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Interview mit Lee Unkrich zu Toy Story 3

Lee Unkrich wurde 1994 zu Pixar geholt - an sich nur für den Schnitt von Toy Story. Dann ist er picken geblieben. Toy Story 3 ist das Pixar-Regiedebüt des 43-jährigen Vaters dreier Kinder - SKIP traf den leidenschaftlichen Filmemacher zum Playdate in Berlin.

SKIP: Wie lange haben Sie an Toy Story 3 gearbeitet?

Lee Unkrich: Ein Pixar-Film braucht nach wie vor vier Jahre. Diese Zeit nehmen wir uns, damit wir kein Detail übersehen und keine Kompromisse eingehen müssen.

SKIP: Wie ist man eigentlich ursprünglich auf die Toy-Story-Figuren Woody, Buzz, Rex usw. gekommen?

Lee Unkrich: Naja, die Handlung hat ein altes Spielzeug erfordert, das sich von einem neuen bedroht fühlt. Und wir wollten auch einen Mix aus echten Spielzeugen, wie Mr. Potato Head und der Zaubertafel, und selbst kreierten wie dem Dino Rex! Für John (Lasseter, Anm.) ging damals ein Traum in Erfüllung: Man schickte ihn zur Inspiration mit der Firmenkreditkarte in Spielzeuggeschäfte! Wir wollten übrigens auch Barbie schon im ersten Film auftreten lassen, aber Mattel sagte nein.

SKIP: Das haben die dann aber wohl bereut, oder?

Lee Unkrich: Klar, darum war Barbie im zweiten Teil auch schon mit dabei.

SKIP: Warum gibts Toy Story 3 auch in 3D?

Lee Unkrich: Ganz pragmatisch: Pixar macht ab sofort jeden Film in 3D. Aber, und das ist mir ganz wichtig: Toy Story 3 ist kein 3D-Film! 3D ist einfach nur ein kleiner Bonus, das Wichtigste ist und bleibt die Story. Was man von Pixar sicher nie vorgesetzt bekommen wird, ist 3D, das vom Film ablenkt, weil ständig irgendwas aus der Leinwand springt.

SKIP: Haben Sie das Gefühl, das der Film von 3D profitiert?

Lee Unkrich: Für manche Besucher sicherlich. Aber ich verstehe auch jene völlig, die sich dafür entscheiden, den Film in 2D anzuschauen. Sie werden sich garantiert nicht weniger gut unterhalten. Aber wenn man die 3D-Version von Toy Story 3 mag, dann deshalb, weil der Effekt sehr unauffällig eingesetzt wird. Und das ist in der Welt dieser kleinen Spielzeuge besonders wirkungsvoll.

SKIP: Seit dem Zusammenschluss von Pixar und Disney: Wurde Disney da mehr wie Pixar oder war es eher umgekehrt?

Lee Unkrich: Es hat sich nicht grundlegend was geändert, aber ich glaube schon, dass Disney enorm von John Lasseter profitiert. Disney hat uns schließlich gekauft, weil ihnen das gefallen hat, was wir machen. Da wären sie ja dumm, das jetzt zu ändern.

SKIP: Eine schöne Pixar-Tradition ist der Kurzfilm vorm Feature - wie kam es dazu?

Lee Unkrich: John Lasseter hat seine ganze Karriere mit Kurzfilmen begonnen, von daher ist es nur naheliegend. Wir verwenden die Kurzfilme aber auch, um neue Technologien auszuprobieren. Und natürlich, um dem Pixar-Nachwuchs eine erste Plattform zu geben.

SKIP: Haben Sie eigentlich noch irgendein Spielzeug aus Ihrer Kindheit, an dem Ihr Herz ganz besonders hängt?

Lee Unkrich: Nicht wirklich, ich hatte zwar Lieblingsspielsachen, aber ich habe nie so eine innige Bindung aufgebaut wie zB Andy zu Woody.

SKIP: Warum mussten wir 11 Jahre auf Toy Story 3 warten?

Lee Unkrich: Eigentlich wollten wir gleich nach Toy Story 2 mit dem dritten Teil loslegen, nur kam uns da die Übernahme durch Disney dazwischen. Aber genau das hat sich letztlich als Segen erwiesen: Wir hatten schließlich nach all den Jahren die nötige Distanz, um diesen wundervollen Abschluss mit Andy zu finden.

SKIP: Ich muss das fragen: Wie schauts mit einem vierten Teil aus?

Lee Unkrich: Das ist definitiv der letzte Film mit Andy, überhaupt ist kein Teil vier geplant. Aber es wird Kurzfilme mit den Toys geben, da wir uns von denen nicht trennen möchten.

Interview: Dina Maestrelli / Juni 2010

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