Gut abgeschnitten

Interview mit James Franco zu 127 Hours

Für Extremkletterer gelten andere Regeln als für Spitzenschauspieler. Der eine muss sich mit dem Taschenmesser den Arm abtrennen, um zu überleben - und der andere lächeln, während er genau das spielt: Ein SKIP-Interview mit James Franco über seine Oscar-nominierte Darstellung einer unglaublichen Erfahrung.

SKIP: James, stimmt es, dass du als Teenager Schauspielunterricht genommen hast, um deine Schüchternheit zu überwinden?

James Franco: Nein, das ist ein Mythos (lacht). Es war genau andersrum: Ich war tatsächlich sehr schüchtern und brachte kein Wort raus. An der High School hab ich den "Best Smile Award“, den Preis für das beste Lächeln im Jahrbuch, gewonnen, weil ich immer nur gelächelt hab (grinst). Ich wollte aber schon als Kind Schauspieler sein, hatte jedoch immer Angst, zu versagen. Irgendwann hab ich mich überwunden und doch für das Schultheater beworben - und auf der Bühne konnte ich mir endlich selbst erlauben, expressiv zu sein. Endlich war ich nicht mehr ständig gehemmt (lacht)!

SKIP: Wie hast du dich auf 127 Hours vorbereitet?

James Franco: Ich hab mir Dokus über Steilwandklettern angeschaut und Bücher gelesen, um diesen Lifestyle zu verstehen. Im Film gibts nicht so viel Kletterei. Die Stelle, an der sich der Felsen löste, war für Aron eigentlich keine schwierige Klettersituation - es war nur unfassbares Pech. Es gibt für mich also keine Extremkletterei, aber es war hilfreich, einiges über die Lebensweise zu wissen.

SKIP: Hast du Aron kennengelernt?

James Franco: Ja, er kam nach L.A., um mich zu treffen, und erzählte mir im Detail von seiner ganzen Erfahrung diese fünf unfassbaren Tage hindurch. Und dabei zeigte er mir auch die Videos, die er gemacht hat, als er in der Schlucht festsaß. Er hatte ja diese kleine Kamera dabei und nahm damit Abschiedsvideos auf für seine Freunde und seine Familie. In diesen Videos wirkt er aber gar nicht verzweifelt, sondern erstaunlicherweise total ruhig. Ich fand das echt berührend und kraftvoll - nicht, weil er etwas Bestimmtes sagt, sondern weil das der Abschied von jemandem ist, der überzeugt ist, nur mehr kurze Zeit zu leben - und der sich mit diesem  vermeintlichen Faktum ausgesöhnt hatte.

SKIP: In der härtesten Szene, als du dir selbst den Arm brichst, lächelst du. Woher kommt dieses Lächeln?

James Franco: Ja, das war seltsam (lacht). Aron hat mir erzählt, dass es natürlich extrem schmerzhaft war. Er schreibt in seinem Buch sehr detailliert darüber, dass es relativ einfach ist, die Muskeln durchzuschneiden - die Nerven zu durchtrennen fühlt sich dagegen an, als würde man in geschmolzene Lava fassen … Aber er sagte mir, es war auch ein triumphaler Moment: Nach tagelanger Verzweiflung, in der er sicher war, keinen Ausweg zu haben, hatte er endlich eine Lösung gefunden. Daher das Lächeln, als die Knochen brechen.

SKIP: Was sind die Kriterien für dich, eine Rolle auszusuchen? Oder wirst du ausgesucht?

James Franco: Nein, ich suche die aus. Es ist ja die Ironie des Schicksals, dass ich ausgerechnet in dem Moment, als ich zurück an die Uni gegangen bin, um mich auf andere Dinge als die Schauspielerei zu konzentrieren, Filme von meinen Lieblingsregisseuren angeboten bekomme (lacht)! Die meisten Angebote lehne ich aber ab. Nachdem ich an der Filmschule meine eigenen Kurzfilme gedreht habe, sehe ich das Filmemachen anders: Als das kreative Medium von Regisseuren. Jetzt ist es mir noch wichtiger, mit Regisseuren zu arbeiten, vor denen ich wirklichen Respekt habe.

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2010

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