Meet the Dude

Interview mit Jeff Bridges zu True Grit

Wir wussten es schon immer, spätestens seit The Big Lebowski wissen es alle: Jeff Bridges ist der Coolste von überhaupt. Schön, dass er derzeit so oft im Kino zu sehen ist - und das, obwohl man den knackigen 61er stets zum Arbeiten zwingen muss, wie er im SKIP-Exklusiv-Interview verriet.

SKIP: Für viele Filmschaffende ist ein Western-Dreh das Höchste der Gefühle. Geht es Ihnen auch so?

Jeff Bridges: Ich mache schon gern Western, ja.

SKIP: Eine Kindheitserinnerung? Immerhin hat ihr Vater Lloyd Bridges in einem der legendärsten Western überhaupt mitgespielt …

Jeff Bridges: Exakt, High Noon - Zwölf Uhr mittags! Ich erinnere mich, wann immer mein Vater einen Western gemacht hat, war ich sehr happy. Er kam voller Dreck im Cowboykostüm nach Hause, das fand ich voll cool! Ich hab sogar meine Freunde angerufen, damit sie schnell rüberkommen, um mal einen richtigen Cowboy zu sehen (lacht). Und ich reite bis heute sehr gerne.

SKIP: Sie waren in letzter Zeit in sehr unterschiedlichen Projekten zu sehen – im Independent-Liebesfilm Crazy Heart, in der Politkomödie Männer, die auf Ziegen starren, in der Sci-fi-Extravaganza TRON: Legacy – wonach suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Jeff Bridges: In erster Linie möchte ich natürlich Filme machen, die ich selber gerne sehen würde. Filme, bei denen ich den Eindruck habe, dass die Filmemacher dem Publikum ein wenig voraus sind,  wo man nicht hundertprozentig weiß, was zu erwarten ist. In Wirklichkeit aber mach ich die ganze Zeit eigentlich nichts anderes, als zu versuchen, nicht arbeiten zu müssen (lacht).

SKIP: Warum das?

Jeff Bridges: Aus verschiedenen Gründen. Erst mal will ich genug Zeit mit meiner Familie verbringen. Vergangenes Jahr zum Beispiel waren meine Frau und ich mit meiner Filmerei insgesamt elf Monate getrennt – das ist hart, kann ich Ihnen versichern! Und dann hab ich halt einen Haufen anderer Sachen, die ich gerne tue, Malen, Keramik, Fotografie ... Ich will mich auch mehr meiner Musik widmen. Gerade arbeite ich an einem Album mit T-Bone Burnett. Außerdem bin ich involviert in eine Organisation namens „Act“, da gehts um die Rettung des Regenwaldes, und ich bin der offizielle Sprecher einer Kampagne namens „No Kid Hungry“, mit der wir versuchen, Kinder in den USA zu ernähren. Es ist ja verrückt: Eines von vier Kindern in den USA lebt in einem Haushalt, in dem es nicht genug zu Essen gibt.

SKIP: Im Internet kursiert die wohl beeindruckendste Liste von allen Schauspielern mit Rollen, die Sie angeblich abgelehnt haben ...

Jeff Bridges: Ja, hab ich schon gehört, aber das meiste davon ist Internet-Blödsinn.

SKIP: Können wir die Liste gemeinsam etwas verkürzen?

Jeff Bridges: Gerne, schießen Sie los!

SKIP: Taxi Driver?

Jeff Bridges: Niemals!

SKIP: Speed?

Jeff Bridges: Neineinein!

SKIP: Ein Offizier und Gentleman?

Jeff Bridges: Auch nicht!

SKIP: Indiana Jones ...?

Jeff Bridges: Oh nein, wollen Sie mich verarschen (lacht)?

SKIP: Sogar für Batman hab ich das Gerücht gefunden!

Jeff Bridges: Großartig! Nein, also auch wenn ich eine miserable Erinnerung habe: Ich glaube, ich würde mich schon noch dran erinnern, wenn Spielberg oder Scorsese zu mir gekommen wären und mich nach Indiana Jones oder Taxi Driver gefragt hätten (lacht).

SKIP: Wie haben die Coens es diesmal geschafft, sie rumzukriegen?

Jeff Bridges: Es ist mir praktisch unmöglich, zu ihnen Nein zu sagen. Die Coens sind Meister, die wissen einfach, wie man Filme macht.

SKIP: Es ist jetzt schon über 15 Jahre her, dass Sie mit den beiden The Big Lebowski gedreht haben. Warum, glauben Sie, ist der so ein Kultfilm geworden?

Jeff Bridges: Es ist einfach ein guter Film. Ich sehe zum Beispiel nie gezielt fern, ich surfe nur so rum. Und jedesmal, wenn da irgendwo Der Pate kommt, denk ich mir: Ach, schau ich mal wieder ein paar Szenen! Und jedesmal bleib ich wieder hängen bis zum Schluss. Und mit The Big Lebowski ist es genau das Gleiche. Ich schau kurz rein – und schon ist es um mich geschehen.

SKIP: Hatten Sie eigentlich je ein Problem mit dem Image, das damit einherging? Seither sind sie ja quasi offiziell der „Dude“, Dauerkiffer und coolste Typ des Planeten ...

Jeff Bridges: Da kann ich wieder da anknüpfen, was ich ihnen zuerst über das Neinsagen erzählt habe. Denn obwohl ich das Skript geliebt habe, suchte ich auch damals aktiv nach Gründen, es nicht zu machen. Meine drei Töchter waren damals noch Teens, und ich sollte also diesen Antihelden spielen, der die ganze Zeit nur kifft, ein echter Slacker (lacht). Also habe ich die ganze Familie an den Tisch gesetzt und ihnen erklärt, worums in dem Film gehen soll und dass ich ihn nicht machen würde, wenn ihnen das unangenehm wäre. Dann war mal eine lange Pause (lacht). Und meine mittlere Tochter, Jessy, die lustigerweise jetzt bei True Grit schon meine Assistentin war, meinte: Dad, du bist Schauspieler. Wir wissen, wenn du all diese schönen Frauen küsst, dass du trotzdem Mum liebst. Wenn du einen Killer spielst, bringst du ja deshalb auch niemanden um!“ Ich sagte danke, und der Rest ist Geschichte (lacht).

Interview: Kurt Zechner / Dezember 2010

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.