Ganz wach

Interview mit Laurence Rupp zu Die Geträumten

Im Zeitgeschichtegeisterstück Die Nacht der 1000 Stunden spielte Laurence Rupp erst neulich die schräge Hauptrolle. In Die Geträumten ist er dafür ganz nah bei sich selbst: Gemeinsam mit Anja „Soap & Skin“ Plaschg liest er da den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan.

SKIP: Es scheint, als hätten die vielleicht wahrhaftigsten literarischen Texte von allen auch das kleinste Publikum, nämlich nur eine Person – weil es Liebesbriefe sind. Zumindest könnte man nach Die Geträumten das glauben, oder?

Laurence Rupp: Ich weiß nicht, mich haben Briefe bisher nie besonders angezogen, weil mir das normalerweise zu privat ist. Es gibt ein Buch namens Liebesbriefe großer Männer, in das ich einmal hineingeschmökert hab, und ich finde, das erschöpft sich sehr bald. Aber der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan ist anders, das ist ein richtiger Dialog, fast wie ein Theaterstück, das über einen sehr langen Zeitraum geht.

SKIP: Wie sehr hast du dich über Ruth Beckermanns Drehbuch hinaus mit Paul Celan beschäftigt?

Laurence Rupp: Es gab kein Drehbuch in dem Sinn, wir wussten bis zu Drehbeginn nicht, welche Briefe sie auswählt. Deswegen hab ich mir diese Briefesammlung vorgenommen, die unter dem Titel Herzzeit erschienen ist. Und natürlich hab ich Celan-Biografien gelesen und versucht zu verstehen, wer er ist. Ich hab mir auch Aufnahmen seiner Lesungen angehört. Das ist hochspannend, der liest sehr manieriert, richtig arg. Als der damals bei der Gruppe 47 seine ersten Lesungen gehabt hat, haben die den alle fertiggemacht, weil das so speziell ist, wie ein predigender Singsang.

SKIP: Aber du spielst im Film ja nicht Celan, sondern einen Schauspieler namens Laurence, der Celan liest – und der die Pausen mit Anja Plaschg verbringt. Ist das alles komplett improvisiert?

Laurence Rupp: Ja, alles. Die Sachen, die am ehesten inszeniert wirken, sind am allerprivatesten. Zum Beispiel der Moment, in dem wir da auf dem Rücken liegen im Aufnahmestudio und ich den James Brown anmache am Handy, diese Liveaufnahme. Wir hatten da Pause und haben auf die anderen gewartet, und haben uns halt auf den Boden gelegt und uns Musikvideos reingezogen. Da wussten wir nicht, dass wir gefilmt werden.

SKIP: Ist das dann nicht auch ein Gefühl des Ertapptwerdens?

Laurence Rupp: Es war grundsätzlich die Bedingung, dass die Kamera immer laufen kann. Ich hatte einmal einen Disput mit Ruth, der ein wenig emotional wurde, da lief die Kamera auch, und da hätte ich dem Kameramann am liebsten die Kamera weggenommen (lacht).

SKIP: Du bist ganz schön vielbeschäftigt dieser Tage: Gerade warst du in Virgil Widrichs Die Nacht der 1000 Stunden zu sehen, im November bist du mit dem Staatsopernballett aufgetreten …

Laurence Rupp: Stimmt, das Ballett waren nur fünf Vorstellungen, aber es soll Anfang 2018 eine Wiederaufnahme geben. Jetzt bin ich mal ziemlich froh drüber, eine Weile frei zu haben, weil ich dieses Jahr bisher durchgearbeitet hab: Ich hab mit Das Sacher begonnen, dem Fernsehzweiteiler von Robert Dornhelm, das war bis Juni, der läuft Ende des Jahres im ORF. Den Sommer über war ich bei den Salzburger Festspielen bei Matthias Hartmann, dann direkt zur Staatsopernproduktion, und jetzt bin noch am Burgtheater und hab ein paar Drehtage bei Peter Payers Tatort Staatsarchiv, mit Christiane und Mavie Hörbiger. Dann brauch ich dringend mal Pause.

Interview: Magdalena Miedl, Foto: © Stadtkino Filmverleih / Dezember 2016

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