Kolumne

Cartoon-Überdosis

Eintrag vom

SKIP zwingt seinen Kolumnisten, Dinge zu schauen, die er sich sonst nie antun würde. Diesmal soll er sich durch die Kinderserie Adventure Time mühen. Doch siehe da – aus ganz speziellen Gründen genießt er diesen TV-Marathon schließlich sogar.

Nehmen wir einmal an, lieber Leser, Sie würden bewusstseinsverändernde Drogen konsumieren. Nicht, dass sich einer von uns das auch nur annähernd vorstellen könnte, aber es soll ja sowas geben … LSD, Psilocybin, Ketamin, die eine oder andere Jazz-Zigarette, Sie wissen schon. Haben Sie eine solche Substanz einmal zu sich genommen, dann sind Sie nie mehr derselbe. Angeblich.

Aber es geht auch einfacher. Ohne schmierige Dealer, steuerlich nicht abschreibbare Ausgaben und die dauernde Angst, dass einen die Rauschgiftpolizei erwischt. Man muss nur bestimmte Zeichentrickserien schauen – angefangen von den Road Runner-Cartoons über Die Ren und Stimpy Show bis hin zur absolut großartigen Serie Rick and Morty. (Ja, OK, unverbesserliche Kiffer dürfen auch weiterhin die halbe Nacht vor alten Teletubbies-Folgen delirieren …) Die Wirkung ist beinahe dieselbe wie bei Halluzinogenen: völliger Verlust der Realitätswahrnehmung, das Entdecken neuer Welten, haltloses Lachen und Zähneknirschen. Man könnte süchtig werden. Und genau das ist dem Verfasser dieser Zeilen jetzt anhand einer Animations-Überdosis mit der Serie Adventure Time – Abenteuerzeit mit Finn und Jake auch passiert. Die Sadisten aus der Redaktion haben sich gedacht: Kinderserie, haha, das hält er nie durch! Irrtum. Sind ja nur lächerliche neun Staffeln mit insgesamt 270 Episoden. Und eine Folge dauert elf Minuten, das sind dann rein rechnerisch … egal. Man hat ja sonst nichts zu tun. Und elf Minuten entsprechen genau der mittlerweile geplagten Aufmerksamkeitsspanne des Kolumnisten, der sich bei manchen überlang-langweiligen aktuellen Kinowerken nach spätestens einer Stunde wünscht, dass es nun bitte endlich bald vorbei wäre.

Worum geht’s eigentlich? Sehen Sie, das verstehen bei Adventure Time bestenfalls Kinder. Und die Kinder, die verstehen, was da los ist, mit denen möchte man eher lieber nichts zu tun haben. Die Serie spielt in einer angeblich postapokalyptischen Welt namens Ooo, ist von Fantasy-Rollenspielen inspiriert und handelt von – ja, was? Es kommt ein Bub namens Finn vor, der aber eher ein Humanoider mit einem Kopfpolsterkopf ist, und sein Hund/Adoptivbruder Jake, der die Gestalt wandeln kann. Und Prinzessin Bubblegum. Und der Eiskönig. Und Lady Regenbogen. Und Vampire, sprechende Spielkonsolen, Pinguingötter etc. HILFE!

Man kennt sich auch nach 100 Episoden noch nicht wirklich aus, fühlt sich aber wie im psychedelischen Wunderland für alle Jahreszeiten. Bunte Farben, quietschige Dialoge, total irrwitzig-sinnlose Plots. Völlig verschwendet an Kinder … ja, gebt mir noch eine!

(nach Diktat ins Delirium gefallen)

Text: Peter Hiess, Illustration: Verena Müllner, Foto: Cartoon Network

1 Kommentar

Großartige Serie

Weshalb man ausgerechnet 'Adventure Time' genommen hat, kann ich nicht nachvollziehen. Die Serie ist ja allgemein sehr hoch angesehen und ist bei Erwachsenen weit beliebter als bei Kindern.

22. November 2017
13:04 Uhr

von chrosTV

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