Retrospektive Werner Herzog

Filmarchiv Austria, Wien, 12. Jänner bis 28. Februar 2017

One of a kind. Werner Herzog ist eine lebende Legende: Der einst liebste Feind von Klaus Kinski fertigt Spielfilme, Dokumentationen und Experimentalstücke unverwechselbar und in umwerfender Qualität. Das Filmarchiv widmet ihm eine Werkschau.

Weltruhm. Als Werner Herzog in den 70er Jahren mit Klaus Kinski Filme wie Aguirre – Der Zorn Gottes, Nosferatu oder Fitzcarraldo drehte, war das für deutsche Filmemacher eine seltene Ausnahme. Aber Herzog mit seinen verrückt ausufernden Riesenambitionen und Kinski mit seinem riesig ausuferndem Irrsinn waren einfach zu gewaltig, um vom Weltpublikum ignoriert werden zu können. Ihre Amour fou bescherte der Kinogeschichte einige ihrer glitzerndsten Juwelen.

Kino-Maniac. Herzog hat Kinski überlebt und nie aufgehört, wie ein Besessener zu drehen. Mindestens einen, bisweilen gar drei Filme produziert er pro Jahr, seit den späten 1960er Jahren ohne erwähnenswerte Pause und scheinbar am liebsten als Drehbuchautor, Kameramann, Regisseur, Sprecher und Cutter in Personalunion. Kaum einer seiner Filme ist jemals misslungen. Im Gegenteil. Wenn er in seinen zahllosen Dokumentationen mit der eindringlich agitierten Erzählstimme in charismatischem Denglisch seine faszinie-renden Bilder kommentiert, ist Widerstand gewöhnlich zwecklos.

Herzog komplett. Dass die nunmehrige Retrospektive im Filmarchiv Austria ganze 45 abendfüllende Programme umfasst, sollte also das Herz aller Kinofreunde vor Freude platzen lassen: Hier dürfte so gut wie nichts fehlen, was sie schon immer von Herzog sehen wollten, aber bisher nie zu Gesicht bekamen. Alle Spielfilme bis zu den neuesten Arbeiten wie Bad Lieutenant mit Nicolas Cage oder Queen of the Desert mit Nicole Kidman sind dabei, seine gesamte TV-Serie On Death Row wird gezeigt, seine Dokus wie Grizzly Man oder Höhle der vergessenen Träume natürlich auch. Darüber hinaus sind nahezu sämtliche Kurz- und Experimentalfilme zu sehen, die Herzog besonders zu Anfang seiner Karriere hergestellt hat.

Langzeit-Retro. Die beispiellose Produktivität Herzogs bedingt eine recht lange Laufzeit dieser Retrospektive des Filmarchivs: Sie beginnt am 12. Januar und läuft bis Ende Februar. Zum Gück ist das die dank ihrer Düsterkeit und Kälte beste Zeit für ein tägliches Pilgern ins Lichtspieltheater.

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