Frauenpower auf der Diagonale 2019

Die syrische Filmemacherin Sara Fattahi gewinnt mit Chaos, ihrem Film über drei Frauen aus Damaskus und ihre Kriegserfahrungen, den großen Spielfilmpreis der Diagonale 2019.

- Spielfilmpreis für Chaos an Sarah Fattahi, Doku-Award an Nathalie Borgers für The Remains, eine Odyssee, Schauspielauszeichnung für Joy und Joy Alphonsus, bester Nachwuchsfilm: Nevrland von Simon Frühwirt. 

- Deutliche politische Töne bei der Diagonale. "Kultur kostet, aber Unkultur noch mehr", so die Diagonale Leiter Peter Schernbuber und Sebastian Höglinger. Und Minister Gernot Blümel versprach mehr Geld und eine „ausreichende Finanzierung“.


Als Höhepunkt des Festivals wurde im Grazer Orpheum Fattahi der mit 21.000 Euro dotierte Preis verliehen. Die Jury hob vor der Verleihung die Vielfalt des österreichischen Films hervor: Es sei "schön, wie ein kleines Land so unterschiedliche Filme" mache. Fattahi, die seit drei Jahren in Österreich lebt, bedankte sich für die Auszeichnung und die "Anerkennung in meiner zweiten Heimat".

Chaos ist die Geschichte von drei Frauen aus Damaskus – eine davon die Regisseurin selbst. Sie leben in ganz verschiedenen Situationen und müssen mit ihren traumatischen Kriegserfahrungen zurechtkommen. Während sich eine in ihrer Trauer von der Umwelt abschottet, versucht eine andere, sich über ihre Kunst mitzuteilen. Der Krieg selbst ist in Chaos nie sichtbar, aber stets Begleiter.

Dokumentarfilm über Flüchtlingshelfer an Nathalie Borgers

Der Dokumentarfilm The Remains von Nathalie Borgers zeigt unterdessen Helfer und Helferinnen auf der Insel Lesbos, die sich um ertrunkene Flüchtlinge kümmern und sich um eine würdevolle Beisetzung bemühen. Gezeigt wird auch ein Helfer, der sich in Wien um Hinterbliebene einer syrischen Familie kümmert, die 13 Angehörige im Meer verloren hat.

Preisverleihung startete politisch

Dass die zwei Hauptpreise der diesjährigen Diagonale von Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) verliehen wurden, sorgte für zahlreiche politische Wortmeldungen – gleich zu Beginn machten sich etwa die Diagonale-Leiter Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger für die österreichische Kulturlandschaft stark. Sie zitierten den ehemaligen oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), und gaben dessen Sager "Fürs Stammbuch" mit: "Kultur kostet, aber Unkultur kostet viel mehr".

Preise auch für Joy und Nevrland

Die Diagonale-Schauspielpreise, die mit jeweils 3.000 Euro dotiert sind, gingen an Joy Alphonsus für Joy, ein Film über nigerianische Sexarbeiterinnen sowie Simon Frühwirth für das bildgewaltige Coming-of-Age-Drama Nevrland.

Als bester Nachwuchsfilm wurde "Zufall & Notwendigkeit" von der Jugendjury des Landes Steiermark ausgesucht. Nicolas Pindeus erhält für sein Werk über das Erwachsenwerden des 18-jährigen Protagonisten in Wien den mit 4.000 Euro dotierten Preis.

In der Kategorie „Innovativer Film“ gewann die in Wien lebende Deutsche Jennifer Mattes mit ihrem Film Wreckage takes a holiday den Preis im Wert von 9.000 Euro. Die 30-minütige Montage popkultureller Versatzstücke stellt Urlaubsstimmung und Gefahr, ausgehend vom Meer, gegenüber. 

Fotocredit: Miriam Raneburger / Diagonale 

Mehr Fotos unter: http://www.diagonale.at/2019/preisverleihung-19/