Vater unser

Interview mit Marie Kreutzer zu Die Vaterlosen

3 Jahre lang schrieb die Grazer Filmemacherin Marie Kreutzer am Drehbuch für ihren ersten Langfilm. Gut investiertes Herzblut: Die Vaterlosen wurden bei der Berlinale-Premiere im legendären Friedrichstadtpalast heftigst bejubelt.

SKIP: Wie sind Sie auf das Thema Ihres Feature-Debüts gekommen? Das war ja sicher keine leichte Übung ...

Marie Kreutzer: Das ist mir allerdings auch beim Drehbuchschreiben klar geworden, dass ich mir was Einfacheres hätte suchen können (lacht). Aber ich mag Ensemblefilme nun mal sehr gerne. Und das Kommunenthema ist für mich aufgekommen, weil ich viele Dokus darüber im Fernsehen gesehen habe. Da waren immer sehr viele Kinder im Bild, aber die waren nie Thema der Filme und wurden nie interviewt. Und mich hat das interessiert, wie das ist, da reingeboren zu werden. Und es war mir wichtig, weder eine Kommunen-Verklärung noch eine Abrechnung oder gar Verarschung zu machen.

SKIP: Haben Sie selber auch einen persönlichen Bezug dazu?

Marie Kreutzer: Nein, ich bin in einer „normalen“ Kleinfamilie aufgewachsen. Aber ich war immerhin in einer Alternativschule.

SKIP: Könnten Sie sich vorstellen, in einer Kommune zu leben?

Marie Kreutzer: (lacht) Nein. Aber ich würde deshalb nie so weit gehen, zu sagen, das kann nicht funktionieren. Es gibt schließlich auch genug Kleinfamilien, die nicht funktionieren. Natürlich sind die Dinge, die in Kommunen passieren oder die Kindern in Kommunen angetan werden, immer ein wenig spannender zu erzählen – aber ich glaube nicht, dass es grundsätzlich besser oder schlechter ist, hier oder dort aufzuwachsen.

SKIP: Das große Ensemble von Die Vaterlosen harmoniert bemerkenswert gut, wie aufwändig war das Casting?

Marie Kreutzer: Es hat schon sehr lange gedauert. Das Kindercasting war dann erst relativ knapp vor Dreh, da haben wir Glück gehabt. Als alle ausgesucht waren, haben wir uns auf Anhieb super verstanden. Eine Zeitlang haben wir am Set sogar mehr oder minder so gelebt, als wären wir selber eine Kommune.

SKIP: Wie lief es mit den Kindern beim Dreh?

Marie Kreutzer: Super! Die waren wahnsinnig gut vorbereitet und haben alles auswendig gekonnt. Und zwar nicht nur ihren Teil, sondern mehr oder minder das ganze Drehbuch. Die haben mich dann sogar manchmal auf Fehler hingewiesen (lacht). Klar brauchen die ganz andere Anweisungen als professionelle Schauspieler. Aber oft gehts auch schneller dadurch, weil man sehr direkt sein muss.

SKIP: Die Vaterlosen waren bei der Berlinale ein toller Erfolg, wie war das für Sie?

Marie Kreutzer: Der Moment, wenn das Licht ausgeht und auf so einer großen Leinwand der eigene Film läuft, das kann man mit nichts vergleichen, das ist mein Lebenstraum. Und dass wir dann auch noch bei der Preisverleihung eine lobende Erwähnung bekommen haben, war natürlich spitze.

Interview: Kurt Zechner / Februar 2011

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