About a Girl

Interview mit Debra Granik zu Winter's Bone

Gleich vier Oscar-Nominierungen gabs für Debra Graniks Independent-Thriller Winter’s Bone. Mit SKIP sprach die coole Regisseurin über Heldinnen, verstörende Drehbücher, ihren geheimen Hollywood-Masterplan und - den österreichischen Film.

SKIP: Wieso haben Sie sich für diese Story entschieden?

Debra Granik: Wir haben nach einer Geschichte gesucht, die einen auf Anhieb in ihren Bann zieht. Außerdem hat uns die Hauptfigur extrem gut gefallen: Sie ist erstens weiblich und zweitens sehr smart. Man kann nie vorhersagen, was sie sagen oder tun wird, sie hat extrem viel Mut. Es ist sehr, sehr schwierig, richtig gute Geschichten mit einer weiblichen Hauptdarstellerin zu finden, die auch beim Lesen Vergnügen machen. Wir haben Drehbücher bekommen mit Frauen, die sich schneiden, Frauen, die sich prostituieren, Geschichten über die viktorianische Psychiatrie, in der Frauen die Gebärmutter entfernt wird, wirklich heftige Sachen. Es war eine echte Erleichterung, ein Buch über eine Frau zu finden, die nicht in irgendeiner Form gestört war oder vergewaltigt wird.

SKIP: Die Heldin Ihres Films ist ziemlich unerschrocken. Woher hat sie soviel Schneid?

Debra Granik: Sie hat einfach keine Zeit, Angst zu haben! Zuerst ist sie wütend, dass ihr, ihrer Schwester und ihrem Bruder das Haus weggenommen werden soll. Und dann hat sie nur sieben Tage Zeit, um die Sache ins Lot zu bringen.

SKIP: Sie waren 2004 bei der Viennale zu Gast und bekamen für Ihren Film Down to the Bone den Fipresci-Preis – kennen Sie das österreichische Filmschaffen?

Debra Granik: Klar, Ulrich Seidl kennt man international, auf der Viennale hab ich einen Film von Jessica Hausner gesehen, Barbara Alberts Filme sehe ich auf Festivals. Ich mochte Seidls Import Export sehr, auch wenn mir der Film an ein paar Punkten zu weit ging.

SKIP: Welche Geschichte werden Sie als nächstes erzählen?

Debra Granik: Es sind die eher unbekannten Aspekte der Geschichte der USA, die mich interessieren. In Planung ist ein Film über die Rassendiskriminierung, der in den späten 50ern spielen soll. Dann arbeite ich auch noch an einem kleineren Projekt mit niedrigem Budget - das erfordert nicht so viele Genehmigungen! - in einem klassischen amerikanischen Genre, aber sehr subversiv: Es geht um zwei Leute in einem Auto (lacht).

SKIP: Was tun Sie, wenn sich nach Ihren gleich vier Oscar-Nominierungen Hollywood für Sie interessiert?

Debra Granik: Wenn ich jemals ins große Showbusiness reingezogen werde, dann würde ich das nur fürs Geld tun. Ich würde meine ganze Gage sofort in ein Projekt stecken, an dem Hollywood nicht interessiert ist. Warten wir mal ab, das wäre jedenfalls mein Geheimplan.

Interview: Julia Pühringer / Februar 2010

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