Bizarre Pyjamaparty

Interview mit Jennifer Lawrence zu X-Men: Erste Entscheidung

Mit 14 Schauspielerin, mit 21 Oscar-Nominée und nun nackt und airbrushed in X-Men: Erste Entscheidung: Als Chamäleon-Frau Mystique wird Jennifer Lawrence ein großes Stück der Aufmerksamkeit abbekommen - auch wenn der Hollywood-Rummel sie eher kalt lässt. Klaus Hübner traf sie in London.

SKIP: Was hat dir an X-Men: Erste Entscheidung besonders gefallen?

Jennifer Lawrence: Besonders cool finde ich, dass der Film in den 60er-Jahren spielt und dass die Existenz von Mutanten noch nicht öffentlich bekannt ist, weshalb jeder von ihnen glaubt, allein auf der Welt zu sein. Es geht also darum, wie wir uns finden. Es gibt natürlich eine große Schlacht am Ende, aber der Film ist wirklich nicht so spezialeffektelastig.

SKIP: Mystique in X-Men ist sicher die aufwändigste Ganzkörpermaske von allen. Waren die Make-up-Sessions sehr anstrengend?

Jennifer Lawrence: Ich habe sehr viel Geduld und hoffe, dass ich mir das mein ganzes Leben lang erhalten kann. Aber ehrlich gesagt kann ich mich nicht viel beklagen. Die Mädchen, mit denen ich gearbeitet habe, also die sieben Make-up Artists, die sind meine Familie geworden. Es war fast so, als hätten wir jeden Tag eine wirklich bizarre Pyjamaparty, wo du nackt bist und die Leute dich anmalen und alle dabei fernsehen oder Filme schauen. Und wenn du fertig bist, haben sie dich in ein Kunstwerk verwandelt. Es ist schwierig, sich über das zu beschweren.

SKIP: Wie läuft so ein Arbeitsprozess ab?

Jennifer Lawrence: Man reibt mich mit Alkohol ab und rasiert mir den ganzen Körper. Dann beginnt das Airbrushing. Das ist … Haben sie dir einmal eine Warze vereist? Kannst es ruhig zugeben. Mir jedenfalls schon. Das fühlt sich sehr ähnlich an. Eine kalte, komprimierte Luft wird dir über den ganzen Körper gesprüht, an sieben verschiedenen Stellen gleichzeitig. Da gewöhnst du dich schwer dran. Vor allem an den Fußsohlen kitzelt es unglaublich. Nach dem Airbrushen werden die Prothesen angeklebt und mit weiteren fünf verschiedenen Blautönen bespritzt, das schafft so einen 3D-artigen Marmor-Effekt.

SKIP: War es seltsam, die ganze Zeit quasi nackt am Set herumzulaufen?

Jennifer Lawrence: Nun, ich war aus der Vorbereitungszeit schon so daran gewöhnt, dass es mir gar nicht mehr auffiel. Aber als ich dann ans Set kam, haben mich natürlich alle daran erinnert. Ich habe mir dann immer eingeredet, dass die alle nur die Farbe anstarren und sich fragen, wie die Prothesen dran haften.

SKIP: Hast du spezielles Training absolviert?

Jennifer Lawrence: Ja, ich hatte einen persönlichen Trainer und Ernährungscoach und habe täglich zwei Stunden trainiert, sieben Tage die Woche. Ich fand, dass ich ziemlich auftrainiert war und dadurch männlicher wirkte. Vielleicht haben meine Muskeln mehr Testosteron produziert. Ich wollte die ganze Zeit mit jemandem raufen und alle meine Stunts selbst machen. Irgendwie seltsam.

SKIP: Hast du denn Stunts selbst gemacht?

Jennifer Lawrence: Nein. Ich habe sechs Monate lang trainiert und nicht einen Stunt selbst gemacht. Doch, einmal bin ich kopfüber aus meinem Sessel gefallen, in der Szene, wo sich der X-Jet auf den Kopf stellt, aber ich weiß nicht, ob das letztlich im Film verwendet wird.

SKIP: Beim Casting für Winter’s Bone bist du bewusst unattraktiv aufgetreten. Hast du dir für das X-Men-Casting auch etwas besonderes einfallen lassen?

Jennifer Lawrence: Die Rolle in Winter’s Bone war sehr extrem von den Anforderungen her. Dagegen war das X-Men-Casting relativ normal. Mir hat dabei nie jemand gesagt, ich sei zuviel dies oder zuwenig das - glücklicherweise.

SKIP: Winter’s Bone hat dir eine Oscarnominierung eingebracht. Was hat dich dazu bewegt, als nächstes einen Superheldenfilm zu drehen?

Jennifer Lawrence: Einmal etwas ganz anderes zu machen, war auf jeden Fall interessant. Natürlich hätte ich es nicht gemacht, wenn ich nicht so begeistert und überzeugt gewesen wäre vom Drehbuch und von Regisseur Matthew Vaughn, und Michael Fassbender und James McAvoy gehören zu meinen Lieblingsschauspielern. Einen gestylten Film mit hohem Budget, gutem Essen und großen Wohnmobilen zu drehen, alles das war sehr ansprechend, ungelogen.

SKIP: Und wie war die Bezahlung?

Jennifer Lawrence: Da sagt du schnell okay. Aber ich fahre immer noch einen VW.

SKIP: Jetzt bist du berühmt. Genießt du das?

Jennifer Lawrence: Ich habe festgestellt, dass man den ganzen Hollywoodrummel mit den Parties und allem haben und trotzdem bei sich bleiben kann. Die Glamourwelt ist nicht die Realität, und das Hollywood-Leben ist nicht so verführerisch und grandios, wie ich es für möglich gehalten hätte. Festzustellen, dass ich mir keine Sorgen um mich machen muss, war erleichternd. Es ist eine Ehre, dabei sein zu dürfen, aber es ist auch angenehm, das wieder hinter sich zu lassen.

SKIP: Welche Superkraft hättest du gerne?

Jennifer Lawrence: Ich würde gerne unter Wasser atmen können.

Interview: Klaus Hübner / Februar 2011

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