Kein Fleisch für Hannibal

Interview mit Anthony Hopkins zu Der menschliche Makel

Liebe versetzt Berge. Seine zweite Heirat hat aus Grantscherben Anthony Hopkins einen charmanten Plauderer gemacht, für Gini Brenner gab´s gar Einblicke in den ehelichen Gemüse-Kochtopf.

SKIP: Sie haben erst vor kurzem wieder geheiratet, und es scheint Ihnen recht gut zu bekommen, wie man sieht ...

Anthony Hopkins: Auf jeden Fall. Ich habe davor eine ziemlich heftige persönliche Krise durchgemacht und mich vor der Welt versteckt. Jetzt fühle ich mich wie neugeboren. Meine Frau ist 18 Jahre jünger als ich, und wir lachen viel miteinander. Ich habe einen bösen Humor, sehr dunkel. Aber meine Frau findet das witzig. Außerdem achtet sie sehr auf meine Fitness. Ich steh total auf Junk Food, aber sie hält mich davon fern. Ich bin schon zum veritablen Vegetarier mutiert, es gibt kein Fleisch mehr, nur Fisch und Gemüse. Und es muss immer alles bio sein. Ich mach schon Witze drüber. Jedes Mal, wenn sie mir was vorsetzt, frag ich "Ist das bio?" Und sie drauf: "Natürlich, Darling. Was denkst du denn." (lacht)

SKIP: In Der menschliche Makel haben Sie einige sehr heftige Liebesszenen mit Nicole Kidman. War es schwierig, die zu spielen?

Anthony Hopkins: Nein, gar nicht. Vor einigen Jahren wär mir eine Liebesszene mit einer so viel jüngeren Frau vielleicht noch unangenehm gewesen, jetzt nicht mehr. Ich bin 65 - was hab ich denn zu verlieren? Mir ist nichts mehr peinlich. Nicole war auch gar nicht befangen. Ich hab mich ja nicht ganz ausgezogen, nur den Oberkörper. Auch Nicole zieht ihr Shirt aus und man sieht ihre Brüste. Huch! Besonders die Amerikaner haben ja diese lächerliche Obsession mit Brüsten: Blanker Busen wird im Fernsehen prinzipiell unscharf gemacht. Was soll das? Wir leben im 21. Jahrhundert, und die Menschen dürfen nicht wissen, wie ein menschlicher Körper aussieht.

SKIP: Der menschliche Makel-Regisseur Robert Benton meint, dass Intelligenz eine der Eigenschaften ist, die auch der beste Schauspieler nicht darstellen kann, wenn er sie nicht hat - und dass Sie deshalb seine erste Wahl für die Rolle des Hochschulprofessors Coleman Silk gewesen seien ...

Anthony Hopkins: Das ist schmeichelhaft, aber unverständlich. Aus irgendeinem Grund krieg ich immer diese Intelligenzler-Parts - obwohl ich mich selbst nicht für besonders klug halte. In meinem nächsten Film spiele ich sogar ein Mathematik-Genie. Dabei kann ich nicht mal ordentlich addieren! In der Schule war ich eine Katastrophe.

SKIP: Mr. Hopkins, wenn das richtige Skript käme, würden Sie für ein viertes Mal als Hannibal Lecter zur Verfügung stehen?

Anthony Hopkins: Nein. Genug ist genug. Produzent Dino de Laurentiis will ja angeblich noch einen Hannibal-Film drehen, aber sicher ohne mich. Das Schweigen der Lämmer war wirklich gut, der zweite Teil war okay, den dritten Teil wollte ich eigentlich nicht mehr machen, aber dann kam meine Mutter ins Krankenhaus ... Ich komme aus armen Verhältnissen, und Hannibal hat es mir ermöglicht, meiner Mutter während ihrer letzten Jahre ein schönes Leben zu bieten. Ich hab sie auf Premieren mitgenommen und ihren Lieblingsstars vorgestellt, sie hat das so genossen. Als sie starb, war sie 98, und während ihrer letzten Monate hatte sie die beste Betreuung, die es gab - Hannibal Lector hat dafür bezahlt. Und dafür bin ich ihm ewig dankbar.

Interview: September 2003

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