Wie ein Autounfall

Interview mit Ben Wheatley zu Free Fire

Mit Free Fire ist Regisseur Ben Wheatley (High-Rise) ein im wahrsten Sinne umwerfender Action-Knaller gelungen. SKIP traf ihn in Macao.

SKIP: Free Fire ist ein richtiger Action-Ride, bei dem Dauerfeuer gibt es ja kaum einen Moment zum Durchatmen …

Ben Wheatley: Ich habe mich vom Stummfilm inspirieren lassen. Da gibt’s auch keine Durchhänger – weil man da nichts bequatschen oder erklären kann, sondern nur visuell erzählt. Das finde ich sehr befriedigend.

SKIP: Fast der ganze Film spielt in nur in einem Raum …

Ben Wheatley: Ja, diese Idee hatte ich schon lange mit mir rumgetragen: Ein Shootout, bei dem alle gleich am Anfang verletzt zu Boden gehen – was würden die dann machen? Da geht’s vor allem um Taktik. Spannung erzeugt man nicht mit Megastunts und Explosionen. Kürzlich habe ich mir einen Action-Blockbuster angesehen und mir dabei gedacht: Ich betrachte gerade die unglaublichsten Bilder in einem Film, die ich je gesehen habe, das ist die Spitze der Filmtechnologie – und trotzdem juckt es mich einfach Null.

SKIP: Was fehlt da, glauben Sie?

Ben Wheatley: Der menschliche Maßstab. Zumindest ich erziele immer den größten Effekt, wenn ich Sachen zeige, die den Leuten theoretisch selbst passieren könnten anstatt bei Dingen, die es eigentlich nur in Filmen gibt. Auf eine stumpfe Aufprallverletzung bei einem gut inszenierten Autounfall reagieren die Zuschauer wesentlich stärker als auf Riesenexplosionen.

Interview: Kurt Zechner, Foto: © Einhorn Filmverleih / April 2017

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