Kolumne

"Bist du OK?"

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SKIP zwingt seinen Kolumnisten, Dinge zu schauen, die er sich sonst nie antun würde. Diesmal – und irgendwie passend zu Halloween: die gesamte Sharknado-Filmreihe des einschlägigen Senders SyFy. Hai-Watching bis zum Absaufen … 

Die Prämisse ist so simpel wie klar: Ein Tornado wirbelt lebende Haie und hektoliterweise Meerwasser aufs amerikanische Festland zu. So brauchen die lieben Viecherln mit den zahlreichen Zahnreihen jetzt gar nicht mehr in Strandnähe auf unvorsichtige Badegäste zu warten, sondern stürzen sich im Stadtzentrum von L. A. aus der Luft auf ihre Opfer. Logisch.

Doch nicht alle Amis lassen sich diese neuerliche Gemeinheit der Natur gefallen. Wenn sie schon gegen die Klimakatastrophe nichts tun können, dann schnappen sie sich doch wenigstens ihre Schrotflinten und Kettensägen, um den vom Himmel stürzenden Haien aller Art in Sharknado (USA 2013–2017; Regie: Anthony C. Ferrante) flugs den Garaus zu machen. Eh klar.

 

Sharknado1

 

Protagonist der vom TV-Sender SyFy in Auftrag gegebenen und von der einschlägigen Produktionsfirma The Asylum verantworteten Direct-to-Video-Reihe ist Barbesitzer Fin Shepard (gespielt vom seit Beverly Hills, 90210 zu Recht in der Versenkung abgesoffenen Ian Ziering), der sich angesichts der Bedrohung zum Reserve-Rambo wandelt. Gemeinsam mit seiner Kellnerin – anscheinend ebenfalls heimlich bei den Special Forces – fährt er durch die Stadt, um seine unsympathische Familie, Busse voller Schulkinder und ähnliche Statisterie vor der in übelstem CGI gehaltenen Knorpelfischinvasion zu retten. So mancher geht dabei drauf; wird aber einer der Filmfiguren nur Arm oder Bein abgebissen, reicht schon ein kurzes, dümmliches „Bist du OK?“, damit der/die/das Betreffende aufspringt und weiterkämpft. Was denn auch sonst?

Das Machwerk dürfte Menschen mit einer grundfalschen „So schlecht, dass es schon wieder gut ist“-Einstellung so gefallen haben, dass Regisseur Ferrante (trashkundig durch die Mitarbeit bei diversen Genreblättern) bisher gleich vier Fortsetzungen drehen durfte: Sharknado 2: The Second One (der in New York), Sharknado 3: Oh Hell No! (der in Washington, mit der Bond-Parodie am Anfang), Sharknado: The 4th Awakens (mit Star Wars-Vorspann und US-Provinz) und jetzt auch Sharknado 5: Global Swarming (der mit genug Budget für internationale Drehorte, aber immer noch keinen besseren Effekten).

 

Sharknado2

 

Der Kolumnist erfreut sich zumindest kurz an den Cameos abgehalfterter B- und C-„Stars“, den Zumutungen der Schönheitschirurgie sowie vielen Holzhammer-Anspielungen auf bekannte Filmwerke, lernt aber im Morgengrauen und mitten in Teil fünf die Freuden des Wachkomas zu schätzen – so erspart er sich 45 Minuten Hailights …

Was lernen wir daraus? Es nützt überhaupt nichts, das Wasser zu meiden – jetzt kann man in die frische Luft auch nicht mehr gehen. Schon gar nicht, wenn der Weg zur Videothek führt, wo bereits ein neuer Sharknado-Teil hinter der Buddel lauern könnte.

Text: Peter Hiess, Illustration: Verena Müllner

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