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Stream on: Aktuelle Filme von Frauen, die ihr gesehen haben solltet

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Vom Kannibalenhorror bis hin zum Ausflug nach Lynchville. Wir haben die Streamingportale durchforstet und aktuelle Beiträge von Regisseurinnen rausgesucht, die man am Schirm haben sollte.

Raw (Amazon Prime)

Die streng vegetarisch erzogene Justine wird bei einem Aufnahmeritual an der Uni von älteren Studenten – darunter auch ihre eigene Schwester – gezwungen, rohe Kaninchenleber zu essen. Was gravierende Folgen hat: Plötzlich entwickelt sie einen schier unstillbaren Hunger auf Fleisch ... der sie schon bald die Zähne in ihre Kommilitonen schlagen lässt.

Julia Ducournaus Kinodebüt machte Schlagzeilen, nachdem die Rettung anrücken musste, weil beim Filmfestival von Toronto zartbesaitetere Zuschauer in Ohnmacht gefallen waren. Raw ist allerdings keineswegs bloß ein weiteres Kannibalen-Exploitationmovie, das nur mit mit heftigen Bildern aufwartet. Vielmehr gelingt es der Regisseurin, eine Geschichte über Lust und Gelüste, geschwisterlichen Zwist und das Erwachsenwerden zu inszenieren, wie man sie in dieser Intensität nur selten sieht.

 

 

Mudbound (Netflix)

Es ist das alte Lied: Die amerikanischen Südstaaten in den 40ern und ihr Rassismus. In Dee Rees starkem Loblied auf die Freiheit und die ganz persönlichen Träume trifft eine von Diskriminierung gebeutelte, afroamerikanische Familie auf die McAllens. Die sind zwar weiß und damit angesehen, haben aber größte Schwierigkeiten, sich an die rauen und wenig zivilisierten Gepflogenheiten des Südens anzupassen.

Der Film spricht vor dieser Ausgangslage die zahlreichen Probleme des Rassenkonflikts jener Epoche an und nimmt sich dabei genügend Zeit, die einzelnen Akteure gedanklich zu Wort kommen zu lassen. Academy Award gab es dafür zwar keinen, aber immerhin gleich vier Nominierungen – unter anderem für Rachel Morrison, die als erste oscarnominierte Kamerafrau überhaupt in die Geschichte eingeht.

 

 

The Bad Batch (Netflix)

In der staubigen Wüstenlandschaft nahe Texas bemühen sich Ausgestoßene recht unterschiedlich um ein gutes Leben: Während die einen den rauen Exil-Alltag mit Drogen weichspülen und dabei zwangsweise den amerikanischen Traum neu interpretieren, stillen die anderen ihren Lebensdurst mit Menschenfleisch. Dazwischen humpelt die verstümmelte Arlen (Suki Waterhouse) ihrem von der glühenden Sonne verblichenen Lebenssinn hinterher.

Regisseurin Ana Lily Amirpour (A Girl Walks Home Alone at Night) lässt in The Bad Batch primär Bilder sprechen. Dabei kommen trostlose Ödlandszenerien zwar alles andere als fade daher – sicherheitshalber rüttelt die Engländerin mit iranischen Wurzeln die Zuschauer aber auch noch mit spitzfindiger Sozialkritik wach. Neben Suki Waterhouse (Stolz und Vorurteil & Zombies), durfte sie für ihren erst zweiten Langspielfilm u.a. Jason Momoa (Aquaman), Keanu Reeves und Jim Carrey in die Wüste schicken.

 

 

Buster's Mal Heart (Netflix)

Realismus-Verfechter und Freunde des Naturalismus werden es mit diesem Streifen schwer haben. Mit Mr. Robot-Star Rami Malek in der Hauptrolle inszeniert Regisseurin Sarah Adina Smith einen fiebrigen, unzuverlässig erzählten Trip durch die Psyche eines gebrochenen Mannes. Hier ist nichts, wie es scheint. Nachdem der schrullige Buster, der mit seiner Familie in einem kleinen Hotel wohnt, einen seltsamen Fremden trifft, steht sein Leben plötzlich Kopf. Er findet sich auf einer Selbstsuche wieder, bricht in fremde Häuser ein und begibt sich immer tiefer in einen skurrilen Strudel, den man selbst erleben muss, um ihn zu verstehen. Wobei verstehen in diesem Fall ein weiter Begriff ist.

Buster's Mal Heart ist angenehm unkonventionell, erklärt sich nicht und erinnert mit seinem surrealen Humor an den ein oder anderen Ausflug nach Lynchville.

 

 

Berlin Syndrom (Netflix)

Cate Shortland mag zwar Australierin sein, ihre Geschichten siedelt sie aber nur allzu gern im German Grauen an. Nach dem knallharten NS-Historiendrama Lore aus 2012 lässt sie in ihrem dritten Spielfilm eine Fotografin aus Down Under (Teresa Palmer) in Berlin stranden. Die Hipster-Hauptstadt entpuppt sich hier aber rasch als, ähm, Touristenfalle: Nach einem One-Night-Stand wird sie von ihrem deutschen Lover (Max Riemelt) gegen ihren Willen in dessen Wohnung festgehalten.

Wie der auf das Stockholm Syndrom abzielende Titel schon suggeriert, fokussiert Shortland hier auf das komplizierte Verhältnis zwischen Gefangener und Kidnapper – pflegt dabei aber auch wilde Handlungswendungen und üble Gewalteskalationen ein. Ein fieser kleiner, wenn auch etwas überlanger Psychohorror-Thriller.

 

 

The Invitation (Netflix)

Als Will (Logan Marshall-Green) mit seiner neuen Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) die Einladung seiner Ex-Frau Eden (Tammy Blanchard) und ihres neuen Mannes David (Michiel Huisman) annimmt, scheint zunächst noch alles in Butter. Will glaubt jedoch, dass Eden, David und die anderen Gäste – ja, wirklich – irgendetwas zu verbergen haben ...

Karyn Kusamas (Æon Flux) stellenweise vielleicht etwas zu schleichendes Kammerspiel überträgt die Paranoia der Hauptfiguren gekonnt auf den Zuseher und liefert vor allem in der zweiten Filmhälfte beste Psychothriller-Unterhaltung samt Blut- und Beuschel-Showdown.

 

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