizei und Justiz in Österreich im Rahmen des "Tierschützer-Prozesses" von 2010 gebärdet haben, lässt keinen Platz für Zweifel. Der Gewinner des Wiener Filmpreises 2011!

Filmstart: 25. November 2011

Es gibt in Österreich sehr viele Gesetze, und sie werden nicht immer befolgt. Manch hiesiger Unternehmer betreibt z. B. Hühner-Legebatterien, was verboten ist; wer Hühnereier von Hennen will, die gerade so in ihrem Käfig Platz haben, muss sie sich aus z. B. Ungarn holen. Vergleichbares gilt für Pelze: Tierzucht zur Pelzherstellung ist in Österreich verboten. Also müssen Österreicher, die gerne tief in die Tasche greifen, um sich auf Steinzeitniveau zu kleiden, auf Geschäftsmenschen zurückgreifen, die ihnen die Pelze aus den angrenzenden EU-Nachbarländern vor die Haustür importieren. Die Eigentümer der Textilkette Kleiderbauer sind so welche.
Jägerball nennt sich eine jährlich stattfindende österreichische Veranstaltung, wo sich viele illustre Damen und Herren aus Industrie, Politik und Hochfinanz in Trachtenkleidung versammeln, um sich bei Blasmusik und zünftigem Brauchtum zu vergnügen, wie es ihnen gefällt. InnenminsterInnen und JustizministerInnen, Lobbyisten mit französelnden Namen, grinsende Kärntner Separatisten und stolze Waidmänner sonder Zahl verdichten sich dort zum Spaßhaben auf einen Haufen.
2010 wurde gegen eine Handvoll Menschen, die sich mit den legitimen und legalen Mitteln des demokratischen Rechtsstaates, u. a. mit Methoden des zivilen Ungehorsams und der öffentlichen Meinungskundgebung, gegen zahlreiche in ihren Augen unhaltbare und teils gesetzwidrige Zustände in unserem Land zur Wehr setzten, ein Schauprozess veranstaltet. Angeklagt waren aktive Tierschützer. Sie hatten vor Filialen der Kette Kleiderbauer demonstriert; hatten gefilmt, wie Jäger Wildtiere vor die Flinte von schießungeübten Großkapitalisten und Finanzjongleuren treiben; hatten auf illegale Legebatterien aufmerksam gemacht; mit anderen Worten: Tierschutz betrieben - und dabei scheinbar immer darauf geachtet, nichts Illegales zu tun. Trotzdem haben Österreichs staatspolitische Instanzen keine Kosten und Mühen gescheut, um diese Leute fertigzumachen. Das ist zumindest der einzige Schluss, den dieser absolut haarsträubende, erschütternde, entsetzende, grandios unmissverständliche Dokukmentarfilm von Gerald Igor Hautzenberger zulässt. Der Prozess zeigt, wie mit Unsummen von Steuergeldern monate- und jahrelang heimlich observiert, überwacht, abgehört, verdeckt ermittelt und spioniert wurde. Dann kamen brutale Hausdurchsuchungen, monatelange Untersuchungshaftstrafen, schließlich ein Monsterprozess. Der Staat Österreich will diesen Leuten, die Kleiderbauer das Pelzgeschäft vernadern, um jeden Preis zu einer terroristischen Organisation erklären. Franz Kafkas Prozess ist dagegen ein Kindergeburtstag.

Text:  ag

Credits

Titel Der Prozess
Originaltitel Der Prozess
Genre Dokumentation
Land, Jahr Österreich, 2011
Länge 116 Minuten
Regie Gerald Igor Hauzenberger
Drehbuch Gerald Igor Hauzenberger
Kamera Dominik Spritzendorfer, Gerald Igor Hauzenberger
Schnitt Michael Palm
Musik Bernhard Fleischmann
Produktion Michael Seeber
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

Super!

Absolut zu empfehlen! Großartige Dokumentation!

26. November 2011
21:30 Uhr

von Paikea

Sehr gute Dokumentation

Sehr fesselnd, obwohl der Ausgang den meisten Zusehern schon von Anfang an bekannt ist. 5 Punkte!

27. November 2011
16:47 Uhr

von kippy1

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