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„Er ist eine arme Sau“

Eintrag vom von Gini Brenner

In Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gibt sich Sam Rockwell, einer der großartigsten Kino-Ungustln aller Zeiten, wieder einmal die Ehre. Im Interview erzählt er von netten Cops und seiner Liebe zu Comicverfilmungen.

SKIP: Die meisten Ihrer Kollegen versuchen ja sogar den schlimmsten Bösewichten noch liebenswerte Seiten abzugewinnen – Sie dagegen sind einer der wenigen Schauspieler, die sich trauen, richtige Arschlöcher zu spielen.

Sam Rockwell: Und es macht echt Spaß! Ich liebe es, der Böse zu sein. Aber der Typ, den ich hier spiele, ist für mich eher Antiheld als Bösewicht. Er ist im Grunde eine arme Sau.

SKIP: Sie haben als Vorbereitung echte Cops getroffen. Hatten die gar kein Problem damit, wie die Polizei im Film wegkommt?

Sam Rockwell: Sie sind total cool damit umgegangen. Aber ich hatte auch mit wirklich guten Cops zu tun, nicht mit Rassisten, die es darunter ja auch zur Genüge gibt. Ich durfte mit auf Streife fahren, und sie haben mir gezeigt, wie man jemandem festnimmt, der sich wehrt. Mit mir als Beispiel. Und Mann, die machen keine Scherze, das war ganz schön heftig!

SKIP: Wie war die Arbeit mit Frances McDormand?

Sam Rockwell: Großartig! Sie ist eine tolle Schauspielerin, die ganz genau weiß, was sie macht, und dabei immer großzügig bleibt. Und ich liebe es, wie sie John Wayne nachmacht.

SKIP: Was machen Sie, wenn Sie nicht drehen?

Sam Rockwell: Nun, ehrlich gesagt hab ich abseits der Arbeit kein besonders spannendes Leben (lacht). Ich gehe gern ins Kino. Und ich mache Sport, das macht mir den Kopf frei.

SKIP: Welche Filme schauen Sie sich denn gerne an?

Sam Rockwell: Alle möglichen. Und ich liebe Comicverfilmungen. Den neuen Spider-Man fand ich großartig, der ist wie ein John-Hughes-Film. Und Wonder Woman, der ist überhaupt super. Übrigens, wissen Sie, an welchen berühmten Film aus den 80ern mich Wonder Woman total erinnert hat?

SKIP: An welchen denn?

Sam Rockwell: Splash! Den, wo Daryl Hannah die Meerjungfrau spielt, und Tom Hanks den Kerl, der sie findet. Und Wonder Woman ist mehr oder weniger eine neue Version davon, nur mit mehr Gewalt und mehr Action. Die Parallelen sind doch unverkennbar, finden Sie nicht?

SKIP: Gute Frage … Jedenfalls stehen Sie offenbar auf Comicverfilmungen.

Sam Rockwell: Ja! Aber weniger wegen der Comic-Helden, ich finde das Fantasy-Element faszinierend. Bei Iron Man 2 war ich ja sogar selber dabei. Und die Iron-Man-Filme finde ich nach wie vor brillant, besonders Teil eins. Bei solchen Filmen ist es ja so: Wenn sie schlecht sind, sind sie wirklich übel. Aber wenn sie gut sind, dann sind sie richtig, richtig gut. Das liegt auch daran, dass mittlerweile viele der besten Kräfte der Filmindustrie für Blockbuster engagiert werden. Und so gibt’s Superheldenfilme, die eigentlich heimliche Kunstfilme sind.

SKIP: Sie stehen gerade für Adam McKays Drama Backseat als George W. Bush vor der Kamera. Können Sie da wieder den Arsch rauslassen?

Sam Rockwell: Ich glaube nicht, dass George W. Bush ein Arschloch ist, ehrlich gesagt. Er hat definitiv einige Fehler gemacht. Sehr, sehr große Fehler. Aber ich halte George nicht für einen Soziopathen oder Narzissten – im Gegensatz zu einem seiner Nachfolger. Im Prinzip vermissen wir ihn alle wirklich. Das hätte ich vor 10 Jahren nicht für möglich gehalten.

 

 

Three Billboards Outside Ebbing

Fotos: pps.at, VIENNALE

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Komödie. Großbritannien/USA 2017. Länge 116 Min. Regie Martin McDonagh. Besetzung Frances McDormand, Sam Rockwell, Woody Harrelson, Peter Dinklage, Abbie Cornish, Caleb Landry Jones. Kinostart 26. Jänner 2018.

Regisseur Martin McDonagh (In Bruges) erzählt mit unnachahmlichem Biss die Geschichte von Mildred Hayes (Frances McDormand), deren Tochter brutal ermordet wurde. Der Mörder wurde nie gefunden, und Mildred findet, dass die örtliche Polizei (Woody Harrelson, Sam Rockwell etc.) ihren Job nicht richtig macht. Diesen Vorwurf lässt sie auf drei riesige Plakatwände drucken – und dadurch brechen in Ebbing Konflikte auf, die unerwartete Konsequenzen mit sich bringen.

25.10., Gartenbaukino, 18:00 Uhr
27.10., Gartenbaukino, 13:00 Uhr

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