Golden Brothers

Interview mit Arash T. RiahiArman T. Riahi zu Kinders

Mit ihrer Produktionsfirma Golden Girls sind Arash und Arman T. Riahi eine Fixgröße der österreichischen Filmlandschaft. Ihre neueste Doku Kinders wirft einen spannenden Blick auf Probleme unseres Schulsystems – und präsentiert mögliche Lösungen.

SKIP: Die Kinder im Film scheinen euch wirklich zu vertrauen. Wie habt ihr es geschafft, ihnen so nahe zu kommen?

Arman T. Riahi: Wir haben sie ernst genommen. Wir haben ja insgesamt vier Jahre lang an diesem Film und mit den Kindern gearbeitet, irgendwann haben sie gesehen dass wir uns wirklich für sie interessieren. Wir haben sie zu Wort kommen lassen, und auch gemeinsam mit ihnen den Film gestaltet, es sind viele Ideen drin, die von den Kindern kamen.

SKIP: Wie waren die Reaktionen der Kinder auf den fertigen Film?

Arash T. Riahi: Sehr positiv. Eins der Mädchen hat ihn sich mit ihren Freundinnen angesehen und war voll aufgeregt, weil sie Angst hatte, dass es irgendwie peinlich würde – aber danach war sie ganz cool und hat gesagt: „Ich muss nur sagen, in vier Jahren verändert man sich sehr!“ Ein anderer unserer Protagonisten ist wie ein Filmkritiker aufgetreten, „Ich hätte nie gedacht, dass das so großartig wird! Ich werde das einmal meinen Kindern zeigen!“ Einer der Jungen, die mitgemacht haben, möchte jetzt sogar selbst Filmemacher werden, Regisseur und Produzent. Wir haben ausgemacht, dass er bei uns ein Praktikum machen wird.

SKIP: Regelmäßiger Musikunterricht ist nicht für alle selbstverständlich. Gibt es bei uns eine 2-Klassen-Schulbildung? Wer sich’s leisten kann, schickt seine Kinder in die Klavierstunde, die anderen halt nicht?

Arman: Es sieht ganz so aus. Turnen, Musik und Bildnerische Erziehung sind immer die ersten, die wegfallen, wenn das Geld fehlt. Dabei gibt es unzählige Studien, die beweisen, wie stark Musik die soziale Kompetenz von Kindern fördert. Was gerade in den sogenannten Problembezirken umso wichtiger wäre.

SKIP: Glaubt ihr, dass das irgendwie System hat?

Arash: Das System, wenn man es so nennen will, ist zumindest sicher nicht daran interessiert, dass Kinder mündige Personen sind, sondern eher daran, dass man sie kontrollieren kann. Und man kann am einfachsten Menschen kontrollieren, die mit strengen Normen aufwachsen, die effizient sein müssen, die Schulden machen müssen, um weiterzukommen – das sieht man zum Beispiel in den USA, wo Studenten riesige Summen für ihre Ausbildung zahlen. Oder über Abhängigkeiten: Der Iran z. B. ist eines der Länder mit der höchsten Rate an Drogenkonsumenten. Man könnte was dagegen machen, aber die Regierung setzt kaum Maßnahmen – ein drogensüchtiges Volk ist viel einfacher zu kontrollieren als ein nüchternes.

SKIP: Ihr führt Regie, produziert, schneidet, schreibt, sucht Stoff … einen Film nach dem anderen, wie schafft ihr das?

Arman: Wir lieben es einfach. Wir sind leidenschaftlich dabei, es ist urmühsam, und auch wenn jetzt viele Filme fertiggeworden sind – Kinders, Korida, Die Nacht der 1000 Stunden

Arash: … und für jeden Film, der fertiggeworden sind, gibt’s drei Absagen von den Förderstellen. Man muss immer kämpfen. Und das ist auch gut so, finde ich, weil man es sich nicht gemütlich machen kann. Aber es ist wirklich anstrengend. Es gibt so viele Kollegen, die so viel Talent haben und so viele gute Ideen, aber es ist einfach nicht genug Geld da.

Arman: Aber wir machen das mit Leidenschaft. Film ist das Medium, mit dem wir versuchen, ein wenig Veränderung zu bewirken. Das ist uns wichtig.

Interview: Gini Brenner, Foto: © Docs/Nela Maerkl / Dezember 2016

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