Lawrence von Amerika

Interview mit Jennifer Lawrence zu Die Tribute von Panem: Mockingjay - Teil 1

Jenny forever! Als vor drei Jahren der erste Teil der Die Tribute von Panem-Saga ins Kino kam, war die damals 22-Jährige noch relativ unbekannt. Kann man sich fast nicht mehr vorstellen! Jetzt, beim Filmstart von Mockingjay - Teil 1 ist die ganze Welt verrückt nach ihr - nur sie selber ist erfrischend cool geblieben, wie wir beim Vieraugengespräch in Cannes festgestellt haben.

SKIP: Was ist eigentlich deine Erklärung für den unglaublichen Erfolg der Panem-Bücher und -Filme? Es ist ja doch recht erstaunlich, dass eine so dystopische, grausame Welt gerade bei jungen Menschen so viel Anklang findet ...

Jennifer Lawrence: Ich glaube, es stecken auch sehr viele Elemente drin, die junge Leute mögen: z. B. das Thema, wie wichtig eine einzige Stimme sein kann, oder dass man sich gewahr sein soll, was in der Welt vor sich geht, statt einfach nur blind irgendjemandem hinterherzurennen. Nicht nur abhängig sein von Regierungen oder Älteren, die dir sagen wollen, was richtig oder falsch ist, sondern stattdessen deinem eigenen Herzen folgen. Solche Sachen.

SKIP: Deine Filmfigur verbringt fast die ganze Handlung von Mockingjay - Teil 1 innerhalb eines Betonbunkers - ist sowas beim Spielen nicht irre deprimierend?

Jennifer Lawrence: Ja, klar, total. Aber gerade dieser Teil ist ja auch ein viel düstererer, emotionalerer Film als es die ersten beiden waren, wir haben das auch bewusst noch verstärkt. Gott sei Dank haben wir den zweiten Teil von Mockingjay auch gleich mitgedreht, also durfte ich dazwischen immer wieder mal rausgehen und Dinge in die Luft jagen (lacht).

SKIP: In den letzten Jahren hat sich dein Leben sehr verändert - wie fühlst du dich nun so als Hollywood-Ikone?

Jennifer Lawrence: "Ikone"? Hihi. Es ist ursüß und total nett, wenn man von jemanden so genannt wird. Aber man kann niemals solche Sachen über sich selbst hören und das richtig verarbeiten, das sinkt nie richtig ins Bewusstsein. Es fühlt sich immer so an, als ginge es um jemand ganz anderen. Und in gewisser Weise ist das ja auch so. Weil, würdest du mich zu Hause auf meiner Couch mit Jogginghose und einer Flasche Bier in der Hand herumlungern sehen, würdest du mich sicher auch nicht Ikone nennen. Aber das bin ich - das ist die harte Wahrheit! (lacht)

SKIP: Ja, aber da sind ja nicht nur Looks & Outfits entscheidend! Bei dir ist ja schon auch das Auftreten, des es ausmacht, du gehst ja die Dinge doch etwas anders an als deine Kolleginnen. Bei dir hat man einfach das Gefühl, dass fast alles mit einer entspannten Leichtigkeit geschieht.

Jennifer Lawrence: Ja, alles außer Gehen (lacht)! Dass ich heuer bei den Oscars schon wieder hingefallen bin, ist mir immer noch peinlich.

SKIP: Aber findest du dieses leicht patscherte Image von dir nicht auch irgendwie lustig?

Jennifer Lawrence: Nein, eigentlich gar nicht. Ich möchte immer weinen, wenn ich wiedermal wo hinfalle. Und es ist kein Image - ich bin definitiv eine ziemlich tollpatschige Person.

SKIP: Und eine, die sich immer wieder vehement gegen die Schönheitsideale zur Wehr setzt, die man im Showbiz speziell Frauen vorschreiben will!

Jennifer Lawrence: Nun, schau mich an, was bleibt mir anderes über (lacht). Am Anfang meiner Karriere hat man mich oft als fett bezeichnet und wollte mir ständig Diäten verordnen. Aber solche Dinge machen viele auch in anderen Berufssparten durch, davon darf man sich einfach nicht entmutigen lassen. Ich wusste immer schon, dass ich mich nicht großartig verändern lassen will, also fiel es mir gar nicht so schwer, mit dem Druck umzugehen. Ich weiß ja, wie ich aussehe, und ich wusste auch schon damals, dass ich nicht fett bin. Natürlich ist es nicht ganz einfach, das zu verdauen, wenn man noch beim Heranwachsen ist und ohnehin schon leicht zu verunsichern. Es ist einfach wichtig, rechtzeitig zu wissen, dass so was einfach nur blöd ist.

SKIP: Aber gerade in dieser Phase braucht ein junger Mensch eine Stütze, die einem da durchhilft ...

Jennifer Lawrence: Klar, und bei mir war das die Familie. Wobei, direkt "Stütze" würde ich das so gar nicht nennen - aber wenn du mit Brüdern aufwächst, die dir tagtäglich die grauslichsten Sachen an den Kopf werfen, dann kann dir Hollywood definitiv nichts mehr anhaben.

SKIP: Hast du heute noch irgendein Problem mit solchen Erwartungshaltungen, oder fühlst du dich jetzt in jeder Hinsicht so akzeptiert, wie du bist?

Jennifer Lawrence: Das hoffe ich doch. Und wer das immer noch nicht tut, der soll bitte scheißen gehen, wen kümmerts.

SKIP: Glaubst du, dass dieser relaxte Zugang ein wesentliches Geheimnis deines Erfolges ist?

Jennifer Lawrence: Ich fürchte, wenn ich das jetzt genauer ausbreite, wird es wohl nicht mehr lange ein Geheimnis sein (lacht). Vielleicht kommt es auch daher, dass alles das zusammen, der ganze Hollywood-Trubel, die Berühmtheit und selbst das Schauspielen selbst, nicht einmal 3% von dem ausmacht, wer ich tatsächlich bin. Und der Rest wird immer viel wichtiger bleiben: Ich selbst, mein richtiges Leben, Leute die ich liebe, meine Freunde, sowas halt. Klar, ich liebe auch die Schauspielerei, über alles, aber es ist immer noch "nur" mein Job.

SKIP: Aber es ist für dich wohl nicht mehr so einfach wie früher, dich deinem "richtigen" Leben zu widmen, oder?

Jennifer Lawrence: Stimmt, das ist keine einfache Übung. Es geht einfach nicht, dass man so wie ich zuerst 21 Jahre seines Lebens auf eine Art gelebt hat und sich dann in so kurzer Zeit perfekt an ein so völlig anderes Leben adaptiert. Dafür werde ich noch viel Zeit brauchen. Ich muss mich auch nach wie vor an den Gedanken gewöhnen, dass ich bestimmte Dinge einfach nicht mehr machen kann. Es fühlt sich manchmal so unfair an, wenn du ständig Fotografen vor deiner Haustüre hast und deshalb dauernd, auch tagsüber, die Jalousien geschlossen halten musst. Oder einfach so rausgehen, ein bisschen spazieren oder shoppen - das geht einfach nicht. Genauso wie man plötzlich noch viel, viel vorsichtiger sein muss bei dem, was man online macht - was da rauskommen kann, hast du doch sicher auch schon gegoogelt (lacht)?

SKIP: Äh ... natürlich nicht!

Jennifer Lawrence: Jaja, das behaupten alle (grinst). Jedenfalls sind das alles harte Einschränkungen, die man erst mal schlucken muss. Aber ich werde das schon schaffen mit der Zeit.

SKIP: Könnte das auch einmal dazu führen, dass du den Job einfach wieder aufgibst, um wieder freier zu sein?

Jennifer Lawrence: Das Gute ist, dass ich weiß, dass ich es könnte. Aber ich habe auch die Gewissheit, dass ich nicht glücklich wäre, wenn ich auch nur irgendeinen anderen Job machen würde. Klar kommen mit diesem Job eben Nachteile, und die können sehr extrem sein. Aber ich glaube, dass ich gerade tue, wofür ich geschaffen bin, also muss ich irgendwie auch damit umgehen lernen. Muss ich doch, oder? (lacht)

SKIP: Wann hast du zum ersten Mal realisiert, dass sich dein Leben so massiv verändert hat?

Jennifer Lawrence: Die volle Wucht traf mich, als ich mit den Paparazzi umgehen musste, nachdem der erste Teil von Die Tribute von Panem rauskam. Sowas kann dein Leben sehr schnell in eine sehr traurige Existenz verwandeln. Ich meine, das darf man wahrscheinlich gar nicht sagen, sonst schreit natürlich sofort wer: "Ach halt doch den Mund mit deinem selbstmitleidigen Millionärsgejammer." Aber ich sags trotzdem (lacht). Niemand kann mich am Jammern hindern!

Interview: Kurt Zechner / Mai 2014

1 Kommentar

*-* JENNIFER*-*

Also ich finde nicht, dass man nicht sagen sollte, dass du mit dem ´´Gejammere´´ aufhören sollst...denn schließlich hast du in den besten Filmen aller Zeiten die beste Hauptrolle aller Zeiten gespielt und nicht die die das sagen...
...ich freu´ mich schon total auf deinen neuen Film!!!

love you *-*

19. November 2014
14:59 Uhr

von MaraMungenast

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