Walk away ... In Silence

Interview mit Bernard Sumner zu Control

Starfotograf Anton Corbijn widmete sein Feature-Debüt den legendären Joy Division um Frontman Ian Curtis. SKIP traf seinen ehemaligen Bandkollegen Bernard Sumner in Cannes.

SKIP: Was geht einem durch den Kopf, wenn man davon erfährt, dass die eigene Lebensgeschichte als Basis für einen Kinofilm dienen soll?

Bernard Sumner: Naja, ich war natürlich überrascht (lacht). Anton Corbijn brachte uns allen das Drehbuch vorbei, weil er wollte, dass wir was dazu sagen. Ich habe lange Zeit nicht mal reingesehen. Ich bin jetzt seit 28 Jahren Musiker – in dieser Zeit habe ich so viele Interviews gegeben, dass mittlerweile der Punkt erreicht ist, an dem ich es nicht mehr ertragen kann, irgendetwas über mich zu lesen (grinst). Schließlich habe ich mich doch dazu gezwungen, das Script aufzuschlagen. Und ich war wirklich beeindruckt und bewegt, wie genau er die Stimmung von damals getroffen hat. Ich hab nur ein paar Details korrigiert, das war’s.

SKIP: Ian Curtis’ Selbstmord war das Ende für Joy Division – und der Anfang eines regelrechten Kultes um seine Person. Wie stehen Sie dazu, dass gerade die tragisch jung verstorbenen Rockstars so oft regelrecht mythisch verklärt werden?

Bernard Sumner: Sich umzubringen ist ist nicht nur das Schlimmste, was man sich selbst antun kann – sondern natürlich auch den Menschen, die einen lieben. Ich war sehr wütend auf Ian damals. Der Film erklärt sehr gut, warum er es tat, und so seltsam es klingt, er hat mir geholfen, meinen Frieden mit Ian zu finden. Aber das mit dem Kult … naja, das finde ich insgesamt eher unappetitlich. Man sollte es nicht mystifizieren, wenn sich jemand umbringt, egal, wer das war. Das ist immer nur traurig.

SKIP: Wenn man Ihre gesamte Karriere betrachtet, war Ihre Joy-Division-Zeit vergleichsweise kurz. Wird diese Phase Ihrer Meinung nach über Gebühr abgefeiert?

Bernard Sumner: Nicht wirklich, die Band existierte ja bereits lange bevor man in der Öffentlichkeit von uns Notiz nahm. Wir waren anfangs nur erschreckend erfolglos. So sehr, dass wir sogar dafür bezahlten, auftreten zu dürfen.

SKIP: Im Ernst?

Bernard Sumner: Ja, wir zahlten einmal 10 Pfund dafür, dass man uns überhaupt auf die Bühne ließ (lacht). Oder ein anderes Mal, da kaperten wir einen Punk-Club. Wir steckten einfach unser Equipment in der einzig vorhandenen offenen Steckdose an und spielten los (lacht). Wir traten überall auf, ständig, hatten nie Geld und lebten wie die Hunde. Vier oder fünf Jahre lang ging das so. Und dann plötzlich wurden wir berühmt. Wir begannen Platten zu verkaufen, dann unterschrieben wir gar den Vertrag für eine richtig große USA-Tour. Und wortwörtlich am Vorabend, bevor die losging, bringt sich Ian um … well. That was then, and this is now (grinst).

Interview: Kurt Zechner / Mai 2007

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