Ein Golfkrieg-Veteran (Denzel Washington) will seine Albträume ergründen - und kommt einer weltweiten Verschwörung auf die Spur. Jonathan Demmes virtuoses Remake des klassischen John-Frankenheimer-Thrillers.
Sein Einsatz im Golfkrieg brachte Major Ben Marco (Denzel Washington) eine Tapferkeitsmedaille und einen immer wiederkehrender Albtraum: Darin sieht er, wie sein damaliger Vorgesetzter Raymond Shaw (Liev Schreiber) in einem weiß gekachelten Raum auf Befehl eines mysteriösen Doktors kaltblütig einen seiner eigenen Soldaten killt. Es ist immer derselbe Traum, Nacht für Nacht. Und immer dieselbe Wirklichkeit nach dem Erwachen, und die sieht ganz anders aus: Raymond Shaw ist ein Kriegsheld, der mit einem Orden dafür belohnt wurde, dass er seine ganze Truppe aus einem fiesen Hinterhalt gerettet hat. Auch Ben verdankt ihm sein Leben, und er kann sich noch ganz genau an Shaws Heldentat erinnern. So wie seine Kameraden. Mittlerweile ist Raymond Shaw, der Held, aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten der USA. Und Ben ist ein verbitterter Loser.
Traum oder Trauma - dass Krieg nicht gerade gut für die Psyche ist, das weiß jeder, und so fragt sich Ben schon gar nicht mehr, warum ausgerechnet er sein ziviles Leben so gar nicht mehr auf die Reihe kriegt. Erst als er einen ehemaligen Mitkämpfer trifft, der von exakt demselben Traum gequält wird, Nacht für Nacht, fragt er sich, ob seine Seele im Schlaf ihre Botschaften wirklich verschlüsselt sendet - oder ob sein Traum nicht doch von einer grausamen Wahrheit erzählt.
Ben beginnt nachzuforschen, doch statt Erklärungen findet er immer weitere Fragen. Und er stößt auf heftigen Widerstand - denn ohne es zu wissen, ist er das kleine Sandkörnchen geworden, das das Getriebe einer mächtigen Maschinerie zum Stocken bringt. Wie mächtig diese Maschine ist, beginnt Ben zu ahnen, als auf einmal der Präsidentschaftskandidat unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt und Shaw plötzlich als wahrscheinlicher nächster US-Präsident dasteht.
John Frankenheimers Politthriller The Manchurian Candidate aus dem Jahr 1962 gilt als einer der eindrucksvollsten und visionärsten Filme des klassischen Hollywood. Was Demmes Version zur eigenständigen und spannenden Alternative macht, ist, dass sein Film alles andere ist als ein Abklatsch des Originals. So wurde behende aktualisiert, aus dem (von Frank Sinatra verkörperten) Koreakrieg-Veteran Ben Marco wurde ein Golfkrieg-Heimkehrer. Wo in den Sixties das "Manchurian" noch für die chinesische Provinz Mandschurei stand und die Kommunisten die Bösen waren, ist es nun der (fiktive) multinationale Großkonzern "Manchurian", der mit finsteren Machenschaften die Weltherrschaft anstrebt.
Auch bei der Besetzung seines Films ließ Demme höchste Sorgfalt walten: Denzel Washington setzt seinen Anti-Helden Ben Marco genau richtig zwischen Idealismus und Wahnsinn, um seine unglaubliche Geschichte wahrhaftig zu machen. Liev Schreiber als ultimatives Manipulationsopfer macht wahrhaft Angst - tritt aber, genau wie seine Filmfigur - nie aus dem Schatten der großartigen Meryl Streep, die als seine krankhaft ehrgeizige Mutter erneut beweist, warum sie als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation gilt.
Text: Gini Brenner
Filminfo & Credits |
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| Titel | Der Manchurian Kandidat |
| Originaltitel | The Manchurian Candidate |
| Genre | Thriller |
| Land, Jahr | USA, 2004 |
| Länge | 130 Minuten |
| Regie | Jonathan Demme |
| Drehbuch | Daniel Pyne, Dean Georgaris |
| Kamera | Tak Fujimoto |
| Schnitt | Craig McKay, Carol Littleton |
| Musik | Rachel Portman |
| Produktion | Tina Sinatra, Scott Rudin, Ilona Herzberg, Jonathan Demme |
| Darsteller | Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Bruno Ganz, Jeffrey Wright, Jon Voight, Ted Levine, Miguel Ferrer |
| Verleih | UIP |
Bewertung |
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| Romantik | |
| Erotik | |