Kolumne

Lange Nacht des Wahnsinns

Eintrag vom

SKIP lässt seinen Kolumnisten Dinge schauen, auf die er von selbst nie kommen würde. Diesmal: das aktuelle Filmschaffen von „Lord Gaga“ Nicolas Cage – über dessen Rollenauswahl man sich ja spätestens seit dem Wicker Man-Remake ziemlich wundern muss.

Schuld ist das Finanzamt, das wieder einmal viel Geld von ihm will. Vor einem Jahr vermeldeten Fachblätter voller Staunen, das Nicolas Cage – passionierter Elvis-Imitator, Method-Actor und „moderner Schamane“ – demnächst gleich in zehn (!) neuen Filmprojekten zu sehen sein wird. Der Schauspieler selbst würde wohl eher sein hochentwickeltes Arbeitsethos als Grund dafür anführen. Wer den Mann aber in den vielen Billigproduktionen der letzten Zeit outrieren gesehen hat, der ahnt, dass es ihm eher bloß um die Gage geht. Und dass er manchmal gar nicht genau weiß, in welchem Streifen er gerade mitspielt.

 

Inconceivable

 

Aber egal, Mission ist Mission. Man erwirbt also eine Kiste Bier, beschafft sich drei Cage-Filme aus dem Jahr 2017, verdunkelt das Fernsehzimmer und macht sich ans Werk. Und das beginnt mit Inconceivable (USA 2017; Regie: Jonathan Baker), einem stockkonservativen Familiendrama über Seniorenschwangerschaften. Gina Gershon konkurriert mit Film-Schwiegermama Faye Dunaway darum, wer die Mundwinkel weiter herunterhängen lassen kann. Die kinderraubende Psychopathin (Nicky Whelan) hat ungefähr soviel Ausstrahlung wie ein Gartensessel. Und der deutlich von Die Hand an der Wiege inspirierte Homewrecker-Plot zieht sich wie ein Strudelteig. Es ist ein Jammer – und Nic Cage selbst nur ein paar Minuten lang zu sehen. Er muss offenbar auch im Film viel arbeiten, um sich sein liechtensteingroßes Luxusanwesen zu finanzieren. Aber er verpasst sowieso nicht viel …

 

Arsenal

 

Also weiter im Text – nach dem dritten Bier geht ja bekanntlich alles leichter. In Arsenal (USA 2017; Steven C. Miller) gibt Cage nicht etwa den Trainer einer Fußballmannschaft, sondern einen Gangsterboss. Es geht um zwei Brüder, deren einer anständig ist, während der andere in die Fänge des üblen Eddie King (Cage, who else?) gerät. John Cusack kommt ebenfalls vor, als seltsamer Polizeidetektiv, weil ihm wahrscheinlich auch die Steuer auf den Fersen ist. Nic jedenfalls brilliert als Gangster mit hängendem Schnauzbart und ebensolchen Anzügen. Er konsumiert Drogen, begeht allerlei Scheußlichkeiten und scheint sich so zu fühlen wie der Autor dieser Zeilen nach sieben Bieren und einem großen Schluck Inländer-Rum. Wie es ausgeht, müssen Sie selber herausfinden. Man kann sich nicht alles merken.

 

Vengeance

 

Immerhin gilt es noch einen aktuellen Cage-Fight zu betrachten: Vengeance: A Love Story (USA 2017; Johnny Martin). Hier spielt unser Nic einen müden und schwer traumatisierten Polizisten, der in der Wasserfallstadt Niagara Falls arbeitet. Er erlebt mit, wie unsympathische Lumpen eine White-Trash-Jungmutter vergewaltigen und dank eines schmierigen Rechtsverdrehers (Don Johnson! Gut!) freikommen. Da bleibt nur eines: Rache. Dass der Plot nicht Charles-Bronson-mäßig trashig, sondern wie ein besonders zäher Sundance-Streifen inszeniert ist, ist allerdings das wahre Drama.

Aber da kann Nicolas Cage sicher nichts dafür. Man weiß ja, wie das ist mit der Steuer … und mit dem Schnaps.

Text: Peter Hiess, Illustration: Verena Müllner

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