Toy Boys

Interview mit Michael "Bully" HerbigRick KavanianChristian Tramitz zu Toy Story 3

Mission: Kinderzimmer. Toy Story 3 lässt in der deutschen Fassung ein stimmgewaltiges Trio ans Mikro: Michael 'Bully‘ Herbig als souveräner Cowboy Woody, Rick Kavanian als hysterischer Dino Rex und Christian Tramitz als selbstverliebtes Mädchenspielzeug Ken.

Männer und ihre Spielzeuge. Doch nicht von übermotorisierten Sportwagen, Turbo-Werkzeugen oder High-End-Hi-Tech ist die Rede sondern von echtem Spielzeug. Echt digitalem Spielzeug. Ganz ohne Technik-Geplänkel geht es aber doch nicht: Von C64 über Bullys Uralt-Handy bis zum iPhone 4 von Regisseur Lee Unkrich dreht sich das Gespräch zu Beginn. Dabei sind wir doch nach Berlin gekommen, um über Spielsachen zu reden!

SKIP: Handys sind ja ein beliebtes Männer-Spielzeug. Würden Sie sagen, Männer mögen alles, was blinkt und piepst?

Michael Herbig: War das jetzt nicht eine intelligente Überleitung zum Film?

Christian Tramitz: Ich hab nicht zugehört.

Michael Herbig: Die Frage war, ob Männer drauf stehen, wenn was blinkt und piepst? Also, mein Lieblingsspielzeug war jedenfalls ein Ball. Ein stinknormaler Ball. Und der hieß auch einfach nur "Ball“. Warum gucken Sie jetzt so enttäuscht?

SKIP: Gegen einen Ball gibts eh nichts einzuwenden. Und bei den anderen?

Rick Kavanian: Ich erinnere mich noch an meine Darda-Bahn, das waren so Plastikschienen, aus denen man einen Kurs mit Loopings bauen konnte, mit kleinen Autos zum Aufziehen.

Christian Tramitz: Ich hatte einen Jack in the Box, der hat Musik gespielt und kam dann raus aus der Box. Und irgendwann kam er nicht mehr raus. Also hab ich ihn untersucht - und dann war er kaputt.

SKIP: Dieses altmodische Spielzeug in Toy Story macht sicher auch einen Teil des Zaubers der Filme aus, oder?

Michael Herbig: Genau, weil man Spielsachen von früher wiedererkennt.

SKIP: Spielen Kinder heute überhaupt noch mit solchen Sachen?

Michael Herbig: Also, ich war erst unlängst in einem Kindergarten – da hats ausgesehen wie in Toy Story. Es lagen die selben Sachen herum.

Christian Tramitz: Meine sind im Waldkindergarten, die brauchen kein Spielzeug.

SKIP: Haben Sie Toy Story Teil 1 damals eigentlich gesehen?

Michael Herbig: Ja, aber nicht im Kino.

SKIP: Und wie hats Ihnen gefallen?

Michael Herbig: Ich bin ein ganz großer Disney-Fan und musste mich an diesen Plastik-Look erst gewöhnen. Das hatte anfangs noch nicht diesen Charme, für den wir die Pixar-Filme heute so lieben, finde ich.

Rick Kavanian: Dafür ist der Lotso, der Erdbeer-Bär aus Toy Story 3, jetzt umso genialer geworden! Der sieht ja richtig photorealistisch aus.

Michael Herbig: Neben Fell ist ja besonders Wasser extrem schwer zu animieren. Und es gibt da die eine Szene, in der Lotso nass wird - die wirkt so realistisch, es ist alles schon ziemlich perfekt.

Christian Tramitz: Aber das hat man doch damals bei Jurassic Park auch gesagt, und guck dir den heute mal an ...

Michael Herbig: Der sieht doch immer noch total gut aus, findest du nicht?

Rick Kavanian: Jaaa, total.

Christian Tramitz: Okeeeee ...

SKIP: Hätten Sie sich beim ersten Toy-Story-Film gedacht, dass der so einen Animations-Boom auslöst?

Michael Herbig: Nein, denn wie gesagt, der Film hat mich damals gar nicht so gepackt. Die Story war natürlich sehr ausgeklügelt, das zeichnet Pixar ja immer aus. Aber technisch – da ist heute ja jedes Videospiel besser.

SKIP: Herr Herbig, als man Ihnen die Rolle des Woody angeboten hat, haben Sie gleich zugesagt?

Michael Herbig: Pixar rief bei mir an und hat gefragt: „Herr Herbig, könnten Sie sich vorstellen, im nächsten Film ...“ – und ich hab die gar nicht ausreden lassen und gebrüllt: „Ja!!“

SKIP: Was ist für Sie das Besondere an Pixar?

Michael Herbig: Die Perfektion, die hinreißenden Stories, die glänzend ausgearbeiteten Charaktere ...

Christian Tramitz: Du hast bei keiner Figur das Gefühl, dass die irgendwie ambivalent ist. Es stimmt immer alles zu 100%. Als Synchronsprecher tut man sich dadurch verhältnismäßig leicht.

Rick Kavanian: Was das Drehbuch angeht: Die lösen halt wirklich alle Versprechen ein. Selbst diese kleinen Plastiksoldaten, die anfangs verschwinden, kommen am Ende wieder.

Michael Herbig: Und diese Liebe zum Detail. Wenn Woody in der Toilette sich zuerst ein Papier abreißt und es auf die Klobrille legt. Das ist einfach schön, so liebevoll.

SKIP: Konntet ihr selber entscheiden, welche Figur ihr sprecht?

Christian Tramitz: Nein, nein, das kommt von ganz oben!

SKIP: Habt ihr versucht, die Originalstimmen (u.a. Tom Hanks und Michael Keaton, Anm.) zu imitieren?

Christian Tramitz: Das macht man automatisch, es bleibt einem eigentlich auch gar nix anderes übrig, da man ja das Sprechtempo komplett übernehmen muss.

Michael Herbig: Man hört sich beim Synchronisieren die Originaltakes ja immer wieder an - und das versucht man dann so ähnlich wie möglich hinzukriegen. Außerdem gibts ja einen Regisseur, der sich was bei der ganzen Sache überlegt hat. Und da kann man als Synchronsprecher natürlich nicht hergehen und einfach seine eigene Nummer draus machen.

Christian Tramitz: Man muss sich total unterordnen, alles andere wäre vermessen.

SKIP: Herr Herbig, zurück zu Ihrem Lieblingsspielzeug, dem Ball: Wir wärs denn mit einem Tipp für die WM?

Michael Herbig: Klar, ich sage voraus: Finale Deutschland - Holland. Das habe ich auch schon vor Beginn der WM gesagt. Aber ich wette nicht, weil, sobald ich wette, verliere ich.

Interview: Dina Maestrelli / Juni 2010

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