Palermo flüstert

Taxi Lisboa-Regisseur Wolf Gaudlitz schickt einen verbannten Poeten auf Entdeckungsreise in seine Heimatstadt Palermo. Ein geheimnisvoller Ort voller Magie, an dem die Grenzen zwischen Paradies, Halbwelt und Unterwelt in einander übergehen.

Der Poet Mimmo (Mimmo Cuticchio) leidet an der Schwere des eigenen Herzens. Erst in der Verbannung hat er gelernt, die Worte zu formen, die das, was er erlebt hat, beschreiben können. Die Geschichten aus seiner Heimatstadt Palermo, wo sich hinter jedem Fenster ein dunkles Geheimnis verbirgt und die Abgründe tiefer sind als die Katakomben, die die Kapuziner Mönche 1599 unter die Stadtmauern von Palermo gegraben haben, verfolgten ihn bis ins Exil. Wer in Palermo den Mund zu weit öffnet, wird von der Mafia zum Schweigen gebracht. Und wer flüstert, deckt die Mörder. Mimmo wollte kein Mörder sein, aber auch kein Verräter. Als Sohn eines geachteten Paten blieb ihm nichts anderes übrig, als aufzuschreiben, was er gesehen hat: Als Jugendlicher mußte er vom Fenster seines Zimmers aus mitansehen, wie die Menschen von bezahlten Killern der Mafia hingerichtet wurden und sich Augenzeugen später an nichts mehr erinnern wollten. Wegschauen war für ihn keine Alternative. Als seine geheimen Aufzeichnungen über die Opfer und Täter entdeckt wurden, bewahrte ihn nur der Einfluß seines Vaters vor dem sicheren Tod. "Entweder sie töten dich - oder du verschwindest für eine Weile", lautete die Parole. Mimmo ergriff die Flucht aufs Land. Das ist über 20 Jahre her. Nun ist Mimmos Vater tot und sein verlorener Sohn kehrt heim nach Palermo.
"Wer schläft, sündigt nicht - lautet ein altes Sprichwort - und wer betet, hält keine Waffe in der Hand. Die Sizilianer können beides." Nahezu unsichtbar für seine Mitmenschen streift Mimmo als poetischer Reiseleiter durch die Stadt und erzählt die Geschichten der Menschen, die ihm begegnen: Der Straßenkehrer Pietro (Sergio Lo Verde), der "den Unrat der Straße zusammenfegt" und dabei nicht müde wird, von den Bluttaten zu schwätzen, Francesco (Francesco Di Gangi), der jeden Tag in eine verlassene Kirche beichten geht, weil er glaubt, einen Mafia-Killer auf dem Gewissen zu haben, Michele, einem Nachtportier, der an seinem freien Abend keinen Schlaf findet und sich verzweifelt nach Gesellschaft sehnt, einer hübschen Blondine, die auf der Suche nach dem nordischen Traumprinzen immer wieder nur einem Motorradfahrer aus Palermo begegnet und die Geschichte von Simone (Simone Genovese), einem halbblinden Mafiapaten, dem die Mafia alle drei Söhne genommen hat, so dass er sich nachts nur mehr mit seinem Lieblingsbrunnen unterhalten kann.
Die Faszination von Wolf Gaudlitz brillantem Drehbuch - zum Großteil in Deutsch (mit der Stimme von Joachim Höppner als Mimmo) gesprochen - wird durch die Authentizität der Schauspieler (in einer Gastrolle der Antimafia-Kämpfer und Oberbürgermeister von Palermo Leoluca Orlando) fast übertroffen, die in sizilianischem Dialekt sprechen.

Text: Catherine Holzer

Filminfo & Credits

Titel Palermo flüstert
Originaltitel Palermo flüstert
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/Italien, 2001
Länge 90 Minuten
Regie Wolf Gaudlitz
Drehbuch Wolf Gaudlitz
Kamera Geraldo Milzstein, Carolin Dassel, Matthias Fuchs
Schnitt Andre Bendocchi Alves
Musik Toti Basso
Produktion Wolf Gaudlitz
Darsteller Mimmo Cuticchio, Francesco Di Gangi, Simone Genovese, Sergio Lo Verde, Leoluca Orlando
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik