Im düsteren 19. Jahrhundert zerfetzt ein Werwolf die Bürger des abgelegenen britischen Dorfs Blackmoor, weil auf der lokalen Adelsfamilie Talbot (Benicio Del Toro, Anthony Hopinks, Emily Blunt) ein Fluch lastet: Remake des Monster-Movie-Klassikers aus 1941 mit Starbesetzung und genial krassen Spezialeffekten von Kult-Make-Up-Artist Rick Baker (American Werewolf).
Die Familie Talbot, einst über die Wälder und Moore rund um das Dörfchen Blackmoor herrschend, hatte schon mal bessere Zeiten. Seit dem Tod seiner Frau ist Sir John Talbot (Anthony Hopkins) irgendwie seltsam geworden und lebt zurückgezogen und in sich gekehrt in seinem protzigen Landschloss, das gar nicht mehr so protzig ist, nachdem sich der Alte seit Jahrzehnten keinen Deut mehr darum geschert hat. Sein Sohn Lawrence (Benicio Del Toro) hat seit dem mysteriösen Ableben seiner Mutter der Familie und England den Rücken gekehrt, nur sein Bruder, Talbots zweiter Sohn, lebt noch im Schloss, zusammen mit seiner Verlobten Gwen (Emily Blunt). Soweit, so unauffällig. Aber nun ist die Zeit gekommen, die alles ändern wird. Zuerst nimmt Gwen mit Lawrence Kontakt auf: Sein Bruder, ihr Verlobter, sei verschwunden, und Lawrence müsse unbedingt mit ihr nach Blackmoor zurückkehren, um ihn zu suchen. Es sei dort nämlich Schreckliches im Gange: Bei Vollmond zerfetze seit einiger Zeit ein monströses Ungeheuer wahllos die Dorfbewohner; so bestialisch wüte das Untier, dass sogar ein Inspektor von Scotland Yard ins Dorf abkommandiert wurde. Also kehrt Lawrence, der jahrzehntelang versucht hat, zu vergessen, an den Ort seiner traumatischen Kindheit zurück, trifft den verrückten, eigenbrötlerischen Vater wieder, macht sich auf die Suche nach seinem Bruder – und stößt bei seinen Recherchen auf einen alten Fluch, der angeblich Menschen bei Vollmond in reißende Werwölfe verwandelt. Nur dass der Fluch keine Zigeunerlegende, sondern Realität ist. Das erfährt Lawrence am eigenen Leib, als er auf der Jagd nach dem Ungetüm selbst gebissen wird. Er überlebt schwerverletzt, aber nun lastet der Fluch auf ihm, nun ist er der Wolfman. Das freut nur einen: Inspektor Aberline (Hugo Weaving) von Scotland Yard, eine verbissene, zwielichtige Figur, die sich einst an der Aufklärung des Falls um Jack The Ripper in London die Zähne ausbiss und nun wenigstens bei dieser provinziellen Mordserie zu reüssieren trachtet. Aberline ist eigentlich jedes Mittel recht: Wenn es sein muss, trommelt er sogar einen agitierten Mob zusammen, um den Wolfman zu jagen und zu lynchen. Aber jede Vollmondnacht geht einmal zuende. Dann wird der Wolf wieder zum Mann – und zur leichten Beute für jene, die ihn jagen. Lawrence Talbot landet schließlich nicht in einem Wolfsgehege, sondern in der Irrenanstalt, wo man ihm seinen mörderischen Blutdurst mit Lobotomie und dem Bohren von Löchern in den Kopf austreiben will, als entrechtetes Objekt für Studien über Raserei und Berserkertum. Was natürlich schief geht, denn: Lawrence ist ein Werwolf, und da stößt sogar die viktorianische Wissenschaft mit ihren archaischen Schlachtergeräten an ihre Grenzen …
Nachdem Werwölfe in Sagen, Mythen und Erzählungen wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden im Bewußtsein der Menschen verankert sind, feierten sie vor allem mit Anbruch des letzten Jahrhunderts ihren Siegeszug im Kino. Nach einigen teils verschollenen Stummfilmen spielte Lon Chaney Jr. im Jahr 1941 den ersten Tonfilm-Werwolf der Filmgeschichte: Der Film The Wolf Man löste einen Sturm der Begeisterung aus und zog zahlreiche Folgefilme nach sich, darunter Frankenstein Meets the Wolf Man, House of Frankenstein, House of Dracula und Abbott & Costello Meet Frankenstein – in allen spielte die Figur des Lawrence Talbot eine Rolle. Nun hat Benicio Del Toro, ein eingefleischter Fan alter und neuer Horrorfilme, ein großangelegtes Remake dieses genrebildenden Klassikers produziert – und spielt darin die Hauptrolle. Nicht oft gelingen derartige Unterfangen so überzeugend wie Wolfman: Die Rekonstruktion des düsteren viktorianischen Zeitalters am Beginn der industriellen Revolution, das fast mittelalterlich anmutende Landleben, viel mystisch-unheimliche Stimmung und einige der erstaunlichsten Gore-Spezialeffekte in der Geschichte des Werwolf-Genres schaffen Horror-Entertainment der höchsten Qualitätsstufe.
Text: Klaus Hübner
Filminfo & Credits |
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| Titel | Wolfman |
| Originaltitel | The Wolf Man |
| Genre | Horror |
| Land, Jahr | USA, 2008 |
| Länge | 125 Minuten |
| Regie | Joe Johnston |
| Drehbuch | Andrew Kevin Walker, David Self |
| Kamera | Shelly Johnson |
| Musik | Danny Elfman |
| Produktion | Scott Stuber, Benicio Del Toro, Rick Yorn, Sean Daniel |
| Darsteller | Anthony Hopkins, Benicio Del Toro, Emily Blunt, Hugo Weaving, Geraldine Chaplin |
| Verleih | UPI |
Bewertung |
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| Humor | |
| Action | |
| Spannung | |
| Anspruch | |
| Romantik | |
| Erotik | |