Magic Christian

Interview mit Christian Bale zu Prestige - Die Meister der Magie

Ob als irrer Serienmörder in American Psycho, magersüchtiger Paranoider in The Machinist oder dunkler Held in ­Batman Begins – kaum jemand ­beherrscht alle Facetten seines Berufes so wie Christian Bale. Im neuen Film Christopher Nolan kann sich der scheue Star wieder von seiner düsteren Seite zeigen. Interview von Elisabeth Sereda.

SKIP: Was war an der Story von Prestige - Die Meister der Magie so faszinierend?

Christian Bale: Die Faszination kommt von der Rivalität dieser Männer, besonders weil der Film in einer Zeit spielt, in der Wissenschaft und Elektrizität für die meisten Leute reine Zauberei waren. Davon profitieren die beiden Magier, denn ihr Publikum konnte einfach nicht verstehen, was sie auf der Bühne machten. Die Zauberer haben das so richtig ausgenützt! Daher ist die Idee dieser Rivalität zwischen zwei Männern, die ihr ganzes Leben mit Illusion und Irreführung verbringen, wesentlich interessanter als Rivalität zwischen zwei Durchschnittsmenschen.

SKIP: Wie ist dein Verhältnis zu Christopher Nolan? War Batman Begins der Anfang einer großen beruflichen Freundschaft?

Christian Bale: Wir vertragen uns blendend, seit er sich so stark dafür eingesetzt hat, dass ich die Rolle des Batman bekomme. Er musste wirklich sehr hart für mich kämpfen, das Studio wollte mich nicht. Und als er mir den Part in Prestige - Die Meister der Magie angeboten hat, war ich sehr geschmeichelt, denn offenbar sah er in mir mehr als nur eine Comic-Figur. Er erkannte, dass hinter Bruce Wayne mehr steckt. Außerdem sagte er mir gleich zu Beginn, dass er eine neue Art des Filmemachens für Prestige - Die Meister der Magie anwenden wollte. Dass er wegwollte von den typischen Kostümschinken, wo man immer Schauspieler sieht, die sich in ihren Perücken verlieren, anstatt sich wie normale Menschen zu benehmen.

SKIP: Wieviel Zauberei hast du für den Film gelernt?

Christian Bale: Naja, in erster Linie hat man uns den Anfang und das Ende von Zaubertricks beigebracht, nicht das, was dazwischen passiert. Das große Geheimnis blieb uns verborgen! Schließlich ist das Mysterium der Lebensinhalt von Zauberern, daher zeigten sie uns nie den ganzen Trick. Und wir mussten das ja für den Film auch nicht wissen. Ich habe allerdings wie besessen Kartentricks geübt, ich wollte diese Kunst perfekt lernen, denn mehr ist es nicht: Kartentricks sind nichts anderes als Fingerfertigkeit. Mich hat man daher bei den Dreharbeiten nie ohne Karten, Ring, Dollar-Münzen oder Gummibälle gesehen. Meine Finger waren dauernd in Bewegung.

SKIP: Nachdem du Batman gespielt hast und Hugh Jackman Wolverine war – wer würde in einem Kampf gewinnen?

Christian Bale: Abwarten, Hugh und ich haben ein Abkommen: Wenn wir beide keine Jobs mehr bekommen und irgendwo Matineen auf Kleinbühnen veranstalten müssen, wird irgendein drittklassiger Produzent aus nostalgischen Gründen auf uns zukommen, und mit uns beiden – bierbäuchig, fett und alt – ein B-Movie drehen, das nie ins Kino kommt, sondern gleich auf Video zu haben sein wird. Und alle werden sich nur lustig machen über die lahme Action zwischen zwei peinlichen Ex-Stars!

SKIP: Hugh Jackman und du, ihr bekommt immer wieder dieselben Rollenangebote und seid damit Hollywood-Rivalen. Wie habt ihr euch verstanden?

Christian Bale: Ich gehöre nicht zu den Schauspielern, die ihre Zeit damit vergeuden, während Dreharbeiten 24 Stunden am Tag in ihrer Rolle zu sein. Wenn die Klappe fällt, bin ich wieder Christian, und Hugh ist genauso. Außerdem war das Drehbuch nicht so geschrieben, dass einer von uns der Gute und einer der Böse war. Es ist keine Schwarzweißmalerei. Es wäre also sinnlos gewesen, sich am Set wie Rivalen zu benehmen. Ich mag Hugh, und das Einzige, was mich an ihm stört, ist, dass er so viele verschiedene Dinge so gut kann. Er singt, er tanzt und ist in jeder Rolle perfekt. Aber zum Glück gibt es da draußen im großen Hollywood genug Rollen, sodass wir beide oft genug zum Zug kommen. Ich empfinde dieses Spiel um Filme und Rollen auch nicht als Wettbewerb zwischen Schauspielern. Außer wenn sie eine Rolle bekommen, die ich gerne gehabt hätte! (lacht) Interessant war, dass Hugh – als er das Drehbuch gelesen hatte – nur Robert Angier spielen wollte. Und ich nur Alfred Borden. Daher gab´s nie eine Diskussion darüber, wer welchen Part lieber gehabt hätte.

Interview: Oktober 2006

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