Queen of Hearts

Interview mit Helena Bonham Carter zu The King's Speech

Unterschiedliche Schuhe, wilde Nestfrisur und seltsame Brillen: Kaum ein Red Carpet-Star erregt Fashion-Gemüter heftiger als Helena Bonham Carter. Tim Burtons exzentrische Partnerin ist eine Klasse für sich - und bekam für The King’s Speech ihre bereits zweite Oscar-Nominierung.

SKIP: Es geht das Gerücht, dass Colin Firth und Geoffrey Rush am Set ständig die Klappe offen hatten ...

Helena Bonham Carter: Ja, es ist ein Wunder, dass wir den Film überhaupt zustande gebracht haben, denn die beiden hörten nie auf zu schwätzen! Ich meine, ich bin schon nicht schweigsam, aber neben den beiden bin ich quasi Charles Chaplin – zu seinen Stummfilmzeiten! Aber sie sind sehr witzig und sehr clever, dadurch war die Atmosphäre auch immer gut. Colin ist einer der größten Quatschköpfe die es gibt, und ich finde es unglaublich komisch, dass er ausgerechnet für eine Rolle ausgezeichnet wird, in der er nicht ordentlich sprechen kann. Dass gefilmt wurde, merkte ich immer nur daran, dass Colin endlich mal die Klappe hielt. „Warum ist es so still? Oh, die Kamera läuft wohl!“ (lacht)

SKIP: Was hatten Sie für ein Bild von der Queen Mum, bevor Sie die Rolle angenommen haben?

Helena Bonham Carter: Ach, sie war immer sowas wie so eine alte, flauschige Tante ... Sie war ja unglaublich alt, sie wurde 102, es gab sie einfach schon immer! Ich hatte also denselben Eindruck wie jeder andere auch: Sie wirkte wie diese reizende, sehr liebe, runde Dame, die ihre Gin & Tonics mochte und einfach immer da war. Das war natürlich ein sehr oberflächliches Bild, obwohl ich sie einmal sogar getroffen hatte für ein paar Minuten, bei der Premiere von Zimmer mit Aussicht. Aber ich musste schon einiges recherchieren: Ich wollte sie ja nicht einfach als lächelndes Etwas ohne Kontur spielen, also hab ich mich in diverse Biografien vertieft. Der Grund, warum sie so lange überlebt hat, war vermutlich weil sie so gut darin war, eine öffentliche Figur zu sein. Ich glaube, sie war sehr vielschichtig. Es gibt da ein berühmtes Zitat über sie: Sie war ein Marshmallow mit einem Kern aus Stahl (lacht).

SKIP: Hatten Sie Spaß mit den wunderhübschen Kleidern der Dreißiger Jahre?

Helena Bonham Carter: Ich hab die Pelze toll gefunden, aber ich finde nicht, dass mir der Look besonders schmeichelt. Ich hab mich im Spiegel angesehen und mir nur gedacht: "Oh nein!" Tom Hooper (der Regisseur von The King’s Speech, Anm.) schlug sogar vor, mich in einen Fatsuit zu stecken, aber ich hab protestiert. Ich sehe doch so schon aus wie ein runder, weicher Ball! Nicht gerade mein erotischster Auftritt. Aber ich liebe die Ära, und ich finde die Hüte grandios. Und ich trage jetzt gerade ihre Perlen! Sie hat immer Perlen getragen als Markenzeichen, und sie trug ihren Pelz so, dass sie sehr breitschultrig wirkte. Das war wohl ihre Rüstung.

SKIP: Behalten Sie immer was zurück von Ihren Kostümen?

Helena Bonham Carter: Ja, normalerweise tu ich das, wenn ich darf. Naja, manchmal lass ich einfach was mitgehen ... (kichert). Aber normalerweise frag ich schon.

SKIP: Wenn Sie für einen Tag die Königin von England sein könnten, was würden Sie tun?

Helena Bonham Carter: Das könnte sehr praktisch sein! Ich würde natürlich einen Nationalen Feiertag ausrufen lassen, es gäbe eine große Party mit Tanz und jeder Menge Musik, vielleicht würden wir alle singen ... Und ich würde gerne den Obdachlosen viel geben von meinem royalen Vermögen. Und ich hätte gerne, dass alle alles teilen. Das wäre wohl im Grunde ein zutiefst kommunistischer Feiertag (lacht).

SKIP: Sie haben erst vor kurzem eine völlig andere Königin gespielt …

Helena Bonham Carter: Ja, ich hab mir gedacht: Zuerst die Rote Königin in Alice im Wunderland, und jetzt die Queen Mum, das passt doch! Ich liebe die Abwechslung, und zwischen diesen beiden Königinnen ist ein Riesenunterschied. Es gibt nicht so viele gute Drehbücher, für deren Verfilmung auch das Geld da ist. Ich spiele gerne schräge Figuren, auch wenn die Queen Mum nicht schräg in dem Sinne ist, aber die Red Queen war sehr durchgeknallt. Ich mag es, Leute zu spielen, die komisch sind. Am liebsten, wenn sie auch verrückte Kleider tragen!

SKIP: Die Kleider von Harry Potters Lehrerin Bellatrix Lestrange mochten Sie also?

Helena Bonham Carter: Oh, die vermisse ich richtig, und ich hatte großartige falsche Zähne! Die hab ich mir übrigens auch behalten. Die passen sowieso niemandem anderen, also habe ich darum gebeten.

SKIP: Und wann tragen Sie die?

Helena Bonham Carter: Oh, die passen zu fast jedem Anlass ... vielleicht bei den Oscars? Warum nicht! (lacht)

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2011

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