Der Kriegstreiber

Interview mit Mel Gibson zu Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

In seinem Schlachtfeld-Epos Hacksaw Ridge lässt es Mel Gibson wieder ordentlich knallen – und im Interview zeigt er sich ebenfalls nicht als Freund der zarten Zwischentöne.

SKIP: Sie haben einmal gesagt, Ihre Filme sind ein bisschen wie Ihre Kinder. Wie geht es Ihnen, wenn Sie einen neuen Film auf die Welt loslassen?

Mel Gibson: Es ist tatsächlich, wie wenn man ein Kind zum ersten Mal in den Kindergarten schickt. Es ist sehr emotional, man hat Angst, Hoffnung … ich glaube an das, was ich da gemacht habe, und ich hoffe, dass die Menschen da draußen verstehen, was ich gemeint habe, dass ich es richtig vermittelt habe. Kino – genau wie Theater – ist ja sowas wie gemeinschaftliches Träumen: Man sitzt im Dunkeln, alle sehen dieselbe Geschichte, Eindrücke versuchen, sich einen Weg in deine Seele zu bahnen.

SKIP: In der Geschichte sind immer wieder Kriege für Religionen gefochten worden. Hier geht’s um einen Menschen, der wegen seiner Religion nicht kämpfen wollte. Hat Sie das als religiöser Mann besonders angesprochen?

Mel Gibson: Das, und die Tatsache, dass Desmond so ein untypischer Held war. Wie macht ausgerechnet ein Typ wie er solche Sachen? Und das ist eine großartige Message. Kriege sind ja eine moralische Ausnahmesituation. In dieser Situation ist es erlaubt, zu töten. Ich glaube ja, dass es durchaus gerechtfertigte Kriege gibt. Nicht viele, aber es gibt sie. Aber selbst da seine Ideale zu behalten, nicht mal eine Waffe anzugreifen, das ist eine wirklich große Sache.

SKIP: Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Sie in dieser Situation tun würden?

Mel Gibson: Ich würde mich erst mal selbst verletzen, damit ich nicht einrücken muss (lacht). Aber wenn ich wirklich in diese Situation geraten würde, hätte ich schon gern irgendeine Art von Bewaffnung.

SKIP: Mr. Gibson, Sie haben den Übergang vom Schauspieler zum Regisseur längst komplett vollzogen, wie es scheint. Und Ihre Schauspieler streuen Ihnen immer Rosen, weil Sie ein so einfühlsamer Filmemacher seien. Wie sehen Sie das selbst? Glauben Sie, dass Sie als Regisseur besser sind, weil Sie die Leiden der Schauspieler aus eigener Erfahrung kennen?

Mel Gibson: Jeder hat seinen eigenen Stil, und jeder macht manches richtig und vieles falsch. Ich habe mit Regisseuren gearbeitet, die Filme fast nach mathematischen Prinzipien gemacht haben, und andere, die einem völlige Freiheit ließen. Ich borge mir sicher von allen, mit denen ich gearbeitet habe, irgendwas aus, aber im Prinzip versuche ich nur, alles richtig zu machen.

SKIP: Sie haben die Passion Christi verfilmt und haben auch angekündigt, die Auferstehung Christi verfilmen zu wollen. Ist das noch im aktuell?

Mel Gibson: Ja, schon. Aber wird wohl noch ein paar Jahre dauern. Ich meine, das ist ein echtes Großprojekt. Keine einfache Sache. Da muss man wirklich tief in die Materie eintauchen. Ich kann hier in diesem Rahmen nicht einmal versuchen, den Maßstab dieses Projektes auch nur im Ansatz zu erläutern.

SKIP: In den letzten zehn Jahren haben Sie sehr viele Höhen und Tiefen durchgemacht. Wie haben Sie diese Dekade erlebt?

Mel Gibson: Es war eine Lehrzeit für mich. Ich habe viel an mir gearbeitet, und ich glaube, ich bin ein besserer, gesünderer Mensch geworden. Aber es ist eine laufende Entwicklung.

SKIP: Sie sind ein besserer Mensch geworden – inwiefern genau?

Mel Gibson: Naja, in Wahrheit wohl weder besser noch schlechter. Ich bin nur ein Mensch mit vielen Fehlern, genau wie Sie. Obwohl, Sie haben sicher mehr Fehler als ich (lacht).

SKIP: Sie waren eins von insgesamt elf Geschwistern. War das ein Grund, warum Sie ins Showbiz gingen? Um endlich Aufmerksamkeit zu bekommen?

Mel Gibson: Ja, sicher! Ich war das Kind genau in der Mitte. Nummer sechs. In dieser Position muss man wirklich lernen, sich zu behaupten. Und man muss eine gute Vorstellungskraft entwickeln. Weil man sich vorstellen muss, dass man lieb gehabt wird (lacht).

Interview: Kurt Zechner, Foto: © Universum Film / Dezember 2016

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.