Glück in der Liebe

Interview mit Stefan Sagmeister zu The Happy Film

Stargrafiker und Regisseur Stefan Sagmeister hat das Glück gesucht, in The Happy Film – und gefunden, unter anderem beim Reisen an neue Orte. Derzeit genießt er Mexico City, aber für SKIP nahm er sich trotzdem Zeit für ein paar Antworten.

SKIP: Sind Sie glücklich, da jetzt in Mexiko?

Stefan Sagmeister: Ich bin jetzt seit zwei Monaten in Mexico City, und das waren sicherlich die besten Monate der letzten Jahre. Obwohl ich auf Sabbatical bin, arbeite ich stundenmäßig fast doppelt so viel wie in einem normalen Jahr im Studio in New York. Es macht mir Spaß. Es geht mir gut.

SKIP: Sie befassen sich in The Happy Fim mit drei Methoden zur Glücksfindung: Meditation, Therapie und Medikation. Aber am intensivsten nützen Sie dann doch eine vierte, nämlich das Verliebtsein …

Stefan Sagmeister: Das war natürlich nicht so geplant, aber hat sich während der Experimente so ergeben. Unser wissenschaftlicher Berater Jonathan Haidt hat gemeint, ich habe gewissermaßen auf einem Wal stehend, nämlich der Liebe, nach Sardinen gefischt, den Methoden.

SKIP: Welche davon würden Sie weiterhin anwenden?

Stefan Sagmeister: Ich kann mir alle drei vorstellen. Meditation kann einen Freiraum in mir herstellen, der Denken über größere Dinge zulässt, die kognitive Therapie ist effektiv, wenn ich etwas an mir verändern möchte, und die Drogen funktionieren. Allerdings würde ich eine niedrigere Dosis verwenden.

SKIP: Sie setzen im Film rücksichtslos sich selbst, Ihre Intimsphäre, Ihren eigenen Körper ein. Sind Sie da manchmal zu weit gegangen?

Stefan Sagmeister: Es gab viele, viele Momente, in denen mich der Film zutiefst unglücklich gemacht hat. Meistens, weil ich wusste, so geht’s nicht, aber nicht wusste, wie ich’s besser machen kann.

SKIP: Was haben die Arbeit an Happy Show und Happy Film für Sie langfristig verändert?

Stefan Sagmeister: Beide Projekte haben die Arbeit im Studio nachhaltig beeinflusst, und ich hoffe sehr, dass ich auch in meinen Beziehungen ein bisschen weiser geworden bin. Meine derzeitige Begeisterung für unser neues Projekt über die Schönheit ist ein direktes Resultat aus den Erkenntnissen vom Happy Film. Es erlaubt mir, mit vielen Leuten, die ich mag, zu arbeiten. Es erlaubt mir selber eine gute Beziehung zur Arbeit aufzubauen. Und ich bin involviert in etwas, das größer ist als ich selber.

SKIP: „The pursuit of happiness“ steht als unverrückbares Recht jedes Menschen sogar in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Ist Happiness eigentlich etwas anderes als Glück?

Stefan Sagmeister: Der deutsche Begriff Glück ist ein wenig irreführend, weil er auch das „luck“, also das Glück etwa im Spiel beinhaltet. Mein Lieblingsversuch zu einer Definition teilt das Glück nach Zeitdauer ein: Da gibt es das ganz kurze, den sekundenlangen Glücksmoment, das mittellange Glück wie eine Zufriedenheit, die stundenlang anhalten kann, und noch das ganz lange Glück: Das zu finden, was man mit seinem Leben machen will, den Lebenszweck.

Interview: Magdalena Miedl, Foto: © Polyfilm / Dezember 2016

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