Hier kommt die Maus

Interview mit Josef Hader zu Wilde Maus

In seiner allerersten Kino-Regiearbeit begibt sich Josef Hader in luftige Höhen: Wilde Maus erzählt eine Geschichte über Rache, Liebe, klassische Musik und den Wurstelprater. SKIP besuchte Hader am Set.

SKIP: Wie ging’s Ihnen erstmals mit der Dreifachbelastung Regisseur, Autor und Darsteller?

Josef Hader: Mein großer Lehrmeister beim Regieführen ist Wolfgang Murnberger, der immer mit einer unglaublichen Gelassenheit die Dinge bewegt, und alles funktioniert glänzend. Im Gegensatz zum klassischen Arthouse-Regisseur bin ich kein Kontrollfreak, sondern eher ein Teamplayer, der auch gerne andere Teammitglieder Vorschläge machen lässt. Und wenn man dann Schauspieler wie etwa Georg Friedrich im Team hat, dann kann man davon ausgehen, dass alles, was der vorschlägt, nur besser sein kann als der Plan, den man selbst hatte.

SKIP: Woody Allen hat einmal gesagt, dass man als Regisseur vor allem darin gut sein muss, allen zu vermitteln, es laufe alles perfekt nach Plan, obwohl es überhaupt keinen Plan gibt.

Josef Hader: Ich habe da die genau umgekehrte Philosophie: Ich tu meist ein bisschen verwirrter als ich eigentlich bin und schaue, was dann für Ideen kommen – ich glaube, dass man einem vermeintlich verwirrten Regisseur gegenüber ungehemmter entgegentritt. In Wirklichkeit kontrolliere ich aber doch ein bisschen mehr, als alle glauben. Vielleicht ist das ja meine „Methode“.

SKIP: Ihre Figur ist gescheiterter Musikkritiker, spezialisiert auf klassische Musik. Wie kam’s zu dieser ungewöhnlichen Berufswahl?

Josef Hader: Schon allein deshalb, weil ich mir gedacht habe, das ergibt dann gute Möglichkeiten für die Filmmusik. Es geht in meinem Film ja um Rache, so wie in den asiatischen Filmen, wo’s auch immer irgendwie um Rache geht und wo immer sehr viel klassische Musik verwendet wird.

SKIP: Welche Beziehung haben Sie selbst zum Prater?

Josef Hader: Ich war zum ersten Mal im Prater mit sechs Jahren als Bauernkind, bin dann als Student mit den wildesten Sachen gefahren und später war ich oft mit meinen Kindern da. Es gibt ja mehrere alteingesessene Prater-Familien, die mehrere Geräte betreiben, wie zum Beispiel die Familie Sittler. Und als mein Sohn 4, 5 Jahre alt war, war er total begeisterter Tagada-Fahrer. Ich hab immer hingehen müssen und mit ihm fahren. Und damals sind auch die Teenager-Söhne des Herrn Sittler immer dort gesessen, und die waren totale Fans des Films Indien. Und jetzt, als ich nach 20 Jahren dort drehte, haben sie mich gefragt, wie es meinem Sohn geht.

SKIP: Seit Jahrzehnten scheint immer alles zu funktionieren, was Sie machen. Können Sie sich selbst Ihren Erfolg erklären?

Josef Hader: Ich glaube nicht, dass das Glück ist, aber auch nicht Talent. Man muss das machen, von dem man wirklich überzeugt ist, und eine Linie verfolgen. Die Leute, die meine Kabarettprogramme mögen, werden wohl auch meine Filme mögen, weil das mein Stil ist – meine Art, das Leben zu sehen.

Interview: Kurt Zechner, Gini Brenner, Foto: © Petro Domenigg / Juli 2016

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