Zugzwang

Interview mit Ewan McGregor zu T2 Trainspotting

20 Years Later: Exil-Schotte Ewan McGregor kehrt als ewiger Loser ins Trainspotting-Edinburgh zurück. SKIP traf ihn in London.

SKIP: Den großen Red-Carpet-Event gibt’s für T2: Trainspotting bei der heurigen Berlinale, aber die Weltpremiere fand (einen Tag vor dem Interview, Anm.) in der schottischen Hauptstadt Edinburgh statt, dem Schauplatz von Trainspotting. Wie war die Stimmung?

Ewan McGregor: Unglaublich. Klar hatten wir Angst, diesen Film öffentlich herzuzeigen, es war ja doch schon von der Idee her ein gewagtes Unterfangen. Aber die Leute waren total begeistert. Es war wunderbar, den Support dieser Community zu spüren. Es gibt so viel Zynismus heutzutage, da ist es schön, wenn man sieht, dass Leute mal einfach nur auf etwas stolz sind.

SKIP: Wann haben Sie sich den ersten Teil zum letzten Mal angeschaut?

Ewan McGregor: Kurz vor dem Dreh – und ich hatte ihn davor jahrelang nicht gesehen. Er hat sich gut gehalten über die Zeit. Mich überrascht es jetzt nicht mehr so wie damals, dass der so eingeschlagen hat.

SKIP: Es gab ja immer wieder Gespräche über einen 2. Teil. Warum hat es dann doch so lange gedauert?

Ewan McGregor: Es gab, soviel ich weiß, durchaus ein paar Versuche, ein Skript zu entwerfen, aber es ist nie wirklich konkret geworden bis zu diesem hier. Es hat wirklich die vollen 20 Jahre gebraucht. Für mich ist das aber genau die richtige Zeitspanne, um wirklich aus der gegebenen Distanz zurückblicken zu können. Da beginnt man, über sich selber nachzudenken – wohin man eigentlich so geht im Leben, woher man kommt und wo man im Endeffekt hinwill. Ich glaube, das kann man mit 30 noch gar nicht wirklich, diese Gefühle kommen erst in den 40ern auf.

SKIP: Eine Ihrer Szenen, die mit dem „Choose Life/Sag ja zum Leben“-Monolog, den man auch im Trailer hört, hat schon vorab ziemlich Wind gemacht. Wie haben Sie sich denn darauf vorbereitet?

Ewan McGregor: In diesem Monolog steckt sehr viel von Drehbuchautor John Hodge drin. Es ist ein wirklich wunderschöner, aber auch sehr persönlicher Text, in dem er viele seine Erfahrungen verarbeitet hat. Also wollte ich es auch genauso rüberbringen, wie er sich das vorgestellt hat. Und es ist auch eine wirklich wichtige Szene geworden. Ich war übrigens die einzige Person am Set, die diesen Text überhaupt im Drehbuch hatte – alle anderen hatten an derselben Stelle irgendeinen Dummy-Text stehen. Weil sich Danny und John so angeschissen haben, dass der Monolog vorzeitig ins Internet leakt. Gelernt habe ich ihn auf dem Gipfel von Arthur’s Seat, das ist ein Hügel bei Edinburgh. Es war ein super Platz zum Lernen, aber extrem windig, ich hatte immer ein bisschen Angst, dass mir der Wind meine Drehbuchseite davontragen könnte.

SKIP: Was hat sich für Sie persönlich eigentlich am meisten verändert seit damals?

Ewan McGregor: Äh … mein Alter. (lacht) Ziemlich heftig sogar. Man ist ja in den 40ern ein ganz anderer Mensch als mit Anfang 20 – zumindest sollte man das sein. Man lebt und lernt und verändert sich.

Interview: Gini Brenner, Foto: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH / Februar 2017

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