Flaschenpost statt Facebook

Interview mit Justin Timberlake zu The Social Network

Für David Fincher tut Justin Timberlake fast alles - er spielt sogar jenen Mann, der die Musikindustrie mit Napster in den Neunziger Jahren fast zu Fall gebracht hätte. Beim entspannten SKIP-Talk am Strand von Cancun erklärte Justin, warum The Social Network unbedingt sein musste.

SKIP: Justin, du bist hauptberuflich Musiker - und ausgerechnet du spielst Sean Parker, der mit der Download-Plattform Napster die gesamte Musikwelt auf den Kopf gestellt hat. Eine Ironie des Schicksals?

Justin Timberlake: Ja, natürlich ist das schräg. Napster hat den modernen Musikmarkt komplett verändert, aber ich muss sagen, eigentlich ist mir das recht egal. Ich gehe immer noch gerne auf Tour, und wenn ich eine neue Platte rausbringe, dann ist das Touren auch der Hauptgrund, weil ich es einfach liebe, live zu spielen.

SKIP: Hast du Sean einmal getroffen?

Justin Timberlake: Lustigerweise ja - genau zu dem Zeitpunkt, als das ganze Internet voller Gerüchte war, wer welche Rolle in dem Film über Facebook spielen würde. Jesse Eisenberg und Andrew Garfield waren bereits fix an Bord, aber über mich gab es nur Spekulationen, und ich wusste auch selbst nicht, ob ich dabei sein würde. Da bin ich ihm in New York zufällig über den Weg gelaufen, und wir haben ein paar Minuten geredet. Er ist eigentlich ein netter Typ, hat uns alles Gute gewünscht - ich wünschte nur, ich hätte ihn später getroffen, ich hätte so viele Fragen an ihn gehabt!

SKIP: Als Musiker kannst du wohl mehr oder minder machen, was du willst, aber als Schauspieler musstest du durch ein Vorsprechen. Ist das ein seltsames Gefühl?

Justin Timberlake: Ganz ehrlich, ich musste auch als Musiker immer für alles kämpfen, was ich erreicht habe. Insofern ist die Arbeit recht ähnlich: Es gibt im Showbiz sowieso immer einen, der einem sagt, was man alles anders machen sollte. Aber der große Unterschied ist, dass es hier David Fincher ist! Ich traue jeder Instinktregung, die er hat. Vergleicht man die Arbeit an diesem Film damit, ein Projekt wie eine Platte oder eine Tour zu organisieren, war da wesentlich weniger Druck auf mir, weil David einfach weiß, wo es lang geht.

SKIP: Was bringst du eigentlich als Musiker in deine Rollen ein?

Justin Timberlake: Na, zwischen den Takes singe ich für die Crew, was dachtest du denn? Ich hab den Technikern sogar ein paar Tanzschritte beigebracht ... (lacht). Nein. Es gibt große Ähnlichkeiten zwischen Musik und Film, aber der tatsächliche Entstehungsprozess ist unterschiedlich. Auf der Bühne bin ich ganz allein und hab die Kontrolle, während ich mich vor der Kamera völlig in die Hände des Regisseurs begebe. David Fincher ist einer meiner ganz großen Helden, sein Fight Club ist schlicht ein perfekter Film. Er ist sehr präzise und weiß genau, was er will - es war grandios, für ihn zu arbeiten!

SKIP: Schreibst du eigentlich noch gelegentlich "richtige“ Post, also z. B. eine Postkarte?

Justin Timberlake: Postkarten sind gut, vor allem im Urlaub. Schön kurz und vom Format her wie SMS oder MMS (lacht). Jetzt verschickt man ein Foto von sich selbst und dem Strand: Hallo, das bin ich, in Cancun! Aber ja, ich verschicke noch gelegentlich Postkarten. Oder auch Brieftauben, trotz der Vogelscheiße auf der Nachricht. Und natürlich Flaschenpost (grinst)!

Interview: Magdalena Miedl / Juni 2010

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