Bauer in Wien

Interview mit Josef Hader zu Wilde Maus

Man glaubt's ihm einfach. Eins der ganz großen Erfolgsrezepte von Kabarettist, Schauspieler, Autor und Neo-Regisseur Josef Hader ist seine Unverbogenheit. Und so schaffte es sein Kinoregiedebüt Wilde Maus gleich in den Wettbewerb der Berlinale, eines der wichtigsten Filmfestivals der Welt.

SKIP: Wie schwer war es, diesen Film, an dem Sie viele Jahre lang gearbeitet haben, nun loszulassen?

Josef Hader: Wir haben uns sehr viel Zeit gelassen, viel herumgeschraubt und sehr genau gearbeitet, deshalb ist es für mich jetzt nicht so schlimm. Ich finde es eigentlich sehr in Ordnung, dass die Arbeit daran jetzt aus ist.

SKIP: Wie sind Sie eigentlich auf den Schauplatz Prater gekommen?

Josef Hader: Einerseits, weil er für mich der größte Gegensatz war zur bürgerlichen Welt, in der meine Filmfigur vorher gelebt hat. Dadurch hatte ich sehr unterschiedliche Atmosphären, zwischen denen ich hin- und herschneiden konnte, und dadurch konnte ich verdecken, dass ich ein totaler Regie-Anfänger bin (lacht). Und andererseits, weil ich immer eine sehr gute Beziehung zum Prater hatte, seit meiner Kindheit eigentlich. Es gab auch eine unglaubliche Offenheit und Kooperation aller Prater-Unternehmer gegenüber unserem Projekt. Wir wurden wirklich von allen sehr freundlich behandelt, nicht nur von denen, die auch im Bild sind.

SKIP: Womit sind Sie früher am liebsten gefahren?

Josef Hader: Das war so ein Radl, wo man sich am Rand hingestellt hat, das sich gedreht hat und schließlich aufgestellt … Das war mein Lieblingsgerät, auch wenn ich nicht mehr weiß, wie es heißt. Ich habe ja beim Dreh versucht, ein paar der Fahrgeschäfte wieder mal auszuprobieren, unter anderem auch die Wilde Maus. Und da habe ich schon bemerkt, dass man mit dem Magen etwas sensibler wird im Laufe des Älterwerdens.

SKIP: Momentan scheint alles zu funktionieren, was sie machen – Das ewige Leben lief großartig, obwohl er doch ein sehr düsterer Film war. Und Maria Schraders Vor der Morgenröte, in dem Sie Stefan Zweig spielen, wurde trotz des sperrigen Themas ein echter Kino-Hit (dass Wilde Maus im Wettbewerb der Berlinale läuft, erfuhr Hader erst nach unserem Interview, Anm.). Können Sie sich Ihren Erfolg erklären?

Josef Hader: Ich will jetzt nicht kokett sein, deshalb sage ich ganz ehrlich: Es ist glaube ich nicht nur Glück, aber auch nicht Talent. Der Erfolg ist wohl eigentlich nur der Tatsache geschuldet, dass man bei seiner Arbeit eine relativ klare Linie verfolgt. Und man muss etwas machen, von dem man wirklich überzeugt ist. Ich habe immer die Dinge gemacht, die mir als Zuschauer auch gefallen würden, in der Hoffnung, dass es mehrere gibt, denen’s dann so geht.

SKIP: Sie haben uns schon öfter erzählt, dass auch der jahrelange Erfolg nichts an der Tatsache ändert, dass Sie sich bei jedem neuen Stück wieder vor einem Misserfolg fürchten. Ist das hier auch so?

Josef Hader: Ja, natürlich! Aber in Wahrheit habe ich hier keine Erwartungen und keine Befürchtungen, weil ich hab das Regieführen ja zum ersten Mal gemacht. Bei jedem neuen Kabarettprogramm werde ich ja an den vorigen gemessen, aber bei dem Film hier gibt es diesen Druck nicht.

SKIP: Existenzangst haben Sie wohl schon länger nicht mehr?

Josef Hader: Brauche ich ja nicht haben. Wenn der Film nicht funktioniert, dann zuck ich halt mit den Schultern und schreib’ wieder was.

SKIP: Und wenn die Leute eines Tages genug haben sollten von Ihnen?

Josef Hader: Es gibt die Möglichkeit, dass viele Leute genug haben von mir, und nur ein paar übrig bleiben – dann spiel ich halt in kleinen Räumen, so wie am Anfang und habe so dann auch noch ein kleines Jugenderlebnis. Und Geld braucht man auch nicht mehr so viel, wenn man älter wird. Ich brauche ja sowieso nicht so viel, weil ich katholisch erzogen worden bin und vom Bauernhof komm. Und ich bin letztlich ein Bauer, der nach Wien gezogen ist und sich vor allem beim Geld ausgeben immer noch wie ein Bauer verhält.

SKIP: Was ist Ihre luxuriöseste Sünde?

Josef Hader: Ich leiste mir Zeit. Die Zeit, Dinge zu entwickeln etwa, wo ich ein paar Wochen wo hinfahre, nur um nachzudenken und zu schreiben, und mir wegen der Zeit keine Sorgen machen muss. Das ist mein Luxus.

SKIP: Sie legen keinen Wert auf materielle Luxusgüter?

Josef Hader: Ich mag keine teuren Weine, ich mag keine berühmten Winzer, ich mag keine Premium-Autos, ich mag keine total angesagten Lokale. Ich versuche auch, meine Eintrittspreise so niedrig wie möglich zu halten. Etwas was teuer, berühmt oder hip ist, macht mir keinen Spaß.

Interview: Gini Brenner, Kurt Zechner, Foto: © Petro Domenigg/filmstill.at / Februar 2017

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