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Echtes großes Kino

Eintrag vom von Gini Brenner

Jeder kennt ihn, jeder mag ihn, trotzdem hat  Sam Neill  keinen Stress mit der Berühmtheit – oder mit niederschwelliger Rollenwahl. So wie bei der Indie-Produktion Sweet Country: Im Interview erzählt er, warum ihm gerade der Film so wichtig ist.

SKIP: Wie hat es Regisseur Warwick Thornton geschafft, Sie für diese schmal budgetierte Indie-Produktion zu gewinnen?

Sam Neill: Erstens finde ich das Thema faszinierend. Es ist unsäglich, was sich in vielen Teilen der Welt abgespielt hat, nachdem sie von den Europäern „entdeckt“ wurden – fast immer hatte das für die betroffenen indigenen Völker katastrophale Konsequenzen – so eben auch in Australien. Die Geschichte, die Sweet Country erzählt, ist ja tatsächlich passiert. Ich habe sie nicht gekannt, und sie hat mich sehr berührt. Und zweitens halte ich Warwick für ein Genie. Ich finde, was er macht, sind mehr als nur Filme, das ist echtes großes Kino, im besten Sinne des Wortes.

SKIP: Ihre Filmauftritte sind extrem unterschiedlich, sie sind in Blockbustern genauso zu Hause wie in kleinen Indie-Produktionen wie Sweet Country. Suchen Sie da ganz gezielt nach Abwechslung?

Sam Neill: Was immer Ihnen meine Kollegen erzählen – meist steckt hinter unserer Rollenwahl kein großer Plan. Es kommt einfach irgend-etwas daher, und man denkt sich: „Ja, das würde ich gerne machen!“ Ich befinde mich ja in der interessanten Position, dass ich nicht arbeiten muss. Ich könnte mich jederzeit zur Ruhe setzen, wenn ich das wollte. Das ist ein großes Privileg. Und ich bin trotzdem nicht so berühmt, dass mich das in meiner Freiheit einschränken würde. Ich kann immer noch ohne Bodyguards auf die Straße gehen.

SKIP: Werden Sie denn nicht dauernd von Ihren Fans angesprochen?

Sam Neill: Nicht wirklich, nein. Gestern hat jemand zu mir gesagt: „Wissen Sie eigentlich, dass Sie genauso aussehen wie der Schauspieler Sam Neill?“ Und ich habe drauf gesagt: „Ja, das bekomme ich ständig zu hören!“ Und er drauf: „Aber er ist älter als Sie.“ (lacht)

SKIP: Sie haben in einem Interview vor 20 Jahren einmal gesagt, dass Sie sich selber für einen schlecht ausgebildeten Schauspieler halten. Sehen Sie das immer noch so?

Sam Neill: Mittlerweile habe ich wohl mittels Learning by Doing einiges nachgeholt. Ich glaube mit 90 bin ich dann richtig gut.

 

Sweet Country

Fotos: VIENNALE

Sweet Country

Drama. Australien 2017. Länge 117 Min. Regie Warwick Thornton. Besetzung Sam Neill, Hamilton Morris, Tremayne Doolan, Natassia Gorey-Furber, Ewen Leslie. Kinostart Noch nicht bekannt.

Alice Springs, Australien, Ende der 1930er Jahre. Nur eine Handvoll Leute wohnen hier, aber die Hierarchie ist eisern: Der weiße Mann ist alles, die Aborigines sind nichts, und als Frau hat man sowieso die Arschkarte. Als der Aborigine Sam (Hamilton Morris) einen Weißen tötet, nachdem der seine Frau vergewaltigt hat, steht er vor der Hinrichtung – was der moralgefestigte Mr. Smith (Sam Neill) unbedingt verhindern möchte. Bildgewaltiger Australo-Western, beim Filmfestival von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

29.10., Urania, 11:00 Uhr
01.11., Gartenbaukino, 18:00 Uhr

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