Kolumne

Blöd Santa

Eintrag vom

SKIP zwingt seinen Kolumnisten, Dinge zu schauen, die er sich sonst nie antun würde. Nach dem Unfug mit Halloween, Thanksgiving und Black Friday mutet man ihm heuer noch schnell amerikanische X-mas-Komödien zu. Und zwar durchaus ordinäre. Betet für ihn!

Huch, der Weihnachtsmann flucht und säuft ja! Noch dazu ist er unrasiert, wird von Billy Bob Thornton (den man sympathisch finden kann – die Frage ist nur, wie) dargestellt, ist sexsüchtig und macht den lieben Kleinen keine Freude, sondern raubt fluchend Kaufhäuser aus.

 

badsanta

 

Richtig geraten – diesmal muss ich mir Bad Santa (2003) anschauen. Und was schon damals niemanden wirklich geschreckt hat, außer vielleicht erzchristliche Fundamentalisten, lässt auch heute noch kalt. In Wahrheit hat die „Komödie“ über den sittlich ach-so-verdorbenen Weihnachtsmann sowieso nur jener Sorte von Feuilleton-Filmkritikern gefallen, die so mit Verspätung ihre frühpubertären Aggressionen gegen das Weihnachtsfest im Kino ausleben durften. 91 Minuten unangenehme Menschen mit unangenehmen Witzen – und dann noch eine recht banale „Moral von der Geschicht“, weil der ungute Santa durch ein Kind (no na …) schließlich doch noch den Geist der Weihnacht erkennt. Oder so.

 

badsanta2

 

Mehr als ein Jahrzehnt später funktionierte derselbe abgedroschene Schmäh in Bad Santa 2 (2016) dann noch weniger, weil A. Thornton und seine Kumpane unmotiviert durch eine sinnlos zusammengestoppelte Sequel-Handlung strampelten, B. besagte Kritiker von damals jetzt selbst Kinder hatten und das Christfest in seliger Demenz genießen durften und C. nicht einmal Kathy Bates als Santas unflätige Mama das Debakel herausreißen konnte. Ein verdienter Flop und noch einmal eineinhalb vergeudete Lebensstunden …

Ja, liebe Kinder, wir befinden uns im düsteren Schattenreich der „raunchy X-mas comedies“ – und „raunchy“ heißt laut Wörterbuch „vulgär, anzüglich“. Im amerikanischen Lustspielkino bedeutet das, dass man den ahnungslosen Zuseher mit männlichen Geschlechtsteilen und Witzen über selbige, Alkohol- und Soft-Drogenexzessen, Fäkalscherzen und Bitte-keine-nackten-Busen-sonst-sind-wir-nicht-mehr-jugendfrei-Sex konfrontiert.

 

office

 

Aber hilft ja nichts: Zwei Filme stehen noch auf dem Programm. Der eine heißt Office Christmas Party (2016) und ist ein Film für Leute, die auf Büro-Weihnachtsfeiern gehen, sich dort einmal im Jahr „so richtig aufführen“ und alles Mögliche heraushängen lassen … aber solche Leute kenne ich nicht. Eine Flasche Eierlikör später kommt dann The Night Before (2015) mit dem unseligen deutschen Titel „Die Highligen Drei Könige“, in dem – Doppelhuch! – die Dickenssche Weihnachtsgeschichte mit Kiffern und Säufern modernisiert wird. Ich sage nur: Joseph Gordon-Levitt. Und Seth Rogen. Man möchte sich an diesen Leuten rächen, obwohl draußen der Morgen graut und man rechtschaffen komatös ist. In diesem Sinne: Advent, Advent, das Kino brennt! 

 

highligen

 

Text: Peter Hiess, Illustration: Verena Müllner, Fotos: Sony, Constantin

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