Dauerbrenner

Interview mit Josef Hader zu Das ewige Leben

In Das ewige Leben spielt Josef Hader bereits zum vierten Mal den Brenner, trauriger Loser und heimlicher Held zugleich. Mit SKIP sprach er über Selbstzweifel, Moped-Stunts und warum Filme eigentlich lieber schlecht ausgehen sollten.

SKIP: Der Brenner ist einer der wenigen Loser, den man nie verachtet. Bei ihm wirkt das Scheitern eigentlich gar nicht so schlimm, und die Frauen kriegt er ja auch meistens am Schluss, zumindest auf eine Art …

Josef Hader: Das ist ja überhaupt das Tröstliche am Film, dass er nicht so ist wie das Leben. Das liegt daran, dass es eben nur eine Projektion ist, das heißt, man hat keine Angst davor, es ist ja nur ein technischer Vorgang. Gleichzeutig kann einen Film aber so hineinziehen, als würde man das Geschehen miterleben, aber ohne sich selber dreckig zu machen. Deshalb zahlen die Leute auch Eintrittskarten fürs Kino.

SKIP: Wie war der Dreh in Graz?

Josef Hader: Sehr kalt, ansonsten eigentlich ausgeprochen freundlich. Die Menschen dort haben uns geholfen, wo immer es gegangen ist. Das ist keineswegs selbstverständlich, wenn wir kommen und ihr Leben stören mit Filmarbeiten. Und wir haben ja recht lang gedreht und mitten im Zentrum, und haben sehr viel Lärm gemacht mit unseren 2-Takt-Mopeds, den Feuerwerken und Parties, die da gedreht wurden. Es war für mich fast unwirklich, wie geduldig alle waren mit uns. Das habe ich in der Form vorher noch nie erlebt.

SKIP: Das Mopedfahren in der Kälte war sicher brutal?

Josef Hader: Es war einerseits sehr kalt - andererseits wurde mir aber immer recht schnell recht heiß, weil das gar nicht ungefährlich war. Das Moped ist ja wirklich ein sehr altes, und es wurde für den Film nicht extra stabiler gemacht. Es gibt eine Szene, in der ich über ein Stück nasse Wiese fahre, und mit jedem Take ist das noch rutschiger geworden. Da war ich sehr froh, wie das endlich abgedreht war. Und im Drehbuch war ja auch kein Sturzhelm vorgesehen.

SKIP: Der Brenner sagt, er hat eine Helmbefreiung. Gibts sowas wirklich?

Josef Hader: Ja, das gibts tatsächlich. Ich glaube, Niki Lauda hatte das auch, der ist nicht zum Militär gegangen, weil er allergisch ist gegen Helme. Hab ich mal wo gehört (lacht).

SKIP: Warum, glauben Sie, gehören die Brenner-Filme zu den erfolgreichsten österreichischen Filmen überhaupt.

Josef Hader: Wie Erfolg funktioniert, davon hab ich keine Ahnung, weil wir die Drehbücher nicht auf Erfolg hin schreiben. Da würden sie anders ausschauen.

SKIP: Aber Sie sind ja auch mit Ihren Kabarettprogrammen sehr erfolgreich.

Josef Hader: Wenn ich überlegen würde, warum das so ist, würde ich es wahrscheinlich nicht mehr zusammenbringen. Ich beschäftige mich nicht mit meinem Erfolg, er spielt in meinem Leben keine Rolle. Jedes Mal, wenn wenn ich auf die Bühne gehe, muss ich Erwartungen erfüllen - und es ist immer sehr viel Angst dabei, ob ich das zusammenbringe. Und wenn wir einen Film machen, dann ist die Angst groß, ob wir das so hinkriegen, wie wir wollen - und ob er dem Publikum gefällt.

SKIP: Lernt man mit den Jahren nicht, mit dieser Angst besser umzugehen?

Josef Hader: Eigentlich nicht. Ich glaube eher, dass man mit dem Alter noch ängstlicher wird.

SKIP: Schlägt sich das nicht irrsinnig auf den Magen?

Josef Hader: Nein. Der Magen ist das einzige gesunde Organ, das ich habe.

SKIP: Sind Sie sich selber jemals gut genug?

Josef Hader: Dass ich bei irgendwas sage: "Das war jetzt richtig super!"? Nein. Das geht auch gar nicht. Wenn man sich selber zuschaut, sieht man vor allem die Fehler und die Probleme. Am besten gehts noch mit Sachen, die wirklich weit zurückliegen: Unlängst hab ich zufällig mal Indien gesehen, und da hab ich mir gedacht, das ist eigentlich gar nicht so schlecht.

SKIP: Welche Filme schauen Sie sich denn gerne an?

Josef Hader: Quer durch, von der Komödie bis zum Independent-Film. Was mich mich immer noch am meisten fasziniert sind sicher die Filme aus der New Hollywood-Phase. Die, die ich als kleiner Bub in den Ferien als Nachtfilm im Fernsehen hab anschauen dürfen. Die, die immer schlecht ausgehen. Für mich war bis zum 18. Lebensjahr klar, dass ein moderner Film schlecht ausgehen muss. Und ich war vollkommen fassungslos, als ein paar Monate, nach dem Ronald Reagan in den USA die Macht übernommen hat, plötzlich Hollywood-Filme wieder gut ausgegangen sind. Ich hielt das für unglaublich unmodern und dumm. Regelrecht erschüttert war ich von Ein Offizier und Gentleman, wo das Militär so positiv dargestellt wurde. Das war für mich wie ein Kulturschock.

Interview: Gini Brenner, Kurt Zechner / Jänner 2015

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