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„Ich mag Womansplaining“

Eintrag vom von Gini Brenner

Die TV-Version seines Bestsellers American Gods ist ein Hit, nun läuft bei der VIENNALE die Verfilmung von Neil Gaimans  Roman How to Talk to Girls at Parties. Wir sprachen mit dem Starautor über Womansplaining, Punk und die genau richtigen Notizbücher.

SKIP: Genau wie Ihr Protagonist in How to Talk to Girls at Parties waren früher auch Sie selbst in der Punkszene unterwegs. Wie war das damals?

Neil Gaiman: Ich war eher ein Möchtegern-Punk. (lacht) Jedenfalls höchstens so punk wie jeder 16-Jährige, der in die Schule ging und bei seinen Eltern wohnte.

SKIP: Die heißen Mädels im Film entpuppen sich als echte Aliens. Ein schönes Gleichnis – gibt es eigentlich einen Moment im Leben, in dem einem Vertreter des anderen Geschlechts nicht mehr wie Außerirdische vorkommen?

Neil Gaiman: Ich wünschte, es gäbe ihn! Ich sehne mich wirklich nach dem Tag, an dem meine Frau mich nicht während eines Gesprächs zur Seite nehmen muss, um mir zu sagen: „Liebling, du kapierst schon wieder mal gar nichts. Darf ich dir bitte übersetzen, was sie wirklich gesagt hat?“ Aber ich bin sehr dankbar für dieses „Womansplaining“. Ich bin nämlich wirklich supergut darin, nicht zu verstehen, was Frauen meinen. Wäre das eine olympische Disziplin, könnte ich damit für England antreten.

SKIP: Immer mehr Ihrer Figuren landen mit großem Erfolg im Kino oder im TV – wie stolz macht Sie das?

Neil Gaiman: Ein bisschen schon. Vor allem aber macht es mich glücklich. Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde mich das alles wahrscheinlich extrem eitel machen, und ich würde allen erzählen, dass ich der einzige Grund für diesen Erfolg bin. Aber jetzt bin ich 56, und wenn ich etwas gelernt habe, ist es das: Erfolg ist nicht steuerbar. Die Welt macht, was sie will. Alles, was ich dazu beitragen kann, ist das, was ich kann, so gut zu machen wie möglich.

SKIP: Sie sind bei der Visualisierung Ihrer Charaktere immer maßgeblich beteiligt – wie gefällt Ihnen die Produzententätigkeit?

Neil Gaiman: Ich mag die Abwechslung. Schreiben ist ja eine sehr geradlinige Tätigkeit, die man ganz alleine macht – und das Filmemachen ist sehr hektisch, und sehr sozial. Allerdings ist die Balance gerade etwas im Ungleichgewicht – ich habe zurzeit sieben oder acht Serienprojekte in verschiedenen Entwicklungsstadien laufen, das frisst das ganze Leben auf. Ich freue mich wirklich darauf, wieder Zeit zum Schreiben zu haben.

SKIP: Haben Sie beim Schreiben ein spezielles Ritual?

Neil Gaiman: Sogar mehrere. Mein wichtigstes Werkzeug sind zwei Füllfedern. Ich schreibe die erste Version meiner Texte immer mit der Hand in ein Notizbuch, erst die zweite Version tippe ich dann in den Computer. Und ich verwende immer zwei unterschiedliche Tinten, die ich jeden Tag abwechsle. So sehe ich genau, wie viel ich an einem Tag geschrieben habe.

SKIP: Und welche Notizbücher verwenden Sie? Irgendwelche oder eine spezielle Marke?

Neil Gaiman: Natürlich Letzteres. (lacht) Meistens verwende ich Leuchtturm-Notizbücher. Früher waren es die von Moleskine, aber seit die Firma nach China verkauft wurde, ist die Qualität rapide gefallen. Das Papier ist schlecht, und sie verwenden nur mehr Klebebindung. Momentan schreibe ich in wunderschöne, ledergebundene Bücher, die ich in einem kleinen Geschäft in Venedig gekauft habe. Die sind fast zu schön, um sie vollzuschreiben – und gerade diese Tatsache zwingt mich dazu, weiterzumachen, damit ich diese wunderschönen Bücher nicht umsonst bekleckere.

 

 

How to talk to Girls at Parties

Fotos: pps.at, VIENNALE

How to Talk to Girls at Parties

Liebeskomödie. Großbritannien/USA 2017. Länge 102 Min. Regie John Cameron Mitchell. Besetzung Alex Sharp, Elle Fanning, Nicole Kidman, Ruth Wilson, Lara Peake. Kinostart Noch nicht bekannt.

London, Ende der 1970s. Oberstufler Enn (Alex Sharp) und seine Freunde versuchen sich am Nachtleben – und crashen mit viel Chuzpe eine Party der Punk-Queen Boadicea (Nicole Kidman). Enn trifft dort die unpackbar großartige Zan (Elle Fanning), die seine Zuneigung durchaus erwidert. Doch die junge Beziehung leidet ein wenig an der Tatsache, dass Zan eine waschechte Außerirdische ist … Hinreißende und groß besetzte Romanverfilmung von Kultregisseur John Cameron Mitchell (Hedwig and the Angry Inch).

30.10., Gartenbaukino, 23:00 Uhr
02.11., Stadtkino im Künstlerhaus, 20:30 Uhr

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