Mme Partout

Interview mit Marion Cotillard zu Allied - Vertraute FremdeEinfach das Ende der WeltAssassin's Creed

Gibt’s gerade Marion-Cotillard-Festpiele, oder was? Die coole Französin glänzt neben Michael Fassbender in Assassin’s Creed und Brad Pitt in Allied – Vertraute Fremde auch in Xavier Dolans Einfach das Ende der Welt.

SKIP: Sie haben schon mit so vielen großen Filmemachern gearbeitet. Wie war die Arbeit mit Xavier Dolan? Er gilt ja als nicht immer einfacher Zeitgenosse.

Marion Cotillard: Wie haben uns auf den ersten Blick gut verstanden – ich würde wirklich sagen, wir sind sowas wie Seelenverwandte. Und am Set ist er ein sehr außergewöhnlicher Künstler. Anders als jeder, mit dem ich bisher gedreht habe. Er will die Energie spüren, uns so nah wie möglich sein, und er gibt Anweisungen, während wir spielen. Oder er spielt Musik, die ihm gerade zusagt, oder er singt. Das ist oft etwas anstrengend, aber es hat mir gut gefallen. Und es funktioniert.

SKIP: We erkennt man einen Seelenverwandten?

Marion Cotillard: Wenn man jemanden zum ersten Mal trifft, und man hat das Gefühl, als würde man ihn schon lange kennen. Es gibt eine Verbindung, die man nicht wirklich erklären kann, aber die sehr stark ist. Stärker als Worte, oder Gesten, sogar stärker als Liebe oder Freundschaft. Ich würde sagen, Xavier ist Teil meiner Familie.

SKIP: Sie scheinen eine Vorliebe für extrem unterschiedliche Projekte zu haben. Voriges Jahr haben wir uns über die Shakespeare-Verfilmung Macbeth unterhalten, nun über Xaviers Familiendrama, außerdem sind sie auch noch im Blockbuster Assassin’s Creed und in Allied – Vertraute Feinde zu sehen …

Marion Cotillard: Ja, das ist schon sehr gegensätzlich, das stimmt. Aber ich suche mir meine Rollen nicht nach dem Genre aus, sondern ich versuche, ganz neutral an sie Sache heranzugehen. Erst frage ich mich, ob ich generell Freude an der Sache hätte. Dann schaue ich mir an, mit wem ich arbeiten würde. Und dann muss ich mir natürlich überlegen, ob und wie der Dreh sich mit dem Familienleben ausgeht. Bei Assassin’s Creed zum Beispiel führt Justin Kurzel Regie, mit dem ich schon Macbeth gedreht habe, da wusste ich, auf wen ich mich einlasse. Ich arbeite wirklich sehr gern mit Justin, er ist der richtige Mann, um in dieses Riesenprojekt Menschlichkeit reinzubringen.

SKIP: Macht es für Sie eigentlich einen Unterschied, ob Sie in Ihrer Muttersprache Französisch drehen oder in Englisch?

Marion Cotillard: Ja, das tut’s, in der Tat. Eine Sprache, die nicht die Muttersprache ist, ist ein bisschen wie ein Kostüm, das man überzieht. Wenn man innere Gedanken in einer Sprache sagt, in der man nicht gewohnt ist, zu denken, dann gibt es einem eine ganz neue Art der Freiheit – vielleicht weil man mit den einzelnen Worten nicht so viel Kontext verbindet wie in der Muttersprache. Die Sprache macht die Figur für mich. Ich bin jemand, der sich über die sprachliche Ebene in eine Figur versenkt, und eine andere Sprache hilft mir dabei.

SKIP: Sie sagen oft in Interviews, dass Sie ausgesprochene Cineastin sind. Können Sie sich noch an den ersten Film erinnern, den Sie je im Kino gesehen haben?

Marion Cotillard: Ja klar, E.T. Und dann gleich Die unendliche Geschichte. Ich weiß das noch ganz genau, ich war sehr bewegt von diesen Filmen. Ich habe gelacht und geweint, und mich voll in diese Fantasiewelt reingelebt.

SKIP: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie als Filmstar heute auch in einer Fantasiewelt leben?

Marion Cotillard: Nein, ich versuche, immer in der Realität verhaftet zu bleiben. Klar gibt es viele verschiedene Realitäten, wir alle leben in unserer eigenen Wirklichkeit, sehen die Welt mit unseren eigenen Augen. Aber nur weil ich Schauspielerin bin, heißt das nicht, dass ich realitätsfremd wäre. Ich bin genauso ein Teil der Welt wie Sie.

SKIP: Wie vereinbaren Sie die Realität des Showbiz mit der Realität Ihrer Familie?

Marion Cotillard: Es ist nicht einfach. Ich will bei meiner Familie sein, und erleben, wie meine Kinder aufwachsen, und kein bisschen davon versäumen. Andererseits möchte ich auch meine Arbeit machen. Aber als Schauspielerin kann man das zumindest zum Teil vereinbaren. Ich bin mir durchaus bewusst, wie privilegiert meine Situation ist. Ich arbeite ein paar Wochen, und habe dann wieder monatelang frei, das ist echter Luxus.

Interview: Gini Brenner, Foto: © Graham Whitby Boot / Mai 2016

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