Rebel With A Cause

Noomi Rapace zu Verdammnis

Miss Millennium. Als böses Mädchen schaffte es Noomi Rapace direkt in den siebten Filmhimmel. Eine schwer verdiente Ehre, denn auch in Teil zwei von Stieg Larssons Millennium-Trilogie wird dem Mädchen, das mit dem Feuer spielt, kräftig eingeschenkt – eine Herausforderung ganz nach dem Geschmack der schwedischen Aktrice.

SKIP: Wir sind beim zweiten Kapitel der Millennium-Trilogie angekommen. Magst du alle drei Bücher gleich gern oder gibts einen Lieblingsroman?

Noomi Rapace: Ich hab schon vor einigen Jahren die drei Bücher richtig verschlungen und bin ein großer Fan von Stieg Larssons Welt. Aber Teil zwei ist eindeutig mein Favorit, weil Lisbeth hier absolut im Mittelpunkt steht. Für mich war die Arbeit an Verdammnis auch der spannendste Teil der Dreharbeiten.

SKIP: Wir erfahren diesmal einiges aus Lisbeths Vergangenheit, es wird immer deutlicher, warum sie so ist, wie sie ist.

Noomi Rapace: Genau das hat es für mich so interessant gemacht. Lisbeth ist eine Kämpferin, die ihr ganzes Leben lang von allen im Stich gelassen wurde. Das hat sie zu dieser harten, aggressiven Person werden lassen, die sich ein fast undurchdringliches Schild aufgebaut hat, um ihr zerbrechliches Inneres zu beschützen. Lisbeth ist aber auch ein Chamäleon. Sie spielt verschiedene Rollen, um ihr Ziel zu erreichen. Sie hat gelernt, stets die Kontrolle zu behalten – über sich, ihre Gefühle und über die Situationen, in die sie kommt. Nur ganz selten passiert es, dass sie die Oberhand verliert.

SKIP: Viele Schauspieler würden zögern, eine Rolle für gleich drei Filme anzunehmen. Hattest du keine Bedenken, dann ewig als Lisbeth Salander angesehen zu werden?

Noomi Rapace: Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht, ehrlich gesagt. Sobald ich einen anderen Film drehe, sehe ich darin ja wieder komplett verändert aus, und da werden die Leute sehen, dass ich auch anders sein kann. Aber vielleicht denke ich in einem Jahr anders (lacht).

SKIP: Wie schwer war es denn, Lisbeth Salander abzustreifen, nach den vielen Monaten mit dieser Figur und den vielen Opfern, die du für die Rolle gebracht hast?

Noomi Rapace: Es ist immer ein bisschen ein komisches Gefühl, wenn man mit einer Rolle fertig ist. Am Ende des dritten Teils habe ich eine Irokesen-Frisur, furchtbar, rechts und links rasiert und der Mitte diesen riesigen Haarschopf. So bin ich damals dagesessen und habe mich gefragt: Wer bin ich eigentlich? Aber zum Glück hat gleich eine Woche später ein neuer Job begonnen. Überhaupt bin ich nicht sentimental, es fällt mir nicht schwer, Dinge zurückzulassen.

SKIP: Die Millennium-Trilogie ist ein ziemlicher Blockbuster. Profitierst du schon von diesem internationalen Erfolg? Bekommst du interessante Angebote aus dem Ausland?

Noomi Rapace: Ja, man könnte schon Millennium-Grippe dazu sagen – das Virus verbereitet sich am ganzen Kontinent (lacht). Ich würde jedenfalls sehr gerne außerhalb von Schweden arbeiten. Es sind auch schon sehr interessante Angebote bei mir gelandet, ich darf nur leider noch nichts Konkretes verraten.

SKIP: Welche Filme interessieren dich privat?

Noomi Rapace: Ich bin da sehr wählerisch. Ich sehe sehr viele Filme und die wenigsten gefallen mir. Die typische Hollywood-Ware ist jedenfalls nichts für mich. Ich habe auch absolut nicht den Traum, nach Hollywood zu gehen, wie man so schön sagt ...

SKIP: Es droht ja mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein US-Remake der Millennium-Trilogie.

Noomi Rapace: Ja, das hab ich schon gehört. Das wird sicher interessant (lacht)!

SKIP: In Verdammnis wird Lisbeths lesbische Beziehung zu Mimi thematisiert, Sexszene inklusive. In Schweden bist du schon eine richtige Lesben-Ikone ...

Noomi Rapace: Das ist schon in Ordnung (lacht). Lisbeth würde sich selbst jedenfalls nie als Lesbe bezeichnen, solche Kategorisierungen spielen für sie keine Rolle. Sie nimmt sich einfach, was sie gerade will. Mal ist es Sex mit Mikael, dann eben mit Mimi.

Interview: Dina Maestrelli / August 2009