Applaus, Frau Strauss

Interview mit Ursula Strauss zu Revanche

„In Österreich fehlen die Leute mit Star-Qualität“, hört man oft. Gar nicht wahr. Ursula Strauss glänzt in österreichischen Arthouse-Filmen wie dem preisgekrönten Revanche  – und bald auch ganz groß im Primetime-TV. Warum sie trotzdem nie bei Dancing Stars mitmachen wird, erzählte sie Kurt Zechner im Kaffeehaus.

SKIP: Uschi, du spielst in Revanche eine junge Hausfrau, die am Land in einem halbfertigen Einfamilienhaus eine recht unausgefüllte Existenz lebt. Du selbst stammst ja aus der Umgebung, wo Revanche zum Teil spielt ...

Ursula Strauss: Ja, ich bin am Land aufgewachsen, in Pöchlarn, und kenne diese Szenerie sehr gut. Meine Mutter war Hausfrau und hat vier Kinder großgezogen, ich bin in Amstetten in die Kindergartenschule, und mein weiterer Lebensweg war klar vorgezeichnet. Ich dachte, ich würde meinen ersten Freund heiraten, ein Haus bauen, Kinder kriegen und als Kindergärtnerin arbeiten … bis ich mit der Schauspielerei anfing. Danach hat sich mein Weltbild ziemlich rasant verändert (lacht).

SKIP: Wie kam’s dazu?

Ursula Strauss: Irgendwie hat mich das alles nicht ausgefüllt, und ich hatte diesen alten Traum aus meiner Kindheit, Theater zu spielen, und das habe ich dann auch probiert. In Melk gab ich schließlich die Lady Macbeth. Und bei der Premiere erlebte ich diesen Moment, den ich nie vergessen werde: Als ich da stand und die Leute applaudierten, wusste ich plötzlich, dass ich nie wieder etwas anderes machen möchte. Das war ein solches Glücksgefühl, alles andere war mir plötzlich völlig egal.

SKIP: Und nach vielen Theaterengagements kam der erste Film …

Ursula Strauss: Ja, irgendwann wurde ich zum Casting für Gelbe Kirschen eingeladen, das wurden meine ersten vier Drehtage bei einem Kinofilm, das fand ich irre spannend. Und dann wurde ich Barbara Albert vorgestellt und landete in Böse Zellen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann eigentlich regelmäßig gedreht.

SKIP: TV-Erfahrungen hast du ja auch schon einige gesammelt ...

Ursula Strauss: Ja, ich hatte kleine Parts in SOKO Kitzbühel und Kommissar Rex. Das macht Spaß – und gute Kohle bringt es auch (lacht).

SKIP: Du hast also keine Angst, mit Mainstream-TV-Produk­tionen deine ausgezeichnete Reputation als Schauspie­lerin zu gefährden?

Ursula Strauss: Nein. Denn egal, was man macht, man kann jede Erfahrung irgendwie für sich nützen. Meine Scheu vor der Kamera habe ich zum Beispiel bei Werbecastings verloren. Da hat mal eine Casterin zu mir gesagt: „Endlich einmal eine, die normal redet.“ Und da hab ich den Wahn abgelegt, dass man immer nur perfekt schön ausschauen muss vor der Kamera. Diese fixe Idee hat man ja, wenn man noch unerfahren und unsicher ist.

SKIP: Wie man hört, kommt ja demnächst eine ganz große ­TV-Rolle auf dich zu ...

Ursula Strauss: Ja, die Hauptrolle in einer neuen Serie namens Schnell ermittelt, die ab November im TV laufen wird. Ich spiele Angelika Schnell, Chefinspektorin der Mordkommission. Die hat einen Ex-Mann in der Pathologie, mit dem sie eng zusammenarbeitet und Zwillinge hat. Das ist eine Frau, die versucht, ihren Beruf, das Interesse an Menschen, ihr Privatleben und den Alltag unter einen Hut zu bringen. Eine Frau, die viele Gesichter haben darf, das gefällt mir besonders. Die hat auch Probleme, ist chaotisch, nimmt mal ein paar Kilo zu, lacht und weint und all das. Eine relativ neue Form von TV-Krimi-Persönlichkeit also.

SKIP: Damit wirst du zwangsläufig zum Austro-Promi werden – wie gut bist du auf so einen Popularitätsschub vorbereitet?

Ursula Strauss: (lacht) Keine Ahnung, hoffentlich gut. Aber es wäre sinnlos, mir deshalb jetzt schon Stress zu machen, wo ich ja noch nicht weiß, was dann auf mich zukommen wird.

SKIP: Und wenn sie dich dann für Dancing Stars engagieren wollen?

Ursula Strauss: Ok, ich gestehe: Das ist eine Erfahrung, die ich definitiv nicht brauche (lacht). Dort wirst du mich sicher nie sehen.

SKIP: Fast diametral entgegengesetzt zu dem, wie in Österreich TV-Darsteller populär werden, ist ja leider die Rezeption der meisten österreichischen Kinofilme. Du warst als Filmschauspielerin schon auf vielen internationalen Festivals geladen, hast durchwegs beste Kritiken und auch Preise bekommen, in Österreich gab’s dafür aber recht wenig Aufmerksamkeit. Woran, glaubst du, liegt das?

Ursula Strauss: Wenn man mal auf einem internationalen Festival gesehen hat, mit welcher Aufmerksamkeit der österreichische Film beobachtet wird, dann wundert man sich schon, warum dafür im eigenen Land nicht mehr Werbung passiert. Das ist wohl die alte, österreichische Krankheit, dass nichts was wert sein kann, was aus dem eigenen Land kommt. Aufmerksamkeit gibt’s hier erst, wenn etwas international so erfolgreich ist, dass man auch in Österreich nicht mehr dran vorbeikommt, wie zuletzt beim Auslands-Oscar gut sichtbar.

SKIP: Liegt es nicht auch ein bisschen am klassischen Vorwurf, dass das österreichische Kino immer so trist und depro ist?

Ursula Strauss: Zugegeben, die österreichischen Filme sind nicht immer leichte Kost, aber oft sehr schlau, und das Publikum hätte was davon. Es wäre wichtig, mehr Leute dafür ins Kino zu bekommen. Wenn sich das mehr Leute ansehen würden, wäre auch mehr Geld und Aufmerksamkeit da, dann könnte man wiederum mehr Filme machen und auch seine Bandbreite erweitern. Dann würde es vielleicht auch irgendwann mehr Komödien aus Österreich geben – auch ein wichtiges, fast brach liegendes Riesenpotential in unserem Land. Aber wenn man um jeden Film kämpfen muss wie ein Irrer, dann wird man halt auch eher nur die Themen berühren, die einem ganz, ganz schwer am Herzen liegen. 

Interview: Kurt Zechner / April 2008

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