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Interview mit Arman T. Riahi zu Die Migrantigen

„Ein Migrationshintergrund steht in Österreich nie im Hintergrund, sondern immer im Vordergrund.“ Lachen darf man trotzdem darüber, findet Arman T. Riahi.

SKIP: Wie ist die Geschichte zu diesem Film entstanden?

Arman T. Riahi: Es war eine gemeinsame Idee der beiden Hauptdarsteller Faris Rahoma und Aleksandar Petrovic und mir. Weil wir fanden, dass wir meist extrem klischeebeladen dargestellt werden. Ein Ausländer ist immer ein Ausländer, und ein Migrationshintergrund steht in Österreich nie im Hintergrund, sondern immer im Vordergrund. 

SKIP: Wie geht es dir persönlich in Wien mit deinem Migrationshintergrund? Du bist ja als kleines Baby mit deinen Eltern und deinem Bruder aus dem Iran nach Österreich geflüchtet …

Arman T. Riahi: In der Welt, in der ich lebe, also im sogenannten Kreativbereich, da rückt die Herkunft sehr in den Hintergrund. Aber für mich ist dieser Film auch ein bisschen eine Aufarbeitung davon, dass man in Österreich immer damit konfrontiert wird, dass man nicht ganz dazugehört. Und dazu immer wieder als jemand, der perfekt Deutsch kann, zu hören bekommt: „Na du bist eh nicht einer von denen. Du bist ja kein Ausländer.“ Was ja auch stimmt. 

SKIP: In Deutschland sind Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien keine Ausnahme – ob als NachrichtensprecherIn oder HauptdarstellerIn. In Österreich ist das anders. Warum sind wir da so weit hinten?

Arman T. Riahi: Das frage ich mich auch oft. Wahrscheinlich hat das viel mit rein finanziellen Gründen zu tun: In Deutschland ist der Medienmarkt einfach größer, und man will einfach Zielgruppen erreichen. Aber es ist in jedem Fall so, dass in Deutschland schon seit sehr viel länger Menschen mit Migrationshintergrund Positionen besetzen, die wichtig sind – politische Funktionen, Firmenchefs, oder Schlüsselpositionen in den Medien. Im österreichischen Fernsehen wird ja immer noch kaum der demografischen Realität entsprochen. Dabei wäre das eine Vorbildfunktion, die extrem wichtig ist. Und daraus entstehen dann Parallelgesellschaften: Wenn ich Türke bin und nie einen Türken im Fernsehen sehe, dann schaffe ich mir irgendwann einen Satelliten an, um türkischesFernsehen sehen zu können.

SKIP: Dein Film lebt unter anderem von den wunderbaren Schauspielern – bis in die Nebenrollen, wie Josef Hader als grantiger Fernseh-Regisseur. Wie bist du zu ihm gekommen?

Arman T. Riahi: Ich bin mit ihm schon länger in Kontakt, und habe ihm das Drehbuch geschickt. Als er es gelesen hat, war er gleich total begeistert und hat gemeint: „Ich bin dabei!“ Und mit dieser Rolle konnte er mal gegen sein Image anspielen und ein richtiger Unsympathler sein.

Interview: Gini Brenner / Mai 2017

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