Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

DE, CH, 2019

FamilienfilmLiteraturverfilmung

Flüchtlingskind Anna musste alles in ihrer Heimat zurücklassen, um mit ihrer Familie einer tödlichen Bedrohung zu entkommen. Weil ihr Vater, ein jüdischer Journalist, sich kein Blatt vor den Mund nehmen wollte – im Berlin des Jahres 1933.

Min.118

Start12/25/2019

ab6+

Offen aussprechen, was tatsächlich Sache ist – damit kann man sich als Journalist auch heute eigentlich nur selbst schaden. 1933 in Berlin war das mitunter ein Todesurteil, vor allem, wenn der Schreiberling auch noch Jude und überdies berühmt war. Und so geht es eines Tages für die Familie der kleinen Anna (Riva Krymalowski) Hals über Kopf von Deutschland in die Schweiz ins Exil und von dort weiter in eine ungewisse Zukunft. Zurückbleiben muss neben allen anderen geliebten Spielsachen auch Rosa Kaninchen, Annas liebstes Plüschtier. Aber sie nimmt es mit Bravour, so wie alle Härten des Flüchtlingslebens. Zum Glück hat sie gute Vorbilder: Auch ihre Eltern, die ihr komfortables Leben in Berlin gegen ein karges, nur noch von kleinen Freuden durchbrochenes Leben in Angst unter ständiger Bedrohung durch die Nazischweine führen müssen, verlieren nicht ihren Humor und ihre Lebensbejahung.

Der gleichnamige Roman, der diesem Film zugrunde liegt – erster einer Trilogie, die die Familie über Frankreich schließlich nach London bringt –, stammt auf dem Jahr 1971 und war in deutschen Schulen lange Basisstoff, um den Azubis einerseits die Flüchtlingsproblematik näherzubringen und ihnen andererseits die Verkehrtheit der Nazis klarzumachen. Caroline Link ("Der Junge muss an die frische Luft") hat es mit viel Gefühl, sehr viel Frohsinn und wahrhaftiger, mitreißender Emotionalität verfilmt. Das Werk gibt einem fast das Gefühl, es könnte Empathie erzeugen in den Leuten, die der Frontex das Geld geben, damit sie Flüchtlinge am Nicht-Ertrinken hindert. Annas berühmten Vater spielt übrigens Oliver Masucci – was witzig ist, weil der hatte zuvor Hitler verkörpert: in der Groteske "Er ist wieder da".

(Text: Klaus Hübner)

Filmprädikat: besonders wertvoll

  • Schauspieler:Riva Krymalowski, Marinus Hohmann, Carla Juri, Oliver Masucci, Justus von Dohnányi

  • Regie:Caroline Link

  • Kamera:Bella Halben

  • Autor:Anna Brüggemann, Caroline Link, nach Judith Kerr

  • Musik:Volker Bertelmann

  • Verleih:Warner Bros.